09.03.2017 | Personalentwicklung

Wie sich die Rolle des CFO im Talent Management weiterentwickelt

Finanzentscheider haben den Überblick über Zahlen zum Talent Management. Eine gute Zusammenarbeit mit HR lohnt sich für beide.
Bild: Pinkypills

Die Personalabteilung kann von einer engen Zusammenarbeit mit der Finanzabteilung profitieren. Wie HR und Finance im Talent Management zusammenarbeiten sollten und wie sich die Rolle des Chief Financial Officers (CFO) dabei künftig weiterentwickelt.

Viele Produkte sind im heutigen Warenüberangebot in vielen Marktsegmenten fast austauschbar. Es die Menschen und deren Dienstleistungen, die den Unterschied machen. Die Mitarbeiter eines Unternehmens, ihre Talente und Fähigkeiten sind ein entscheidender Faktor für dessen wirtschaftlichen Erfolg. Sie sind es, die Alleinstellungsmerkmale und Innovationen entwickeln, auf denen viele strategische Unternehmensentscheidungen beruhen. Dies gilt besonders für den immer wichtiger werdenden Dienstleistungssektor.

Gleichzeitig machen die Mitarbeiter jedoch auch den größten Betriebskostenanteil vieler Unternehmen aus. Chief Financial Officers (CFOs) stehen daher heute vor der Herausforderung, trotz sinkender Budgets, massive Veränderungen in den Organisationsstrukturen und den Anforderungen an die Mitarbeiter sowie deren Erwartungen in einer Balance zu halten. Der CFO wird daher vom reinen Finanzmanager immer starker auch zum Manager des wichtigsten Vermögenswerts – der Mitarbeiter.

CFOs gelten als Fortschrittsmotor

Heute arbeiten CFOs erfolgreicher Unternehmen daher eng mit der HR-Abteilung zusammen, um die Bereiche Talent Management und Personalgewinnung möglichst effizient zu gestalten. Dabei ist es für sie angesichts des Budgetdrucks nicht nur wichtig zu wissen, wie viel ein Unternehmen pro Mitarbeiter für Trainingsmaßnahmen ausgibt, sondern auch den Effekt dieser Trainingsaufwendungen messen zu können.

"70 Prozent der Organisationen sehen fehlende Fähigkeiten von Mitarbeitern als eine der Top-fünf-Herausforderungen der modernen Arbeitswelt."

Finanz- und Personalentscheider suchen nach dem maximalen Return on Investment (ROI) bei Lern- und Entwicklungsmaßnahmen. In Kooperation mit der Personalabteilung haben CFOs einen sehr guten Überblick über die Bereiche Produktivität, Kosten, Investitionen und Innovationen und stellen wichtige Weichen. Tatsächlich gelten CFOs in vielen Unternehmen als eine Art Fortschrittsmotor. Denn dank ihrer Fähigkeiten bei der Finanzplanung und ihren analytischen Kompetenzen verfügen sie über passende Qualifikationen für das Talent Management und die Personalgewinnung.

Millennials wünschen sich beschleunigte Weiterbildungsmöglichkeiten

Veränderungen in der Arbeitswelt treiben Unternehmen dazu an, sich selbst neu zu erfinden: weg von den traditionellen, funktionalen Strukturen hin zu vernetzten, flexiblen Teams, die sich für spezielle Projekte bilden. Dazu bedarf es jedoch qualifizierter und gut geschulter Mitarbeiter. Einem Sumtotal-Whitepaper zufolge führen 70 Prozent der Organisationen fehlende Fähigkeiten von Mitarbeitern als eine der Top-Fünf Herausforderungen der modernen Arbeitswelt an.

Außerdem wichtig sind ihnen flachere Arbeitshierarchien und die Betreuung der sogenannten Millennials. Das schließt auch das Angebot beschleunigter Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten durch den Arbeitgeber ein. Derartige Angebote sind für mehr als zwei Drittel der Millennials ausschlaggebend dafür, einem Arbeitsplatz treu zu bleiben. Die Unternehmen müssen jedoch sicherstellen, dass die ihnen zur Verfügung gestellten Mittel gut eingesetzt werden.

