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| Fernlernen

Wie die Persönlichkeit den Lernerfolg beeinflusst

Einsam am PC zu lernen, ist nicht für jeden geeignet.
Bild: Veer

Eine Studie der Europäischen Fernhochschule Hamburg zeigt, wie die Persönlichkeit das Lernverhalten von Fernlernern beeinflusst. Die Erkenntnisse könnten Fernkursanbieter dazu nutzen ihr Angebot zu individualisieren, so Studienleiter Professor Christian Warneke.

Lerner sind verschieden. Im Präsenzunterricht kann die Lehrkraft auf die Unterschiede eingehen und zwischen den Lernern differenzieren; beim Fernunterricht ist das jedoch schwieriger, da in der Regel alle Lerner dasselbe Ausbildungsangebot erhalten. Christian Warneke, Professor an der Europäischen Fernhochschule Hamburg (Euro FH), wollte wissen, wie Fernkursanbieter ihr Angebot persönlichkeitsspezifisch individualisieren können. Dazu führte er eine Umfrage unter 322 Studenten der Euro FH durch, wie er in der aktuellen Ausgabe der Wirtschaft und Weiterbildung berichtet. Ziel seiner Untersuchung war es, mögliche Zusammenhänge zwischen der Ausprägung von Persönlichkeitsfaktoren und dem Studierverhalten im Fernstudium zu identifizieren.

Fernstudium kann eine einsame Angelegenheit sein

Im Mittelpunkt standen dabei die beiden Persönlichkeitsfaktoren "Extraversion" und "Formalität": "Extraversion" wählte der Professor deshalb als Kriterium aus, weil das Fernstudium eine ziemlich einsame Angelegenheit sein kann und daher für Extravertierte bedeutet, ihre Komfortzone verlassen zu müssen. Hoch extravertierte Personen, so Warneke, unterscheiden sich von niedrig extravertierten Personen unter anderem durch ihr Kontakt- und Kommunikationsbedürfnis zu anderen Menschen. Und "Formalität" war ihm wichtig, weil sie eng mit dem Persönlichkeitsfaktor "Gewissenhaftigkeit" verknüpft ist, der sich in vielen Untersuchungen als kritisch für den Erfolg in Schule, Studium und Beruf erwiesen hat.

Finanzen belasten extravertierte Lerner weniger

Die Studie kam laut Warneke zu dem Ergebnis, dass extravertierte Studenten sich wenig durch schlechte Klausuren bekümmert zeigen. Sie fühlen sich außerdem selten finanziell durch das Studium belastet, sehr wohl aber durch die Aussicht "alleine zu studieren". Kontakt zu anderen Fernstudenten schätzen sie als wichtig und bereits vorhanden ein. Beim Faktor "Gewissenhaftigkeit" stellte der Autor fest, dass formal veranlagte Studenten es als Belastung empfinden, in Prüfungen schlecht abzuschneiden oder durchzufallen. Sie haben außerdem in Prüfungssituationen ein hohes Sicherheitsbedürfnis und geben an, dass sie über genügend zeitlichen Freiraum zum Lernen verfügen. Im Studium sind sie eher perfektionistisch und sorgfältig.

Anbieter sollten vor Kursbeginn ausführlich beraten

Aus den Studienerkenntnissen folgert der Wirtschaftspsychologe, dass sich die Persönlichkeitsausprägungen eines Lerners sowohl auf sein Verhalten als auch auf seinen Erfolg im Fernstudium auswirken. Er empfiehlt den Fernkursanbietern deshalb, die potentiellen Lerner vor Kursbeginn einem Persönlichkeitstest zu unterziehen: Damit könne die Beratung sehr viel schneller und genauer auf mögliche erfolgskritische Besonderheiten des Fernlehrgangs eingehen. Einen Lerner mit hoher Formalität, der misslungene Prüfungen als sehr belastend empfindet, müsse man etwa zu Beginn ausführlich zum Thema "Prüfungen" beraten.

Dies bringt laut Warnekes Einschätzung Vorteile für beide Seiten: Der Fernlerner könne sich besser in der neuen Situation zurechtfinden und Erfolge sammeln, und der Anbieter könne sein Angebot mit Hilfe der Persönlichkeitsdiagnostik kundengenau optimieren und von erfolgreicheren Studenten profitieren.

Den kompletten Artikel "Persönlichkeit und Studienverhalten im Fernstudium" können Sie in Ausgabe 09/2013 der Wirtschaft und Weiterbildung lesen.

Haufe Online Redaktion

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