Debatte über die Folgen der neuen Mediennutzung in Unternehmen
Telefonie und E-Mail werden durch Instant Messaging, Microblogging oder Wikis ergänzt und zunehmend ersetzt. Smartphones und Tablets machen die neuen Kommunikationsformen überall verfügbar. Immer stärker beeinflusst der Eintritt internetaffiner Generationen in die Arbeitswelt das Kommunikationsverhalten im Geschäftsalltag. Dabei stellt die Verquickung von privater und geschäftlicher Kommunikation und die Nutzung von Facebook, Twitter und Co. die Unternehmen vor große Herausforderungen.
Die Grenzen zwischen Privat- und Arbeitsleben lösen sich auf, Arbeitsabläufe verändern sich, die Transparenz von Inhalten und Prozessen nimmt zu. „Wenn die Einführung des Sozialen Intranet als strategische Führungsaufgabe in den Unternehmen behandelt wird, können alle – Digital Natives und Digital Immigrants – von den neuen Kommunikationsformen profitieren“, sagte Professor Jörg Eberspächer, Vorstand Münchner Kreis.
"Das neue Kommunikationsverhalten treibt Innovationen voran. Es beschleunigt nicht nur den Informationsaustausch drastisch, sondern auch die gemeinsame Ideenfindung. Schon jetzt wirken sich soziale Medien, mobile Geräte und Cloud Computing erheblich darauf aus, wie Produkte und Dienstleistungen auf den Markt gebracht und Unternehmen strukturiert werden“, ergänzte Michael Korbacher, Head of Google Enterprise DACH. Und nicht zuletzt macht der Einsatz dieser modernen Technologien Arbeitgeber erst interessant für die besten Arbeitskräfte des Markts.
Praxisbeispiel Continental: Hierarchiefreie Kommunikation auf "Connext"
Beim internationalen Automobilzulieferer Continental erlaubt die Plattform "Connext" jedem Mitarbeiter, sich hierarchiefrei durch Kommunikation und Austausch an der Gestaltung der Unternehmensorganisation zu beteiligen. "Connext setzt auf durchgängige Kommunikationsprozesse, inklusive Collaboration, Instant Messaging, Profile, Blogs und E-Mail sowie einem Dokumenten-Management-System", erklärte Monika Andrae, Head of Online Relations bei Continental. "Connext" ist damit ein wesentlicher Bestandteil der aktuell laufenden Initiative zur Weiterentwicklung der Continental-Unternehmenskultur, so Andrae.
Im Kern geht es dabei darum, das gewohnte hierarchische Verhalten durch verstärktes, dezentrales Netzwerkverhalten zu ergänzen und schnell zwischen beiden Verhaltensweisen hin und her schalten zu können. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für "Connext" ist der Auf- und Ausbau der Medienkompetenz der beteiligten Continental-Mitarbeiter. Neben ihrer Einbindung in den Aufbau und die Weiterentwicklung der Plattform, agieren rund 400 von ihnen als so genannte "Guides" dezentral an den Standorten als Vorbilder und Trainer. "Dies soll die Sicherheit, Qualität und Eigenverantwortung im Umgang mit Social Media Funktionen und sensiblen Daten erhöhen", so Andrae weiter.
Kompetenz der Mitarbeiter ist entscheidend
"In der Tat ist nicht mehr die Technologie der limitierende Faktor, sondern die Kompetenz der Mitarbeiter, die Ihnen zur Verfügung stehenden Kommunikationsmittel zielgerichtet und verantwortungsbewusst einzusetzen", meinte Axel Freyberg, Partner und Leiter der Communications, Media & Technology Practice bei A.T. Kearney. "Es bedarf einer Strategie, Führung und Schulung damit keine Investitionsruinen oder unerwünschte Effekte entstehen". Freyberg erklärte weiter "Man muss sich von dem Mantra lösen, dass Social Media alle tradierten Kommunikationswege obsolet macht. Richtig eingesetzt ergänzen und bereichern die neuen Instrumente die Zusammenarbeit. Falsch eingesetzt verstärken sie nur die Informationsflut für den Einzelnen".
Eberspächer resümierte: "Diejenigen Unternehmen, die Onlinezusammenarbeit und -kommunikation zu nutzen verstehen und dem Wunsch ihrer Mitarbeiter nachkommen, bei der Arbeit dieselben Technologien verwenden zu können wie privat, werden in Zukunft optimal aufgestellt und erfolgreich sein".
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