Kein "Gender Pay Gap" in Dax‐Vorständen?
Entgegen der in Deutschland bestehenden Verdienstlücke zwischen den Geschlechtern gibt es in den Führungsetagen der 30 Dax‐Konzerne keine finanziellen Nachteile für Frauen. Laut dem Dax‐Vorstands‐Report, mit dem die internationale Personalberatung Odgers Berndtson bereits zum vierten Mal die Profile der Vorstandsmitglieder von im Deutschen Aktienindex notierten Unternehmen untersucht hat, verdienen weibliche Vorstände im Schnitt zwar 18 Prozent weniger als männliche.
Vergütungsgefälle von 18 Prozent zwischen männlichen und weiblichen Vorstandsmitgliedern
Dies liege jedoch nicht in ihrem Geschlecht, sondern in den meist niedriger vergüteten Zentralbereichen begründet, die Frauen oft verantworten. In den Personalressorts beziehen weibliche Vorstände gemessen an den Amtszeiten sogar überdurchschnittlich hohe Gehälter. Ein Vorstandsmitglied eines Dax‐Unternehmens verdiente im Jahr 2014 durchschnittlich 3,3 Mio. Euro. Männliche Vorstandsmitglieder, ohne Vorstandsvorsitzende, erhielten mit einer durchschnittlichen Gesamtvergütung von 2,7 Mio. dabei rund eine halbe Million Euro mehr als weibliche, deren Gesamtvergütung im Schnitt bei 2,2 Mio. Euro lag. Dies entspricht einem Vergütungsgefälle von 18 Prozent.
Frauen verantworten häufig Vorstandsressorts, die niedriger vergütet werden
"Bei diesen Gehaltsunterschieden handelt es sich jedoch nicht um einen Gender Pay Gap", erläutert Klaus Hansen, Geschäftsführer von Odgers Berndtson Deutschland und Leiter des jährlichen Dax-Vorstands-Reports, die Ergebnisse. "Die Unterschiede kommen vor allem dadurch zustande, dass Frauen in Dax-Vorständen vielfach für den Bereich Personal oder andere Zentralbereiche verantwortlich sind, die in den Unternehmen oft niedriger bezahlt sind als Regionen- oder Spartenverantwortungen", so der Berater.
Personalvorstände kommen im Schnitt auf 2,5 Millionen Euro Gesamtvergütung
Neun der 16 amtierenden Frauen in Dax-Vorständen sind für Zentralbereiche wie Personal oder Recht & Compliance verantwortlich. Personalvorstände kamen 2014 im Schnitt auf 2,5 Millionen Euro Gesamtvergütung. Vorstände, die für den Bereich Recht & Compliance zuständig sind, bezogen im Schnitt nur 1,9 Mio. Euro. Dagegen erhielten Finanzvorstände durchschnittlich 2,8 Mio. Euro, Vorstandsvorsitzende von Dax- Unternehmen sogar durchschnittlich 5,4 Mio. Gesamtvergütung. "Diese Zahlen demonstrieren das übliche Vergütungsgefälle zwischen den einzelnen Vorstandsressorts, das jedoch für Männer und Frauen gleichermaßen gilt", kommentiert Klaus Hansen.
Gemessen an ihrer Amtszeit verdienen weibliche Personalvorstände überdurchschnittlich gut
Ein genauerer Blick in das Personalressort zeigt sogar, dass Frauen zum Teil finanziell besser gestellt werden: Ein männlicher Personalvorstand verdiente 2014 im Schnitt 2,5 Mio. Euro. Ebenso viel verdienten im Schnitt die weiblichen Personalchefs im Dax - obwohl diese mit einer durchschnittlichen Amtszeit von zweieinhalb Jahren nur halb so lang in ihrer Funktion waren wie ihre männlichen Kollegen. Die am besten bezahlte Frau unter den Personalvorständen ist Kathrin Menges von Henkel mit 4,5 Mio. Euro Gesamtvergütung. Mehr als sie verdienten nur noch die Personalchefs von Daimler, Wilfried Porth mit 5,3 Mio. Euro, und Horst Neumann von Volkswagen mit 6,5 Mio. Euro.
Methodik der Untersuchung
Analysiert wurden die Lebensläufe aller Vorstandsmitglieder im Dax der Jahre 2005, 2009, 2013, 2014 und 2015 jeweils zur Jahresmitte. In 2015 wurden außerdem die Besonderheiten von Personalvorständen sowie die Vergütungen aller Dax-Vorstände untersucht. Als Quellen dienten Daten von Odgers Berndtson, die Geschäfts- beziehungsweise Vergütungsberichte der relevanten Betrachtungszeitpunkte sowie öffentlich zugängliche Informationen aus Internet und Online-Archiven, im Einzelfall auch aus den Presseabteilungen der Unternehmen.
Mehr zum Thema Frauenquote und zu den Handlungsfeldern für HR in Sachen "Gender Pay Gap" lesen Sie in Personalmagazin Ausgabe 11/2015.
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