| Digitalisierungsindex

Gewerbliche Wirtschaft holt bei Digitalisierung auf

Im internationalen Vergleich liegt die deutsche Wirtschaft bei der Digitalisierung im Mittelfeld.
Bild: Haufe Online Redaktion

Im aktuellen Wirtschaftsindex Digital landet Deutschland wie im Vorjahr auf dem sechsten Platz und liegt damit im Mittelfeld. Im internationalen Vergleich liegen die USA in Sachen Digitalisierung vorne, China fällt hinter Deutschland zurück.

Die Digitalisierung der gewerblichen Wirtschaft in Deutschland hat sich im Vergleich zum Vorjahr gesteigert. Laut Wirtschaftsindex DIGITAL, den TNS Infratest und das ZEW im Auftrag des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im "Monitoring Report Wirtschaft Digital 2016" am Donnerstag veröffentlicht haben, erreicht Deutschland beim Digitalisierungsgrad seiner gewerblichen Wirtschaft jetzt 55 von 100 möglichen Indexpunkten. Dies ist ein Anstieg gegenüber Vorjahr um sechs Punkte. Die Prognose der befragten Unternehmen sieht Deutschland in fünf Jahren bei einem Wert von 58 Punkten liegen.

Digitalisierung international: USA liegt vorne, China steigt ab

An der Spitze des Rankings liegen die USA (76 Punkte), Südkorea (70) und Großbritannien (65). Danach folgen Finnland (62) und Japan (58). Absteiger des Jahres war China. Die Volksrepublik erreichte 2016 nur noch 47 Indexpunkte und landet damit auf dem achten Platz. Im Vorjahr stand China nach einer vorläufigen Berechnung mit 55 Indexpunkten noch vor Deutschland auf Platz 4, wurde aber bereits im laufenden Jahr 2015 auf 46 Indexpunkte zurückgestuft.

Digitalisierungsgrad ist stark branchenabhängig

Der Studie zufolge fällt der Digitalisierungsgrad der Wirtschaft in Deutschland je nach Branche sehr unterschiedlich aus. "Hoch" digitalisiert sind die Unternehmen aus dem Bereich der Informations- und Telekommunikationstechnik. Die Branche bleibt digitaler Vorreiter und schafft den Sprung auf 75 Indexpunkte. Damit liegt sie deutlich über dem gesamten Wirtschaftsindex.

"Durchschnittlich" digitalisiert zeigten sich sieben der elf untersuchten Kernbranchen der gewerblichen Wirtschaft, darunter die Finanz- und Versicherungswirtschaft, der Handel, die Energie- und Wasserversorgung und der Maschinenbau. Die Finanz- und Versicherungswirtschaft positioniert sich mit 61 Punkten auf Rang drei nach den hoch digitalisierten Branchen. Der Handel liegt aktuell bei 55 Punkten und behauptet seinen Vorsprung zur Energie- und Wasserversorgung mit 48 Punkten auf Rang fünf. Rang sechs erreicht der Maschinenbau mit 46 Punkten vor der chemisch-pharmazeutischen Industrie (45 Punkte). Die Verkehrs- und Logistikbranche liegt mit 43 Indexpunkten auf Rang acht, der Fahrzeugbau mit 40 Punkten auf Rang neun.

"Niedrig" digitalisiert seien das Gesundheitsgewerbe und das sonstige verarbeitende Gewerbe, das als Schlusslicht mit 35 Punkten auf Rang elf stagniert.

Hemmnisse bei Digitalisierung: mangelhafte Breitbandverbindungen

Als größte Hindernisse machen die Autoren der Studie die mangelhafte Versorgung der Unternehmen mit Breitbandverbindungen (40 Prozent der Befragten) sowie den Fachkräftemangel aus.  Mit 38 Prozent ist der hohe Investitionsbedarf die zweitgrößte Hürde. Obwohl 85 (2015:80) Prozent der Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft die Digitalisierung für insgesamt bedeutsam halten, geben immerhin noch 32 Prozent an, dass der hohe Zeitaufwand eine Hürde darstelle. Fast jedes vierte Unternehmen sieht in fehlenden, verlässlichen Standards (28 Prozent) und in Datenschutz- und Datensicherheitsfragen (25 Prozent) Erschwernisse, die der Digitalisierung entgegenstehen. 25 Prozent der Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft halten die Digitalisierung nicht für notwendig.

Rahmenbedigungen für Digitalisierung erleichtern

"Damit die Unternehmen weiterhin solche deutlichen Fortschritte in der Umsetzung der Digitalisierung machen können, bleibt es wichtig, die Hemmnisse weiter abzubauen. Neben Breitband und Investitionsbedarfen, kann auch die Klärung von Datenschutz- und Datensicherheitsfragen die Rahmenbedingungen erleichtern", sagt Dr. Sabine Graumann von TNS Infratest, die die Gesamtverantwortung für die Studie trägt.

Nachholbedarf im Mittelstand

Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, erklärte, die Analyse des Digitalisierungsfortschritts nach Unternehmensgrößenklassen weise einen deutlichen Nachholbedarf für den Mittelstand aus. "Der Standort Deutschland kann jedoch nur zukunftsfähig und erfolgreich bleiben, wenn vor allem die mittelständischen Unternehmen die Chancen der Digitalisierung nutzen und sich den Herausforderungen stellen."

Mehr zum Digitalisierungsindex 2015 lesen Sie hier.

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