18.12.2014 | Flexible Arbeitsmodelle

Deutsche Unternehmen sind Vorbild in Sachen Flexibilität

Viele Unternehmen bedenken inzwischen die Wünsche der Mitarbeiter nach flexiblen Arbeitsmodellen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Flexible Arbeitsmodelle gehören inzwischen in fast jedem deutschen Unternehmen zum Standard. Im Vergleich mit anderen europäischen Unternehmen liegt Deutschland dabei an der Spitze, zeigt eine aktuelle Umfrage. Jedoch wird ein Modell dabei gerne vernachlässigt.

Fünf Arbeitszeitmodelle standen für die 1.200 befragten HR-Manager in Europa zur Wahl bei der Umfrage im Auftrag des Personaldienstleisters Robert Half. Sie konnte angeben, ob sie  Teilzeit, flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, Vaterschaftsurlaub oder Jobsharing anbieten.

Dabei stellte sich heraus, dass deutsche Unternehmen bei vier der flexiblen Arbeitsmodelle über dem Durchschnitt liegen: 76 Prozent der deutschen Firmen bieten Teilzeitarbeit an – europaweit sind es 71 Prozent. Flexible Arbeitszeiten bieten 70 Prozent der Unternehmen in Deutschland und in Europa 54 Prozent. Homeoffice-Angebote bestehen bei 40 Prozent der deutschen und bei 34 Prozent der europäischen Unternehmen. Auch in Sachen Vaterurlaub liegt Deutschland noch mit einem Prozentpunkt knapp über dem europaweiten Durchschnitt von 40 Prozent.

Deutsche HR-Manger schrecken vor Jobsharing zurück

Doch beim Jobsharing sind deutsche Unternehmen zurückhaltend. Dies bieten hierzulande nur 15 Prozent an, während es in Europa immerhin 25 Prozent der Unternehmen anbieten. Bei diesem Modell ist Großbritannien Spitzenreiter, wo 48 Prozent der Unternehmen Jobsharing für ihre Mitarbeiter ermöglichen. In Belgien und den Niederlanden ist dieses Modell bei fast 23 Prozent der Unternehmen verbreitet. Auch in Österreich lassen noch 22 Prozent der Firmen das Teilen einer Stelle zu; in der Schweiz und in Frankreich sind es jeweils 19 Prozent.

Jobsharing scheint mit Geschäftsprozessen nicht kompatibel

Was sind die Gründe dafür, dass deutsche Unternehmen beim Jobsharing skeptisch sind? Laut den Umfrageergebnissen lehnen 36 Prozent der 200 befragten HR-Managern aus Deutschland Jobsharing ab, weil sie dies als ineffizient im Hinblick auf die geschäftlichen Anforderungen erachten. 28 Prozent der Befragten finden, die Zusammenarbeit im Team werde dadurch erschwert. Und jeder vierte Personalmanager (26 Prozent) gibt an, dass die Aufgaben der Mitarbeiter physische Präsenz am Arbeitsplatz erfordern.

Was Unternehmen bei Jobsharing beachten sollten

Um diese Hürden zu überwinden empfiehlt Robert Half vor allem auf vier erfolgsrelevante Punkte im Arbeitsprozess zu achten:

  1. Organisatorische Herausforderungen: Jobsharing erfordert viel Disziplin, besonders bei der Kommunikation – nicht nur von den betreffenden Mitarbeitern, sondern auch vom Unternehmen und von den Kollegen.
  2. Abstimmung mit dem Sharing-Partner kann problematisch werden: Beide Mitarbeiter sollten menschlich gut miteinander auskommen und die gleiche Verantwortung übernehmen, um unnötige Diskussionen zu vermeiden.
  3. Ständige Übergabe notwendig: Neben Disziplin und Organisationstalent sollten technische Tools, wie Excel-Listen oder ein gemeinsamer Kalender, eingesetzt werden, die die Einsicht in die Prozesse des jeweils anderen erleichtern.
  4. Mehrkosten einkalkulieren: Für zwei Teilzeitstellen können Mehrkosten, zum Beispiel durch höhere Sozialabgaben, anfallen. Jedoch zahlt sich das für den Arbeitgeber in der Regel aus, da eingearbeitete Mitarbeiter langfristig ans Unternehmen gebunden werden.

Schlagworte zum Thema:  Flexible Arbeitszeit, Teilzeit, Homeoffice

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