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Trumps Rhetorik: Polarisieren ist Trumpf

Wer austeilt, wird leicht selbst zur Zielscheibe: Auf www.trumpdonald.org können die Nutzer "Trump" die Meinung tröten.
Bild: www.trumpdonald.org

Beleidigen, provozieren, diskriminieren: Was für Führungskräfte tabu sein sollte, nutzt US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump, um es im Vorwahlkampf krachen zu lassen. Wir haben uns angeschaut, warum Trump dennoch Erfolg hat, und stellen einige humoristische Reaktionen auf seine Rhetorik vor.

"Sie sind alle schwach, einfach schwach", räsonierte Donald Trump bei einem öffentlichen Auftritt über seine Mitbewerber um die US-Präsidentschaftskandidatur. "Ich denke, sie sind alle schwach, wenn Sie die Wahrheit wissen wollen. Aber das werde ich nicht sagen, weil ich mich nicht, weil ich keine Scherereien haben will. Also werde ich mich weigern zu sagen, dass sie alle schwach sind, alles klar?"

Applaus für Reden mit rhetorischen und logischen Mängeln

Alles klar? Jede Führungskraft, die so gegenüber ihrem Team oder gar im Executive Meeting auftreten würde, wäre für ihr Unternehmen nicht lange haltbar. Donald Trump, Unternehmer und US-Präsidentschaftsbewerber, bekommt für solche und andere Ansprachen hingegen seit Monaten tosenden Applaus – obgleich seine Argumentation ganz offensichtlich logische und rhetorische Mängel hat.

Warum hat Trump dennoch Erfolg? In der aktuellen Ausgabe der "Wirtschaft + Weiterbildung" haben wir Trumps Rhetorik genauer durchleuchtet und Martin Laschkolnig, Präsident der German Speakers Association, zu seiner Meinung zum Phänomen "Trump" befragt (den kompletten Beitrag und das Interview mit Laschkolnig lesen Sie in Ausgabe 05/2016 der "Wirtschaft + Weiterbildung"). Dabei haben wir sechs Leitmotive festgestellt.

Motiv 1: Trumps "Wir-gegen-sie"-Weltbild

Trumps wohl auffälligstes Stilmittel ist seine Aufteilung der Welt in "wir" und "sie". Mit "sie" meint Trump Gruppen von Menschen, die er ablehnt. Sein populärster, weil kontroversester Coup war wohl seine Forderung, allen muslimischen Migranten ("sie") die Einreise in die USA zu verwehren. "Die 'Wir-gegen-sie'-Rhetorik schafft eine bedrohlich Dynamik, bei der 'sie' entweder böse sind oder verrückt oder unwissend, und 'wir' einen Kandidaten brauchen, der die Bedrohung erkennt und sie bannen kann", erklärt der Politik-Psychologe Matt Motyl von der University of Illinois gegenüber der "New York Times".

Motiv 2: der Gebrauch starker Bilder

Ein weiteres Stilmittel Trumps sind starke, oft Gewalt evozierende Bilder. In einem Werbespot spricht er etwa davon, er werde den Mitgliedern des Islamischen Staats "die Köpfe abhauen" und sich "ihr Öl schnappen". Warum? "Solche Behauptungen und Beschuldigungen lassen ihn erscheinen wie den Mann, der alle Ungemach beseitigen kann", so US-Historiker Michael Kazin von der Georgetown University Trumps Gewalt-Rhetorik in der "Times".

Motiv 3: Verallgemeinerungen, Übertreibungen und Stereotypisierungen

Trump als alleiniger Bezwinger des "IS": Auch Ausschmücken und Übertreiben gehört zu seinem rhetorischen Einmaleins. Eine Trump-Sprachanalyse, über die die "Wirtschaftswoche" berichtet, stützt dies. Demnach liebt der Republikaner Adjektive mit positiver Bedeutung – besonders als Superlative: So bestand 1,7 Prozent seiner Rede am "Super Tuesday" aus Wörtern wie "amazing", "spectacular" und "greatest". Doch beim Übertreiben allein belässt Trump es offenbar nicht: Laut einer Studie, über die die "Zeit" berichtet, sollen Trumps Aussagen in 76 Prozent aller Fälle falsch sein.  

Motiv 4: persönliche Attacken

Eine Sprachanalyse der "New York Times" hat eine weitere Spezialität Trumps identifiziert: Er attackiert demnach viel häufiger Personen als Ideen oder Situationen. Seine politischen Gegner bezeichnet er dazu am liebsten als "dumm" (die Times-Autoren zählten mehr als 30 Nennungen), "schrecklich" (14 Nennungen) oder – wie im eingangs erwähnten Zitat – als "schwach" (13 Nennungen).

