Digitalisierung der Weiterbildung

Weiterbildung ist in den Fokus vieler Unternehmen gerückt, um digitale Kompetenzen zu stärken. Entsprechend bestätigt der Wuppertaler Kreis eine positive Entwicklung in der Branche der Bildungsdienstleister. Doch die Weiterbildungsangebote selbst sind offenbar noch nicht ausreichend digitalisiert.

Die Ausgangslage ist gut: Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist weitestgehend stabil. Die Nachfrage nach Fachkräften weiterhin hoch. Die digitale Transformation lässt den Bedarf an Weiterbildung steigen und die Unternehmen reagieren darauf. So kommt der Wuppertaler Kreis, Bundesverband betriebliche Weiterbildung, bei seinem jährlich veröffentlichten Geschäftslageindikator auf 118 Punkte – ein etwas geringerer Wert als im Vorjahr (125) und 2017 (121), aber im positiven Bereich. Der Indikator bildet die Markterfolge der Weiterbildungsdienstleister im vergangenen und im laufenden Jahr ab sowie die Erwartungen für das kommende Jahr. Die Bildungsdienstleister der Wirtschaft rechnen überwiegend mit wachsendem Umsatz.

Digitalisierung der Weiterbildungsangebote ist Pflicht

Als unabdingbar für den weiteren wirtschaftlichen Erfolg sehen die meisten Weiterbildungsdienstleister die Digitalisierung ihres Angebotsspektrums. So wollen sie die Unterstützung des arbeitsplatznahen Lernens durch Erklärvideos und Assistenzsysteme, die über mobile Endgeräte und Lern-Apps abgerufen werden können, vorantreiben. Eine Schlüsselrolle schreiben sie dabei auch der Bereitstellung von Bildungsplattformen und der Entwicklung von Lernmedien zu. Seminare in der betrieblichen Weiterbildung werden oft durch diese digital und medial aufbereiteten Angebote ergänzt oder auch ersetzt.

Digitale Tools für betriebliche Weiterbildung fehlen noch

Viele Unternehmen sind allerdings bei den technischen Voraussetzungen offenbar nicht auf dem aktuellen Stand: So ist laut einer Umfrage von Valamis, einem Anbieters von Learning-Experience-Plattformen, Digitales Lernen wie beispielsweise über eine Lernplattform bei 52 Prozent von 734 befragten Arbeitnehmern im Unternehmen nicht möglich. Knapp ein Drittel der Unternehmen nutzt externe Lerninhalte aus Open-Source-Quellen wie "Massive Open Online Courses" (MOOC) – diese sind aber nicht speziell auf das Unternehmen und dessen Bedarf zugeschnitten.

Außerdem scheinen zwar die Auftragsbücher der Weiterbildner gut gefüllt zu sein, doch die Arbeitnehmer bräuchten wohl noch mehr Förderung, wie die Umfrage von Valamis zeigt: Nur 29 Prozent der befragten Arbeitnehmer sagen, dass genügend Mittel und Werkzeuge zur Weiterentwicklung zur Verfügung stehen. 68 Prozent der Deutschen verfügen über keine oder zu wenige Mittel und Werkzeuge. Nur jeder dritte Arbeitnehmer fühlt sich dabei von seinem Unternehmen ermutigt, an der eigenen Weiterentwicklung zu arbeiten.

Es fehlt an Zeit, Geld und Motivation in der Weiterbildung

Der Hauptgrund für fehlende Weiterbildung ist offenbar ein Zeitproblem: Fast jeder zweite deutsche Arbeitnehmer (68 Prozent) gibt an, dass ihm die Zeit für Weiterbildung fehlt. 26 Prozent der Befragten geben fehlendes Budget als Hindernis der Mitarbeiterentwicklung an. 19 Prozent fehlt Unterstützung seitens der Managementebene. 16 Prozent geben fehlende Motivation als Hinderungsgrund an.

Weiterbildung: Wer muss sich kümmern?

Dabei fühlen sich die Arbeitnehmer selbst in der Pflicht, sich um ihre Weiterbildung zu kümmern: 49 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Verantwortung beim Mitarbeiter selbst liegt, sich um die eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten zu kümmern. Allerdings sehen auch 38 Prozent die Unternehmen in der Verantwortung. Dabei ist nur in rund jedem dritten Unternehmen in Deutschland (35 Prozent) überhaupt jemand für Learning und Development verantwortlich.


Das könnte Sie auch interessieren: 

Nationale Weiterbildungsstrategie veröffentlicht: mehr Förderung, Transparenz und Qualität

Orientierung im Dschungel der Digitalisierung: Definitionen, Begriffsebenen und angrenzende Konzepte

Digital Leadership: Führen im Digitalzeitalter