Schere zwischen Topverdienern und Niedriglöhnern geht nicht weiter auseinander
Der seit Mitte der 1990er Jahren andauernde Trend zu immer weiter auseinanderdriftenden Löhnen in Deutschland ist nach Erkenntnissen von Arbeitsmarktforschern vorerst gestoppt. Bei Frauen habe sich die Lohnungleichheit seit 2012 sogar erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten wieder verringert. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.
Überraschender Trendbruch
„Dieser Trendbruch ist auch für uns überraschend“, kommentierte IAB-Chef Joachim Möller das Ergebnis. Die Studie basiert auf den Lohn- und Gehaltsdaten von knapp 600.000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Deutschland. Nach Daten des StatistischenAmtes der Europäischen Union (Eurostat) verdienen Frauen in Deutschland aber noch immer deutlich weniger Geld als Männer.
Möller sagte, die Gründe für den Rückgang der Lohnungleichheit seien unklar. Wahrscheinlich spiele ein ganzes Bündel von Faktoren eine Rolle, möglicherweise auch die Einführung von Branchenmindestlöhnen in den vergangenen Jahren. Möglich sei auch eine Änderung der gewerkschaftlichen Tarifpolitik, die in den vergangenen Jahren Beschäftigte mit geringeren Einkünften begünstigt habe.
Auch habe sich womöglich der jahrelange Kampf von Frauen für eine im Verhältnis zu Männereinkommen bessere Bezahlung ausgewirkt. Das müsse aber erst noch genauer untersucht werden, machte IAB-Chef Joachim Möller deutlich. Da der Studie nur Lohndaten bis 2014 zugrunde lägen, sei die Auswirkung des seit 2015 geltenden flächendeckenden Mindestlohns noch nicht berücksichtigt.
Entgeltgleichheit: Deutschland schneidet schlecht ab
Dennoch schneidet Deutschland nach der IAB-Studie innerhalb Europas bei der Lohngleichheit immer noch schlecht ab. So verdienten 2010 in Deutschland 22 Prozent der Beschäftigten - ohne Auszubildende - weniger als ein Drittel des mittleren Lohns (Median). Lediglich in Lettland, Litauen, Rumänien, Polen, Estland und Zypern geht die Kluft zwischen niedrigen und hohen Einkommen noch weiter auseinander. Am ausgewogensten sind die Verdienste in Schweden.
Auch die Lohnkluft zwischen Männern und Frauen ist in Deutschland so groß wie in kaum einem anderen Land Europas. So verdienen Frauen hierzulande im Schnitt brutto 21,6 Prozent weniger als Männer. Nur in Estland (28,3 Prozent) und Österreich (22,9 Prozent) ist der Abstand demnach noch größer. Das geht aus einer Antwort des Bundessozialministeriums auf eine Anfrage der Linken hervor. Politik und Arbeitgeberverbände forderten einen Umbruch. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) hatte im Dezember einen Gesetzentwurf für „mehr Lohngerechtigkeit“ vorgestellt.
Bereinigte Entgeltlücke bei rund sieben Prozent
Der große Lohnunterschied in Deutschland ist laut Experten unter anderem darauf zurückzuführen, dass Frauen verstärkt teilzeitbeschäftigt sind. So sind von den Teilzeitbeschäftigten mit bis zu 20 Wochenstunden über 85 Prozent Frauen. 77 Prozent aller Minijobs werden von Frauen verrichtet. Aber auch wenn man die Bezahlung bei formal gleicher Qualifikation und Tätigkeit betrachtet, schneiden Frauen schlechter ab - allerdings bei Weitem nicht so stark. Der Abstand beträgt dann 7 Prozent.
Das könnte Sie auch interessieren:
Gesetzentwurf zur Entgeltgleichheit: Keine leichte Kost
Kein "Gender Pay Gap" in Dax-Vorständen?
Gehaltsreport: Das verdienen Fach- und Führungskräfte in Deutschland
-
Workation und Homeoffice im Ausland: Was Arbeitgeber wissen müssen
363
-
Acht rettende Sätze für schwierige Gesprächssituationen
269
-
Essenszuschuss als steuerfreier Benefit
218
-
BEM ist Pflicht des Arbeitgebers
168
-
Mitarbeiterfluktuation managen
1534
-
Das sind die 25 größten Anbieter für HR-Software
126
-
Probezeitgespräche als Feedbackquelle für den Onboarding-Prozess
118
-
Warum Offboarding an Bedeutung gewinnt
115
-
Der große NLP-Bluff Teil I: Wie alles begann
1088
-
Studie offenbart zu wenige Strukturen beim Onboarding
102
-
So wird BGM vom Maßnahmenkatalog zum Steuerungsinstrument
30.06.2026
-
Von Inspiration zur Umsetzung: Warum sich die ZP Europe 2026 lohnt
29.06.2026
-
Nachhaltigkeit unter Druck: Gegenwind, aber kein Stillstand
29.06.2026
-
Wie Beschäftigte die Kündigung erleben
25.06.2026
-
Warum Social Media eine strategische Ressource für HR ist
24.06.2026
-
Aufräumen bei der Payroll
23.06.2026
-
Deniz Undav und die Frage, die jede Führungskraft kennt
23.06.2026
-
Bike to Work: Wie gemeinsames Pendeln den Teamgeist stärken kann
22.06.2026
-
So bleibt es auch bei Hitze im Büro erträglich
19.06.2026
-
So lernen Führungskräfte Veränderung
19.06.2026