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"Werde der, der du sein kannst": zehn Fragen zur Orientierung

Einige Leitfragen können Führungskräften, Coachs und Trainern helfen, sich selbst zu finden.
Bild: Veer Inc.

Wer sich weiterentwickeln möchte, sollte wissen, wer er ist. Trainer, Coachs und Führungskräfte können diesen Prozess der Selbstfindung unterstützen. Wie das gelingt, beschreibt der Psychologe Thomas Röthemeier in der Wirtschaft + Weiterbildung anhand von zehn Fragen zur Orientierung.

Zu viele Unternehmen seien "seelische Gefängnisse" für ihre Mitarbeiter – so zitiert Röthemeier den irischen Managementexperten und Wirtschaftsphilosophen Charles Handy in der aktuellen Ausgabe der Wirtschaft + Weiterbildung. Handy bilanzierte kürzlich: "Ich habe gelernt, dass du aufhören musst, etwas zu sein, was du nicht bist!" Also, so Röthemeier, kommt es darauf an, das in uns wohnende Motiv zur Individuation zu wecken. Dabei können dem Psychologen zufolge die folgenden zehn Fragen eine Orientierung bieten, die wir hier in gekürzter Form vorstellen.

Frage 1: Habe ich ein Zentrum und lebe ich aus einem Zentrum heraus?

Diese Frage lässt sich beantworten über die Herstellung eines Bezuges zu einem "Es" (zum Beispiel zu Werten, Überzeugungen, meinem Besitz, meinen Kompetenzen) oder zu einem "Du" (über die Beziehungen, die ich eingehe). Das Leben hat ein Zentrum, wo dieser Bezug als möglichst stabil und ungetrübt erfahren wird. Was passiert, wenn diese Bezüge brüchig werden? Habe ich auch Zugang zu einem Zentrum ohne die Herstellung eines Bezuges?

Frage 2: Was ist mein Fokus, meine Aufgabe?

Fokus sei der Schlüssel zum Erfolg, so sagen es viele Managementbücher. Fokus ist auch ein Prinzip auf dem Weg der Individuation. Dabei geht es um die Fragen: Was möchte ich am Ende meines Lebens umgesetzt haben? Wofür möchte ich meine Ressourcen und mein Können zur Verfügung gestellt haben?

Frage 3: Bin ich bereit, meinen blinden Fleck anzuschauen?

Meine Unzulänglichkeiten, Unsicherheiten oder nicht bewältigte innere Konflikte sind ein Teil von mir. Dieser Teil meines Selbst wird vorzugsweise verdrängt oder nach außen projiziert. Eine Beschäftigung mit dieser Seite meiner inneren Wirklichkeit verunsichert erst einmal. Wir klammern uns dann lieber an unser "falsches Selbst". Das gibt Sicherheit, kostet jedoch viel Energie.

Frage 4: Lerne ich aus jeder Situation?

Von jeder Situation lernen gelingt, wenn ich meine alltägliche Wirklichkeit in einem umfassenderen Zusammenhang verortet sehe, als das, was gerade vor Augen ist. Dieser Prozess ist möglich mit einer achtsamen Haltung im Alltag. Ich lebe bezogen auf etwas, was mich übersteigt.

Frage 5: Wie oft verlasse ich meine Komfortzone?

Das Verlassen meiner Komfortzone kann in verschiedener Weise gelingen. Es geht darum, mich mit meinen Unsicherheiten anzufreunden, sie gar als Herausforderung zu verstehen. Für die eigene Entwicklung ist es wichtig, sich zum Beispiel zu fragen: Wie ist es mir in der Vergangenheit gelungen, emotionale Blockaden und Barrieren zu überwinden, und mich auf unsicherem Terrain zu bewegen?

Frage 6: Wie häufig erlebe ich Momente des Staunens?

Wenn es nicht alle zwei bis drei Tage etwas gibt, was mich berührt, mich bewegt, ist zu fragen, wie lebendig ich bin. Wir wollen nicht gelangweilt werden, unsere Seele braucht die Erfahrung des Unterschieds vom Vertrauten. Diese Erfahrungen sind wesentlich, um im Alltag zu bestehen.

Frage 7: Wer begleitet meine Entwicklung?

Der Prozess der Selbstentwicklung ist nie ganz abgeschlossen. Will ich auch nach zehn, 20 oder 30 Jahren schöpferisch aktiv sein, dann hilft mir ein Sparringspartner, der mich herausfordert. Wir reifen am "Du", das gilt selbstredend auch für den privaten Alltag. Der Partner hilft, dass Möglichkeiten in uns angesprochen werden, die wenig vertraut waren und ungelebtes Leben aktiviert werden kann.

Frage 8: Lerne ich meine inneren Stimmen zu unterscheiden?

Unterwerfe ich mich "Leistungsimperativen" des Marktes, die mir sagen, wer und wie ich sein sollte, damit mein Marktwert stimmt? Oder folge ich den Anrufungen meiner Seele ("Sei du selbst"), die erfahrungsgemäß weniger aufdringlich sind? Sie schleichen eher als Sehnsüchte und Tagträume in mein Bewusstsein. Wovon wünsche ich mir mehr und wovon wünsche ich mir weniger?

Frage 9: Erkenne ich rückblickend den roten Faden?

Man kann das Leben nur rückwärts verstehen – da ist etwas dran. Erkenne ich in der Rückschau zunehmend eine Verdichtung im Handeln, Denken und Erleben? Erkenne ich, dass sich etwas zeigen und mitteilen möchte durch meine Tätigkeit? Dann sollte ich ein Lebensmotto dazu formulieren!

Frage 10: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Experimente besagen, dass 75 Prozent der Menschen eher bereit sind, sich einer Mehrheitsmeinung anzupassen, als auf die eigene Wahrnehmung zu bauen. Menschen geringschätzen eigenes Erleben. Eine Frage, über die es sich in Ruhe nachzudenken lohnt, sollte lauten: Was brauche ich, um der eigenen Wahrnehmung und dem eigenen Erleben mehr zu vertrauen?

Den kompletten Beitrag "Werde der, der du sein kannst" lesen Sie in Ausgabe 04/2014 der Wirtschaft + Weiterbildung.

Schlagworte zum Thema:  Entwicklung, Coaching, Führung, Training

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