Zwei Drittel der CFOs spielen aktive Rolle in Recruiting und Talent Management

Traditionell wurden Kosten für Training und Entwicklung von Mitarbeitern nicht gesondert durch die Finanzabteilung aufgeführt, sodass diesen Aufwendungen nur selten die verdiente Aufmerksamkeit zuteilwurde. Doch nun nehmen, laut der im Whitepaper erhobenen Daten, mehr als zwei Drittel der CFOs eine aktive Rolle beim Recruiting und beim Talent Management ein.

So überwachen beispielsweise einige Finanzabteilungen die Besetzung von Schlüsselpositionen sowie die Leistung dieser Mitarbeiter nach drei Monaten. Sie überprüfen zudem die Rendite (ROI), die diese Angestellten dem Unternehmen einbringen. Gleichzeitig arbeiten die Finanzfachleute eng mit Personalern zusammen, um besser verstehen zu können, wo durch die Reduzierung der Mitarbeiterfluktuation Kosten eingespart werden können.

Verborgene Kosten berücksichtigen

Gemäß dieser strategischen Ausrichtung kann die Finanzabteilung eine aktivere Rolle bei der Abwägung, Bewertung und Befürwortung von Investitionen für Lern- und Entwicklungsprogramme übernehmen. Die Ermittlung der wahren Kosten für das Talent Management beschränkt sich dabei nicht nur darauf, die Kosten für Lern- und Entwicklungsprogramme einem Budget gegenüberzustellen.

Zusätzlich sollte die Finanzabteilung auch die mit den Trainingsmaßnahmen einhergehenden verborgenen Kosten bedenken. Wie hoch auch immer die Pro-Kopf-Kosten für den Lernaufwand sein mögen, sie verdoppeln oder vervierfachen sich, wenn sämtliche indirekten Kosten dieser Maßnahmen ebenfalls mit eingerechnet werden.

Diese indirekten, variablen Kosten umfassen etwa den Produktivitätsausfall, wenn Mitarbeiter statt zu arbeiten Trainingsmaßnahmen besuchen. Sie beinhalten ebenso verschwendete Trainingskosten, wenn Mitarbeiter beispielsweise nicht an einer geplanten Qualifizierungsmaßnahme teilnehmen können, weil sie an diesem Tag entweder krank sind oder die Situation am Arbeitsplatz dies nicht zulässt.  

Talent-Management-Programm ständig verfeinern

Um Kosten und Nutzen der Maßnahmen so exakt wie möglich zu erfassen, arbeiten die Finanzabteilungen eng mit Schulungspartnern und Personalabteilungen zusammen, um geeignete Verfahren zur Überwachung und Messung der Effektivität der Lern- und Entwicklungsprogramme zu entwickeln. Zudem bewerten sie das Verhalten der Mitarbeiter, die wirtschaftlichen Auswirkungen einer Schulungsmaßnahme, das Feedback der Lernenden sowie ihr Engagement am Arbeitsplatz, und sie verwenden die Ergebnisse dieser Analysen dazu, das Talent-Management-Programm ständig zu verfeinern.

Um diese Auswertungen zu ermöglichen, kann die Finanzabteilung aktiv die Einführung der geeigneten Learning Tools vorantreiben. Eine zentralisierte, integrierte sowie richtig genutzte Talent-Management-Lösung ermöglicht den Zugriff auf relevante Daten und ermöglicht es damit der Personalabteilung, ihre Personalentscheidungen besser mit den Zielen des Unternehmens in Einklang zu bringen. 

Nicht aufs Bauchgefühl verlassen

Unternehmen können sich nicht mehr auf ihr "Bauchgefühl" verlassen, wenn es um die Leistung von Mitarbeitern, um Produktivität oder um Innovation geht. Der CFO und die Finanzabteilung sind perfekt dafür geeignet, die strategische Bedeutung des ROI für Lern- und Entwicklungsmaßnahmen aufzuzeigen, die versteckten Kosten zu managen und sicherzustellen, dass das aufgewendete Budget allen Teilen des Unternehmens optimalen Nutzen bringt.

Indem sie mehr tut, als nur Kosten zu überwachen, kann eine Finanzabteilung ein Verständnis dafür entwickeln, wann weiter investiert und wann das Budget besser gestrichen werden sollte. Ein geeignetes Learning Management System kann sie bei der Sammlung, Analyse und Verwendung relevanter Daten unterstützen. 

Liam Butler ist ‎Vice President Corporate Sales für EMEA beim Talent-Management-Anbieter Sumtotal.

Schlagworte zum Thema:  Talent Management, Personalentwicklung

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