Neue Initiative soll mehr Jugendliche und Betriebe zusammenbringen
Viele offene Stellen stehen auf dem Ausbildungsmarkt zur Verfügung – kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahrs sind noch 194.000 Lehrstellen unbesetzt, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) vermeldet. Und doch finden jedes Jahr viele Azubis keinen Ausbildungsplatz. Nach Angaben der BA ist die Zahl der unversorgten Bewerber und der unbesetzten Ausbildungsstellen in den vergangenen zwei Jahren sogar gestiegen – und das trotz der relativ guten Situation auf dem Ausbildungsmarkt.
"Kein Jugendlicher soll verloren gehen"
Um künftig Betriebe und Bewerber besser zusammenzuführen, hat der Verwaltungsrat der BA nun eine Initiative zur Stärkung der betrieblichen Ausbildung ins Leben gerufen. Die Initiative "Betriebliche Ausbildung hat Vorfahrt" hat das Ziel, möglichst vielen Jugendlichen die Chance für eine solche Ausbildung zu eröffnen. "Kein Jugendlicher soll verloren gehen. Daher braucht es weitere Anstrengungen für die Ausbildung insbesondere benachteiligter Jugendlicher", so das gemeinsame Statement der beiden alternierenden Vorsitzenden des Gremiums, Peter Clever und Annelie Buntenbach.
Ausbildungsbegleitende Hilfen bei Bedarf für alle Jugendlichen
Um ihr Ziel zu erreichen, plant der Verwaltungsrat folgende Schritte: Zum einen sollen mit einer öffentlichen Kampagne gezielt Betriebe angesprochen werden, damit diese mehr Ausbildungsplätze auch für benachteiligte Jugendliche erschließen. Doch bei guten Worten soll es nicht bleiben. Auch will die BA die Ausbildungsbetriebe vermehrt finanziell fördern: Ausbildungsbegleitende Hilfen sollen künftig alle Auszubildenden erhalten, die diese benötigen. Bisher sind diese Hilfen Jugendlichen mit Lernschwierigkeiten oder sozial Benachteiligten vorbehalten.
"Assistierte Ausbildung": Jugendliche die gesamte Ausbildung über fördern
Als neues Förderungsinstrument will die BA die sogenannte "Assistierte Ausbildung" einführen: Dabei sollen die Jugendlichen in Betrieben noch vor Beginn und während der gesamten Ausbildungszeit begleitet werden. Gleichzeitig sollen die Betriebe organisatorisch und administrativ bei der Ausbildung benachteiligter Jugendlicher unterstützt werden. Nach Wunsch des Verwaltungsrats soll der Gesetzgeber die assistierte Ausbildung als eigenständiges Regelinstrument einführen.
Bund-Länder-Programm gegen regionale Gefälle
Ein Grund dafür, dass Betriebe und Jugendliche bisher noch schwer zusammenfinden, ist Ausbildungsexperten zufolge ein regionales Gefälle: Im Norden gebe es viele Jugendliche, die eine Stelle suchen, aber keine finden, während im Süden Stellen unbesetzt blieben. Auch zwischen Ost und West zeigen sich Unterschiede. Einer kürzlich veröffentlichten Studie des Statistischen Bundesamts zufolge hat sich die Zahl der Neuverträge im vergangenen Jahr in den neuen Bundesländern überdurchschnittlich verringert. Dem möchte die neue Initiative der BA ebenfalls entgegenwirken: Der Verwaltungsrat schlägt für Regionen mit einem besonders problematischen Ausbildungsmarkt ein Bund-Länder-Programm vor. Mit diesem sollen Jugendliche, die der regionale Markt benachteiligt, eine Chance bekommen, über eine außerbetriebliche Ausbildung einen Berufsabschluss zu erlangen.
Bundesländer sollen auf Schulgeld für Erzieher und Altenpfleger verzichten
Die Ausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen soll zudem noch enger mit den Betrieben verzahnt werden. Hierbei sollten die Ausbildungsplätze auf zukunftsorientierte Berufe ausgerichtet werden, empfiehlt die BA.
Auch der Azubi-Mangel in den Bereichen Erziehung und Altenpflege ist Thema der Initiative. Um mehr Jugendliche zu einer Ausbildung in den Mangelberufen zu bewegen, will der Verwaltungsrat an die Bundesländer appellieren, damit sie auf das Schulgeld für die staatliche Ausbildung verzichten.
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