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KMU suchen Azubis nur im kleinen Umkreis

Nur wenige Recruiter in KMU schauen bei der Azubi-Suche so weit in die Ferne, zeigt ein BIBB-Bericht.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Kurz vor Beginn des Ausbildungsjahrs suchen noch viele Betriebe Azubis. Dass gerade kleine und mittlere Unternehmen dabei oft leer ausgehen, könnte daran liegen, dass sie ihre Suche oft auf ein Einzugsgebiet von nur 20 Kilometern beschränken. Das zeigt eine BIBB-Befragung.

Ende Juli, also kurz vor Beginn des Ausbildungsjahrs, waren bundesweit noch fast 162.000 Lehrstellen als unbesetzt gemeldet. Gleichzeitig haben aber zum gleichen Zeitpunkt noch knapp 154.000 junge Menschen nach einem Ausbildungsplatz gesucht.

Über die Gründe dafür, dass Jugendliche und Unternehmen so schwer zusammenfinden, wurde schon viel diskutiert. Experten kritisieren etwa, dass die Jugendlichen bisher noch zu selten dafür bereit sind, für eine gute Lehrstelle längere Anfahrtswege in Kauf zu nehmen oder sogar für die Traumausbildung umzuziehen.

Wenige Personaler schweifen in die Ferne – doch die Jugendlichen auch nicht

Nun zeigt aber eine Befragung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), dass viele Unternehmen ebenfalls nicht die nötige Flexibilität an den Tag legen, um die passenden Azubis zu finden. Demnach werben zwei von drei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) nur in einem Umkreis von 20 Kilometern um Lehrlinge. Das schreibt die Digitalzeitung "Handelsblatt Live" unter Berufung auf die BIBB-Erhebung. Immerhin schweifen einige Personaler in KMU etwas weiter in die Ferne, doch auch das nur begrenzt: Nur ganze fünf Prozent der Recruiter suchen demnach in mehr als 100 Kilometern Entfernung nach jungen Talenten.

Die BIBB-Untersuchung bestätigte zudem, dass auch die Jugendlichen lieber in heimischen Gewässern fischen. Nur zwölf Prozent der Azubis hätten sich in Betrieben beworben, die weiter als 100 Kilometer von ihrem Wohnort entfernt sind, vermeldet das "Handelsblatt Live".

Um mehr Unternehmen und Jugendliche zusammenzubringen, hat der Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit (BA) vor kurzem die Ausbildungsinitiative "Betriebliche Ausbildung hat Vorfahrt" ins Leben gerufen.  Dabei sollen ausbildende Betriebe unter anderem dazu angeregt werden, mehr Ausbildungsplätze gerade auch für benachteiligte Jugendliche zu erschließen. Auch Experten der BA ermutigen die Unternehmen dazu, solchen Jugendlichen eine Chance zu geben, die nicht zur ersten Garde der Bewerber gehören.

BA will mehr Jugendliche für Ausbildung statt Studium begeistern

Indes setzt der Vorsitzende des Verwaltungsrats, Peter Clever, auf einen weiteren Hebel, mehr Azubis für die Betriebe zu rekrutieren: Er wirbt erneut für eine Berufsausbildung als attraktive Alternative zum Studium. Die Berufsorientierung müsse auch in den Gymnasien Einzug halten, "zumal es bei uns auch hoch anspruchsvolle Ausbildungen gibt", sagte Clever am Donnerstag der "Saarbrücker Zeitung". "Mehr als die Hälfte der Schüler wechselt heute aufs Gymnasium. Noch vor zehn oder 15 Jahren war es nur etwa jeder dritte. Wenn es aber immer mehr Gymnasiasten gibt", so Clevers Logik, "dann ist auch klar, dass nicht alle studieren wollen, geschweige denn studierfähig sind."

Hinweis: Wie Unternehmen sich für Azubis attraktiv machen können, erfahren Sie im Titelthema von Ausgabe 09/2014 des Personalmagazins.

dpa / Haufe Online Redaktion

Berufsausbildung, KMU, Auszubildende, Recruiting

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