Motiv 5: eine einfache, informelle Sprache

Ein Pluspunkt für Trump ist offenbar auch seine einfach Sprache: Er nutzt Satzkonstruktionen, die so wirken, als habe er sie sich gerade erst ausgedacht, und eine informelle Sprache, die ihn so klingen lässt wie den netten Typen von nebenan. Oft nutzt er etwa das informelle Wort "guy". Die Autoren der "New York Times" haben den Ausdruck in ihrer Analyse bei Trump ganze 91-mal in einer Woche gezählt.

Motiv 6: eine energetische, charismatische, humorvolle Art zu sprechen

Daneben spielt auch der Gebrauch von Humor bei Trumps Rhetorik eine große Rolle. Die Autoren der "New York Times" argumentieren, dass sich Trumps Rhetorik dadurch von plumper Demagogie unterscheide: Trump sei ein energetischer und charismatischer Redner, der sein Publikum unterhalten und sich bei ihm einschmeicheln könne – und schließlich sei Demagogie leichter verdaubar, wenn sie mit einem Lächeln und einem Witz serviert werde.

Humoristische Reaktionen: "Make Donald Drumpf Again"

Wer so polarisiert, muss mit Gegenschlägen rechnen. Auch in diesem Fall ist Humor eine wirkungsvolle Waffe. Wir haben einige humoristische Reaktionen auf Trumps Rhetorik gesammelt:

  • Die "Make Donald Drumpf Again"-Kampagne: Moderator John Oliver hat in seiner US-Comedy-Show "Last Week Tonight´" die Kampagne "Make Donald Drumpf Again" gestartet. Auslöser war, dass Trump dem Comedian Jon Stewart vorgeworfen hatte, nicht zu seinem kulturellen Erbe zu stehen – weil dieser seinen jüdisch klingenden Nachnamen "Leibovitz" in "Stewart" geändert hatte. Olivers Redaktion recherchierte daraufhin die Herkunft des Namens "Trump" – und stieß auf den ursprünglichen Namen "Drumpf". In Anlehnung an Trumps Motto "Make America Great Again" forderte Oliver, auch Trump möge zu seinem Erbe stehen: "Make Donald Drumpf Again!". In kurzer Zeit gingen 30.000 Baseball-Kappen mit diesem Slogan weg. Weitere Infos zur Aktion finden Sie unter www.donaldjdrumpf.com.
  • Trumpgenerator, Drumpfinator & Co.: Verschiedene Websites und Apps wie www.trumpgenerator.com und der "Donald Trump Insult Generator" (www.time. com/3966291/donald-trump-insult-generator) ermöglichen es, per Knopfdruck eine Beleidigung à la Trump zu generieren – und diese gleich per Twitter abzusetzen. Gibt man Begriffe wie "Obama“"oder "Germans" in die Maske ein, kommen trumpeske Beleidigungen heraus wie "Obama is a total loser" ("Obama ist ein totaler Verlierer") oder "Germans apologized to me but I will not accept their apology. I will be suing them for a lot of money" ("Die Deutschen haben sich bei mir entschuldigt, aber ich werde ihre Entschuldigung nicht akzeptieren. Ich werde sie auf jede Menge Geld verklagen"). Ein weiterer Gag auf Trumps Kosten: das Add-on "Drumpfinator". Es ersetzt – John Oliver lässt grüßen – den Namen "Trump" auf allen aufgerufenen Websites mit dem Namen "Drumpf".
  • www.trumpdonald.org: Die Website spielt mit der Ähnlichkeit von Trumps Namen mit den englischen Wörtern "trumpet" ("Trompete") und "trump“ ("Trumpf" oder "(über-)trumpfen"). Der User kann dort einem Trump-Bildnis per Mausklick ins Gesicht trompeten. Dabei fliegen Trumps Haare nach oben (siehe Screenshot), ab und zu fliegt Konfetti. Dem Fake-Trump wurde bereits mehr als 115-Millionen-mal die Meinung getrötet. Ein Zähler dokumentiert die "Trumps".

 

Hinweis: Dies ist ein Auszug aus der aktuellen Ausgabe der "Wirtschaft + Weiterbildung". Den kompletten Beitrag "Rhetorikmaxime: Trump ist Trumpf" sowie ein Interview mit Martin Laschkolnig, Präsident der "German Speakers Association", zu Trumps Rhetorik lesen Sie in Ausgabe 05/2016.

Schlagworte zum Thema:  Führung, Kultur, Leadership

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