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| Digitalisierung

Nur knapp jeder zweite Topmanager übernimmt Verantwortung

Viele Chefs im Mittelstand blocken die Verantwortung für die Digitalisierung laut Studie ab – in Richtung IT-Chef.
Bild: Digital Vision

Viele Firmen digitalisieren Prozesse. Offen ist oft aber, wer dafür verantwortlich ist: Nur jeder zweite mittelständische Top-Manager sieht sich dabei in der Pflicht, zeigt eine Studie. Auch für Personaler und Mitarbeiter bringt die Digitalisierung neue Anforderungen mit sich.

In vier von fünf Unternehmen aus dem Mittelstand laufen die Kerngeschäftsprozesse schon überwiegend digital ab. Vollständig auf digitale Prozesse umgestellt haben bisher immerhin 28 Prozent. Das hat eine Studie des Personalberaters Intersearch Executive Consultants unter 400 Führungskräften aus Unternehmen ab 100 Mitarbeitern ergeben.

Doch wer treibt die Digitalisierung in mittelständischen Unternehmen eigentlich aktiv voran? Wie die Studie zeigt, liegt die Verantwortung dafür nur in weniger als der Hälfte der Unternehmen auf der obersten Führungsebene. Oft geben die CEOs die Verantwortung an den CIO ab – oder gar an den IT-Bereichsleiter, der die Umsetzung ohne Steuerung der Unternehmensleitung vorantreibt.

Digitalisierung: Neue Anforderungen für Personaler

Die Studie offenbart zudem: Strategisch gehen die Unternehmen bei der Umsetzung des digitalen Wandels in vielen Fällen auch nicht vor. Eine Agenda dafür existiert nur in 60 Prozent der Unternehmen.

Um die Digitalisierung im Unternehmen strategisch weiter voranzutreiben, sollten die Mittelständler bei der Besetzung von Führungspositionen darauf achten, dass entsprechende Kompetenzen vorhanden sind, so die Empfehlung der Studienautoren. Das bedeutet neue Anforderungen für HR-Manager im Recruiting und der Personalentwicklung: "Mittelstandsmanager sollten nicht nur IT-Fachkenntnisse mitbringen, sondern innovationsfördernde Führungskompetenzen wie zum Beispiel die Begeisterungsfähigkeit für digitale Konzepte, auch über das aktuelle Geschäftsmodell hinaus, oder grundlegende Veränderungsbereitschaft", beschreibt Julia Böge, Client Partnerin von Intersearch, die neuen Anforderungen.

Neue Anforderungen an Personaler im Zuge der Digitalisierung hat auch eine neue Microsoft-Studie zum Thema "mobiles Arbeiten" ergeben: Obgleich die Mehrheit der 300 befragten Personalverantwortlichen durchaus die Vorteile einer mobilen Arbeitsweise erkennt, fühlt sich nur knapp jeder zweite in der Pflicht, eine Enterprise Mobility Strategie umzusetzen. Nur in 14 Prozent der Fälle treibt HR dieses Thema voran. An der Spitze der Treiber steht auch bei diesem Thema die IT-Abteilung - mit 61 Prozent und großem Abstand.

Prognose: Arbeitnehmer werden zu "Arbeitnehmerselbständigen"

Doch nicht nur für Führungskräfte und Personaler bringt die Digitalisierung neue Herausforderungen mit sich. Auf einem Symposium der Ludwig-Erhard-Stiftung in Berlin prognostizierte Klaus Zimmermann, Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit IZA, diese Woche, wie sich auch die Arbeitsrealität der Mitarbeiter durch die Digitalisierung verändern werde.

Die wirtschaftlichen Risiken in der Arbeitswelt würden sich künftig immer mehr von den Unternehmen zu den Arbeitnehmern verlagern, glaubt Zimmermann: "Arbeitnehmer werden zu Unternehmern in Unternehmen - zu 'Arbeitnehmerselbständigen'."

Als Beispiel nannte Zimmermann den Fahrdienstvermittler Uber. Dies sei ein virtueller Marktplatz, der Gelegenheitsfahrer und Fahrgäste zusammenbringe. Das Prinzip lasse sich auch auf viele andere Berufsgruppen ausweiten.

Auch zur gesamtwirtschaftlichen Lage äußerte Zimmermann eine Prognose: "Viele Unternehmen und mächtige Wirtschaftszweige werden verschwinden." Zugleich würden aber auch ständig neue Tätigkeitsfelder, Firmen und ganze Branchen neu entstehen. Die 'Digitale Revolution' sorge demnach nicht für weniger, sondern nur für andere Arbeit.

Veranstaltungshinweis: Diskussion über Digitalisierung

Die Studien und Prognosen zeigen: Es gibt noch einigen Diskussionsbedarf dazu, wie die Digitalisierung im Unternehmen vorangetrieben wird und wie die künftige digitale Arbeitswelt aussieht. Eine Plattform zur Diskussion über das Thema bietet im Februar der DGFP-Kongress "Die digitale Transformation von Unternehmen" in Berlin. Erste Prognosen der Referenten zur Digitalisierung sowie weitere Informationen zum Kongress finden Sie unter congress.dgfp.de.

Welche innovativen Antworten Personaler schon auf die Herausforderungen der Digitalisierung gefunden haben, lesen Sie in Ausgabe 12/2014 des Personalmagazins.

In der Personalmagazin-App zu Ausgabe 12/2014 finden Sie als zusätzliches Add-on zwei Filme zum Thema "Industrie 4.0".

dpa/Haufe Online Redaktion

Digitalisierung, Führung, Personalentwicklung, Recruiting

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