| Demografischer Wandel

Immer mehr ältere Menschen beschäftigt

Jürgen Weise sieht noch immer Rekrutierungsprobleme für Arbeitnehmer ab 50.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Knapp 1,44 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte zwischen 60 und 64 Jahren zählte die Bundesagentur für Arbeit (BA) für das Jahr 2012. Wie die "Frankfurter Rundschau" berichte, ein neuer Höchststand. BA-Chef Frank-Jürgen Weise spricht von einem Bewusstseinswandel in den Unternehmen.

Im Vergleich zum Jahr 2000 habe sich der Anteil der über 60-Jährigen in sozialversicherungspflichtigen Anstellungsverhältnissen auf 29,2 Prozent annähernd verdreifacht, so die "Frankfurter Rundschau.

"Der kontinuierliche Anstieg der Beschäftigungsquote Älterer zeigt den Bewusstseinswandel auf beiden Seiten: Unternehmen halten ältere Mitarbeiter länger in Arbeit, und Arbeitnehmer wollen auch länger im Job bleiben", sagte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise der Zeitung. Eines sei aber von diesem Bewusstseinswandel bisher unberührt geblieben: Arbeitnehmer über 50 Jahre, die entlassen werden, haben laut Weise nach wie vor schlechte Aussichten auf eine neue Stelle. "Ich wünsche mir, dass Unternehmen auch bei der Einstellung Älteren eine Chance geben", sagte der BA-Chef.

Ideen für besondere Beschäftigungsformen

Wie viele gute Beschäftigungsmöglichkeiten es für ältere Mitarbeiter gibt, die ihren Stärken entgegen kommen, zeigt das Ergebnis eines Wettbewerbs: Im Namen der deutschen Seniorenliga e.V. wurden kreative Ideen für die Erhaltung der Leistungs- und Beschäftigungsfähigkeit älterer Mitarbeiter gesucht. Die vier folgenden Ideen wurden prämiert. Die Ideengeber haben sie im Personalmagazin vorgestellt.

Die zweite Berufsausbildung

Hansjörg Hohwieler: "Tätigkeiten werden immer anspruchsvoller – und damit belastender. Deshalb soll jedem Arbeitnehmer die Möglichkeit gegeben werden, frühzeitig einen zweiten Beruf zu erlernen, der im Alter ausgleichend zum Erstberuf wirken soll. So kann der Altersübergang variabel gestaltet werden: Man arbeitet Teilzeit in seinem ersten Beruf weiter und kann die freie Zeit in seinem zweiten Beruf tätig sein. Idealerweise in derselben Firma, beispielsweise morgens auf der Baustelle, mittags in der Buchführung."

Besonderheit und Nutzen: Mit einem Zweitberuf im Alter kann ein gesundheitlicher Ausgleich zum ersten Beruf geschaffen werden und so nach und nach ein Übergang in den Ruhestand erfolgen. Durch das Erlernen des zweiten Berufs bleibt der Arbeitnehmer zudem geistig fit und erhöht seine Chancen im Fall von Altersarbeitslosigkeit.

Der Seniorenrat "Die Weisen"

Thomas Möller: „In vielen Gesellschaften gelten ältere Mitmenschen als ratgebende Instanz. Für anstehende Probleme wird auch der reiche Erfahrungsschatz, die Besonnenheit und vor allem die weniger auf modische Besonderheiten orientierte Persönlichkeit der 'Stammesältesten' genutzt. Ein ähnliches Modell empfiehlt sich in Unternehmen: Bei Abstimmungen und Streitigkeiten, die größere Teile der Belegschaft betreffen, wird ein 'Ältestenrat' zusammengerufen und konsultiert, der mit dem Betriebsrat zusammenarbeitet und gemeinsam mit ihm Lösungsempfehlungen abgibt."

Besonderheit und Nutzen: Bei wichtigen Entscheidungen wird eine zusätzliche, sachverständige Meinung abgegeben, die auch im Sinne einer moralischen Instanz genutzt werden kann. Ältere sind mit ihren Kernkompetenzen in unternehmerische Entscheidungen einbezogen.

Der Azubitag

Regina Steinbrecher: "Berufsanfänger haben oft eine völlig falsche Vorstellung davon, was sie in 40 Jahren Berufsleben erwartet. Deshalb sollten sie in regelmäßigen Abständen einen Tag mit einem erfahrenen Mitarbeiter verbringen, der ihnen Einblick in die Organisation und Struktur der jeweiligen Tätigkeit gewährt. Nicht Arbeitsdruck und Lernziele sollten diesen Tag bestimmen, sondern der Einblick in 20 oder mehr Jahre Berufsleben und der Erfahrungsaustausch zwischen den Generationen."

Besonderheit und Nutzen: Ältere Mitarbeiter können von ihrem reichen Erfahrungsschatz sehr persönlich und individuell etwas weitergeben, sehen aber gleichzeitig auch, was die Berufsanfängergeneration einbringen kann und möchte. Gegenseitiges Verständnis wird verbessert.

Der Maschinenpool

Thomas Pietzsch: "Leider gibt es in jedem Jahr eine große Anzahl von Unternehmen, die sich vom Markt verabschieden. Bei Unternehmensinsolvenzen könnte die Insolvenzmasse wie Maschinen und andere Hardware in einer Seniorenfabrik aufgearbeitet oder generalüberholt und jungen Existensgründern zur Nutzung vermietet werden."

Besonderheit und Nutzen: Existenzgründern erleichtert dieses Modell den Start erheblich. Durch den schnell fortschreitenden technischen Wandel sind Senioren oft die einzigen Erfahrungsträger, die auch ältere Maschinen noch warten können.

Schlagworte zum Thema:  Demografie, Ältere Arbeitnehmer, Arbeitsorganisation

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