Elternschichten beim Logistikunternehmen Amazon

"Haben die Menschen, die immer alles so schnell verschicken, eigentlich genug Zeit für ihre Familien?" Diese Frage stellt Amazon auf ganzseitigen Annoncen und liefert die Antwort gleich mit: Es gibt spezielle Elternschichten. Personalleiterin Katja Wilhelm erklärt, was dahintersteckt.

Haufe Online-Redaktion: Ihr Unternehmen wirbt auf ganzseitigen Zeitungsanzeigen mit sogenannten Elternschichten. Seit wann bieten Sie diese an?

Katja Wilhelm: Amazon hat bereits vor zehn Jahren angefangen, Elternschichten anzubieten. Die Amazon Logistikzentren haben dazu jeweils unterschiedliche Regelungen. Der Impuls kam aus einer Mitarbeiterbefragung. Wir haben uns die Frage gestellt, wie wir das umsetzen können als Logistiker: Wir müssen planen und auf die Schwankungen im Bestellvolumen flexibel reagieren können. Wir können also nicht allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Wunscharbeitszeiten anbieten. Deshalb war es uns wichtig, dass wir einerseits klare Kriterien entwickeln, andererseits aber daraus auch ein Anspruch des Mitarbeiters oder der Mitarbeiterin entsteht.

Permanente Frühschichten oder Mittelschichten für Alleinerziehende

Haufe Online-Redaktion: Haben alle Mitarbeiter mit kleinen Kindern Anspruch auf Elternschichten?

Wilhelm: Der Anspruch ist in den einzelnen Betriebsvereinbarungen mit den Betriebsräten am Standort festgelegt. An den meisten Standorten bedeutet dies, dass zum Beispiel Alleinerziehende Anspruch haben oder Kollegen, deren Partner keine Möglichkeit zur Kinderbetreuung hat. Das müssen die Mitarbeiter nachweisen.

Haufe Online-Redaktion: Wie sehen die Elternschichten aus?

Wilhelm: Wir haben unterschiedliche Modelle an den Standorten. In der Regel sind es permanente Frühschichten oder sogenannte Mittelschichten, oft verbunden mit Teilzeit. Viele Mitarbeiter reduzieren ihre Stunden in der Elternschicht und arbeiten dann nur einzelne Tage in der Woche. Teilzeit ist im Übrigen grundsätzlich sehr beliebt und wir haben eine Vielzahl von Schichtmodellen mit reduzierten Tagen oder reduzierter täglicher Stundenanzahl.

Das Lieferversprechen an den Kunden setzt bestimmte Arbeitszeiten voraus

Haufe Online-Redaktion: Bedeuten die Elternschichten im Umkehrschluss nicht auch, dass Arbeitnehmer, die keine Kinder zwischen 0 und 14 Jahren haben, eher selten die Möglichkeit haben, in den Früh- oder Mittelschichten zu arbeiten?

Wilhelm: Uns war es wichtig, dass wir einen klaren Kriterienkatalog haben und damit auch einen Anspruch der Mitarbeiter. Das heißt auch, nicht jeder kann diese Schichten wählen, denn wir brauchen auch eine starke Mannschaft in den Spät- und Nachtschichten. Das Lieferversprechen an den Kunden setzt Planung und bestimmte Arbeitszeiten voraus. Wir sind als Logistiker wie eine Bäckerei: Wenn wir die Brötchen am Morgen nicht gebacken haben, können wir sie nicht verkaufen.

Haufe Online-Redaktion: Ein ehemaliger Mitarbeiter schrieb auf Kununu: "In die Elternschicht zu kommen, ist ein nervenaufreibender Kampf." Wie stellen Sie sicher, dass es bei der Verteilung der Arbeitsschichten gerecht zugeht?

Wilhelm: Wir müssen auf eine gerechte Verteilung achten, sonst sind die im Nachteil, die wirklich auf die Elternschicht angewiesen sind. Deshalb achten wir darauf, dass die Nachweise tatsächlich erbracht werden.

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Haufe Online-Redaktion: Welche weiteren Maßnahmen bietet Amazon an, um für gute Arbeitsbedingungen zu sorgen?

Wilhelm: Zuerst müssen wir die grundlegenden Voraussetzungen schaffen: Wir zahlen wettbewerbsfähige Löhne, die am oberen Ende dessen liegen, was für vergleichbare Aufgaben bezahlt wird. Wir bieten einen Arbeitsplatz in einer sicheren Arbeitsumgebung. Wir haben Kantinen, in denen frisch gekocht wird. Unsere Logistikzentren sind klimatisiert. Dazu kommen auch Komponenten, die es in dieser Kombination nur bei Amazon gibt: Aktien, viele Wege seine Meinung und Ideen einzubringen, das Career Choice Programm für Aus- und Weiterbildung, bei dem Amazon bis zu 95 Prozent der Kosten übernimmt.

Haufe Online-Redaktion: Das zeigt auch ein weiterer Blick auf die Kununu-Kommentare. Die Weiterbildungsmöglichkeiten werden von vielen Mitarbeitern als gut bewertet. Dazu zählt auch die Förderung von "betriebsfremden" Fortbildungen mit dem Career Choice Programm, über das wir bereits im Personalmagazin berichtet haben. Was war der Auslöser für dieses Angebot?

Wilhelm: Der Fokus von Career Choice liegt darauf, dem Mitarbeiter eine individuelle Entscheidung über seine Karriere zu ermöglichen. Für die Mitarbeiter ist Career Choice ein wichtiger Benefit. Das merken wir schon daran, wie oft die HR-Kollegen an den Standorten darauf angesprochen werden.

Signal an den Mitarbeiter: Deine Karriere ist deine persönliche Entscheidung

Haue Online-Redaktion: Rechnet sich das Career Choice Programm für Sie als Arbeitgeber, auch wenn die Mitarbeiter nach der Fortbildung möglicherweise zu einem anderen Unternehmen wechseln?

Wilhelm: Ja, denn es ist ein klares Signal an den Mitarbeiter und die Mitarbeiterin: Deine Karriere ist deine persönliche Entscheidung. Career Choice räumt dir Steine aus dem Weg, es öffnet Türen. Auch Mitarbeiter, die nicht daran teilnehmen, geben uns das Feedback, dass das Programm für sie wichtig ist. Es ist gut zu wissen, dass es diese Chance gibt.

Haufe Online-Redaktion: Amazon plant bis Ende 2019 mehr als 2.800 zusätzliche Arbeitsplätze in Deutschland zu schaffen – nicht nur für Berufseinsteiger und Logistiker, sondern unter anderem auch für Personal- und IT-Spezialisten. Wie gehen Sie im Recruiting vor?

Wilhelm: Amazon investiert und wächst weiter in Deutschland. Wir haben dieses Jahr unser 13. Logistikzentrum in Deutschland eröffnet und haben dort in kurzer Zeit bereits über 1.000 Mitarbeiter gefunden. Dazu kommen die kleineren Sortierzentren und Verteilzentren. Hier entstehen Jobs, für die Menschen keine formale Ausbildung brauchen und auch neue Aufgaben für Spezialisten in IT oder HR. Die Besonderheiten von Amazon prägen auch die Personalarbeit. Wir müssen bei HR-Kandidaten daher auch darauf achten, dass sie diese Besonderheiten verstehen.
 

Das Interview führte Daniela Furkel, Redaktion Personalmagazin.