Infografik
In der Infografik finden Sie mehr Ergebnisse aus der Umfrage "Azubi-Recruiting Trends 2018". Bild: U-Form

Auch 2017 sind wieder einmal viele Ausbildungsplätze unbesetzt geblieben - fast 49.000 Stellen nach Daten der Bundesagentur für Arbeit. Doch obwohl dieser Trend schon lange bekannt ist, ändern die Unternehmen ihre Auswahlmethoden nicht und haben offenbar ein unrealistisches Bild von den Kompetenzen ihrer künftige Auszubildenden.

Unternehmen wollen Azubi-Bewerber für sich begeistern, stellen in Stellenanzeigen aber die  Anforderungen in den Vordergrund. Dreiviertel der befragten Bewerber dagegen erwarten in erster Linie, über die „beruflichen Möglichkeiten nach Abschluss der Ausbildung“ informiert zu werden. Das ist ein Ergebnis der bundesweiten Befragung „Azubi-Recruiting Trends 2018“. Unter Begleitung von Professor Christoph Beck hat U-Form Testsysteme 5.537 Azubi-Bewerber, Auszubildende und Ausbildungsverantwortliche befragt.

Bewerbungsgespräche für die Ausbildung: oft falsche Fragen

Ähnlich auseinander driften die Vorstellungen und Erwartungen in den Bewerbungsgesprächen, stellt die Studie fest. Während über 57 Prozent der zukünftigen Azubis gerne häufiger danach gefragt werden würden, wie ein Arbeitsumfeld aussehen könnte, damit ihnen die Arbeit Spaß macht, kreisen die Unternehmen um sich selbst. So gaben über 90 Prozent der befragten Azubis an, immer wieder danach gefragt zu werden, warum sie sich ausgerechnet bei diesem Unternehmen beworben haben, über 81 Prozent hören häufig die Frage nach „Stärken und Schwächen“.

Digitale Kompetenzen der Azubis: meist überschätzt

Bei der Frage, wie kompetent in Sachen Digitalisierung sich die Azubis einschätzen und wie sie eingeschätzt werden, gibt es ebenfalls gegensätzliche Ergebnisse. Interessant ist, dass die Selbsteinschätzung der Azubis unter der Fremdeinschätzung durch ihre potentiellen zukünftigen Ausbildungsbetriebe liegt. Azubi-Bewerber sehen ihre Kompetenzen auf eine gute Anwenderroutine beschränkt. So nutzen mehr als 65 Prozent routiniert verschiedene Suchmaschinen, aber nur rund 23 Prozent tauschen regelmäßig größere Datenmengen über das Internet aus. Ausbilder halten „ihre“ Azubis in dieser Hinsicht für kompetenter als diese sich selbst.

Immerhin, rund 40 Prozent der zukünftigen Azubis können sich eine rein digitale Variante ihres Berichtsheftes vorstellen und weitere fast 40 Prozent möchten die Berichte am Computer erstellen - um sie dann auszudrucken und in Papierform einzureichen. Knapp 20 Prozent wollen noch immer bei Stift und Papier bleiben.

Social Media im Berufsleben: für Azubis ein Tabu

Die Studie zeigt auch, dass die Nutzung sozialer Medien von Azubi-Bewerbern im Privatleben zwar gelebter Alltag ist, diese im beruflichen Umfeld aber als unseriös gelten und als Eingriff in die Privatsphäre empfunden werden. Rund 53 Prozent der Azubis haben demnach der Aussage zugestimmt, Ausbildungsbetriebe sollten Whatsapp im Bewerbungsverfahren „gar nicht einsetzen“. Bei Snapchat falle die Ablehnung der Zielgruppe mit über 63 Prozent noch eindeutiger aus. „Arbeit ist Arbeit und Snapchat ist etwas sehr Privates“, wird  ein Umfrageteilnehmer zitiert.

Azubi-Recruiting über Eltern: selten angesprochen

Auch bei den Vorbildern zeigt sich, dass soziale Medien weniger gelten als vielfach gedacht. Vorbilder für die Berufswahl sind laut Studie weniger Youtube- und Instagram-Stars, sondern ganz herkömmlich und traditionell die Eltern (77 Prozent), Freunde (54 Prozent) und Unternehmensvertreter (50 Prozent). Influencer erreichen lediglich einen Anteil von fast sechs Prozent, Facebook-Freunde gerade einmal rund vier Prozent. Hier sehen die Studienautoren noch Potenzial für das Azubimarketing: Zwar sei Ausbildern die entscheidende Rolle der Eltern mehrheitlich bewusst, aber nur eine Minderheit spreche sie gezielt an.

Schlagworte zum Thema:  Ausbildung, Bewerber, Digitalisierung

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