Gerade erst hat Continental den Messenger-Dienst Whatsapp auf den Diensthandys der Mitarbeiter verboten - aus datenschutzrechtlichen Gründen. Doch Recruiter können mit einer Messenger-App die Kandidatenansprache neu gestalten und die Interaktion erhöhen. Wie das gelingt.

Weltweit nutzen mehr als 2,5 Milliarden Menschen einen Messenger zur Kommunikation mit Familie und Freunden, Bekannten und Kollegen. Lieblings-App in Deutschland und seit Monaten auf Platz eins der Downloads in den App-Stores von Google und Apple ist Whatsapp. Mehr als 40 Millionen der Deutschen nutzen den Dienst – davon über 70 Prozent täglich.

Die Zielgruppe schnell und persönlich erreichen

Das hat auch Auswirkungen auf die Kommunikation in den Personalabteilungen. Immer mehr Personaler nutzen Messenger-Lösungen, um ihre Zielgruppen schnell und persönlich zu erreichen.

Für den von Erfolg von Messenger-Kommunikation in HR gibt es mehrere Gründe: Die meisten Nutzer erlauben den Apps, ihnen Push-Benachrichtigungen auf den Sperrbildschirm des Handys zu senden. Dadurch werden rund 90 Prozent aller Nachrichten bereits binnen 15 Minuten gelesen. Hinzu kommt, dass Whatsapp und Facebook Messenger bislang als persönliche Kommunikationskanäle wahrgenommen werden: Entsprechend hoch priorisieren Nutzer die Informationen, die sie auf diesem Weg von einem Unternehmen erhalten.

Hohe Interaktion mit potenziellen Bewerbern  

Auch die sogenannte Interaktionsrate – also die Anzahl der Kommentare und Antworten auf eine Nachricht – ist im Vergleich zur klassischen E-Mail nahezu doppelt so hoch. Da bei Messengern – im Gegensatz zu „klassischen“ Social-Media-Kanälen wie Facebook oder Twitter – kein Algorithmus Unternehmensnachrichten filtert, bevor er sie in den Newsfeed der Nutzer spielt, können zudem nahezu 100 Prozent der Nutzer direkt erreicht werden.

Deshalb zählt das Messenger-Marketing mittlerweile zu den effektivsten Kommunikationskanälen für Recruiting und interne Kommunikation: So können mithilfe von Whatsapp und Co. Newsletter, Unternehmensmeldungen oder Stellenangebote zielgerichtet an den Pool aus Empfängern kommuniziert werden, der zu den gesuchten Stellenanforderungen passt. Sogar spezifische Fragen und individuelle Betreuung sind durch diesen Kanal unkompliziert, schnell, relativ kostenneutral und vor allem sehr persönlich möglich.

Die Manpower Group setzt auf Whatsapp

Auch der Personaldienstleister Manpower Group setzt beim Recruiting von Fach- und Führungskräften auf Whatsapp. „Rund ein Drittel unserer Bewerber, die sich mit dem Smartphone bewerben, suchen auch den Kontakt über den Whatsapp Messenger“, sagt Marketingmanager Michael Thomas. Ein sechsköpfiges Interviewerteam beantwortet individuelle Anfragen und begleitet die Bewerber durch den Bewerbungsprozess. Thomas: „Die Betreuung unseres Whatsapp-Kanals nimmt ungefähr zwei Stunden am Tag in Anspruch. Also insgesamt zehn Stunden pro Woche – Tendenz aufgrund der hohen Nachfrage eher steigend.“

Für seinen Whatsapp-Service nutzt das Unternehmen den Münchner Messenger- und Chatbot-Dienstleister Whats Broadcast. Dazu Michael Thomas: „Durch die geplante Erweiterung des Angebots gehen wir von einem Anstieg der Bewerbungen in der Zukunft aus. Zudem bieten wir einen modernen Prozess mit Reaktionen in Echtzeit, der in Zukunft von Bewerbern erwartet und Standard im Wettbewerb sein wird.“

Bewerber kennen den Messenger aus ihrem Alltag

„Unser Ziel war es, einen besseren und modernen Service für unsere Kandidaten anzubieten, um schnell auf deren Bedürfnisse einzugehen. Recruiting entwickelt sich stetig weiter und eine moderne Kommunikation ist für uns essenziell“, sagt auch Mirella Wojciak, Digital Manager der Manpower Group. „Im Vergleich zu Social Media etwa ist die Kommunikation über Whatsapp direkter und persönlicher. Man schreibt ja ansonsten eher mit Freunden und Familie – einen Recruiter in dieses Umfeld einzuladen, ist ein Vertrauensbeweis.“

Deutliche Unterschiede im Vergleich zu herkömmlichen Kommunikationskanälen sieht Mirella Wojciak vor allem in der Verbreitung von zielgruppengerechtem Content: „Es ist kein Geheimnis, dass es immer schwieriger wird, die Zielgruppe organisch zu erreichen. Mit Whats Broadcast können wir beispielsweise Jobangebote an eine vollkommen passende Zielgruppe versenden – immerhin haben wir die Informationen von den Usern selbst bekommen und es besteht ein Interesse an entsprechenden Nachrichten.“ Aspekte wie der fehlende Algorithmus in Messengern und die Nutzerstruktur spielen ebenfalls eine Rolle, sagt sie. „Unsere Kandidaten und Mitarbeiter nehmen Whatsapp als Kommunikationskanal gut an, sie kennen es schließlich aus ihrem Alltag.“

Lieber per Messenger als per Mail

Zu einem ähnlichen Fazit kommt Facebooks Nutzerstudie „More than a Message: The Evolution of Conversation“. Bereits 2016, zum Veröffentlichungszeitpunkt der Untersuchung, sagten fast 70 Prozent aller Befragten, dass sie eine Kommunikation via Messenger einem Anruf oder einer E-Mail bei Weitem vorziehen. Ferner gaben 67 Prozent der Befragten an, Messenger für die berufliche Kommunikation bereits zu nutzen oder verstärkt nutzen zu wollen. Entsprechend stellte David Marcus, Vice President Messaging Products bei Facebook, fest, es sei „keine Frage des Ob, sondern des Wann“ sich Messenger als Kanal zum Kontakt mit Unternehmen endgültig durchsetzten.


Den vollständigen Artikel „Messenger und Chatbots: Via Whatsapp zum Mitarbeiter“ lesen Sie im aktuellen Sonderheft „Trends im Recruiting 2018“ des Personalmagazins, das Sie hier herunterladen können.

 

Hinweis: In der News "Continental verbietet Whatsapp" lesen Sie, warum das Unternehmen die App von den Diensthandys verbannt hat. Generell sollten auch Recruiter darauf achten, auf welche Daten der verwendete Messenger-Dienst zugreifen kann. Weitere Informationen zu den Folgen der EU-Datenschutzgrundverordnung in der Personalarbeit erhalten Sie hier.

Schlagworte zum Thema:  Recruiting, Employer Branding