Fördermaßnahmen für Geflüchtete wirken
Geflüchtete haben es aus unterschiedlichen Gründen besonders schwer, auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Jedoch steigen sowohl die Erwerbsquoten als auch die Löhne von Geflüchteten mit zunehmender Aufenthaltsdauer deutlich. So sind nach acht Jahren Aufenthalt in Deutschland mehr als zwei Drittel der Geflüchteten erwerbstätig.
Um die Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt zu erleichtern und aktiv zu fördern, steht eine breite Palette an arbeitsmarktpolitischen Instrumenten zur Verfügung. Doch inwieweit tragen diese Maßnahmen tatsächlich zur Integration von Geflüchteten in den deutschen Arbeitsmarkt bei? Dieser Frage sind Forscherinnen und Forscher am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) nachgegangen.
Arbeitsmarktpolitische Instrumente für Geflüchtete
Analysiert wurden Maßnahmen zur beruflichen Eingliederung, Förderungen zur beruflichen Weiterbildung, Arbeitsgelegenheiten (besser bekannt als Ein-Euro-Jobs) sowie das flüchtlingsspezifische Programm "Kompetenzfeststellung, frühzeitige Aktivierung und Spracherwerb".
Maßnahmen zur beruflichen Eingliederung (MAbE) sollen die Teilnehmenden an den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt heranführen, eventuelle Vermittlungshemmnisse feststellen, verringern oder beseitigen, eine versicherungspflichtige Beschäftigung vermitteln, an eine selbstständige Tätigkeit heranführen oder die Aufnahme einer Beschäftigung stabilisieren. Diese Maßnahmen erfolgen entweder bei einem Qualifizierungsträger (MAT) oder bei einem Arbeitgeber (MAG). Letztere ermöglicht den Teilnehmenden vor allem, ihre beruflichen Kenntnisse in einem Betrieb zu erproben, und erlaubt somit eine direkte Verbindung zu einem potenziellen Arbeitgeber.
Das Instrument "Kompetenzfeststellung, frühzeitige Aktivierung und Spracherwerb" (KompAS) unterstützt insbesondere Geflüchtete mit geringen Deutschkenntnissen, indem es einen Integrationskurs mit einer Maßnahme zur beruflichen Eingliederung bei einem Qualifizierungsträger verbindet. Förderungen zur beruflichen Weiterbildung (FbW) setzen dagegen ein vergleichsweise gutes Sprachniveau voraus. Teilnehmende können nicht nur einen beruflichen Abschluss erlangen, sondern es können auch im Ausland erworbene berufliche Abschlüsse anerkannt werden. Hier ist daher von einem verhältnismäßig hohen Qualifikationsniveau der Teilnehmenden auszugehen. Im Gegensatz dazu richten sich Arbeitsgelegenheiten (AGH) an sehr arbeitsmarktferne Leistungsberechtigte.
Fördermaßnahmen wirken sich auch langfristig positiv aus
Dass diese Maßnahmen auf kurzfristige Sicht (bis zu zwei Jahre nach Förderbeginn) wirken, hatte das IAB bereits 2021 belegt. Zu ähnlichen Ergebnissen kam auch eine Studie im Auftrag des BMAS. Nun haben die IAB-Forscher die langfristige Wirkung der genannten arbeitsmarktpolitischen Instrumente untersucht. Das Ergebnis: Mit Ausnahme der so genannten Ein-Euro-Jobs entfalten alle Instrumente noch knapp sechs Jahre nach Förderbeginn eine positive Wirkung auf den Übergang in reguläre Beschäftigung und das Erwerbseinkommen.
Instrumente wirken unterschiedlich stark
Allerdings unterscheidet sich der IAB-Analyse zufolge die Stärke der Effekte von Maßnahme zu Maßnahme erheblich. Das gilt sowohl für den Beschäftigungseffekt als auch für den Effekt auf das Erwerbseinkommen. Die Studienautoren weisen jedoch darauf hin, dass sich die Größenordnungen der Effekte nur schwer miteinander vergleichen lassen, da sich die Zusammensetzung der Geförderten je nach Maßnahme unterscheidet. So sei beispielsweise unklar, ob eine Förderung der beruflichen Weiterbildung im konkreten Fall effektiver gewesen wäre als eine Maßnahme beim Arbeitgeber, obwohl sich beide Maßnahmen an relativ arbeitsmarktnahe Personengruppen richten.
Förderung zur beruflichen Weiterbildung besonders wirksam
Wenig überraschend haben die arbeitsmarktnahen Instrumente wie Maßnahmen beim Arbeitgeber (MAG) und die Förderung zur beruflichen Weitberbildung (FbW) größere Effekte als diejenigen Maßnahmen, die sich an arbeitsmarkferne Personen richten. Wer an Förderungen zur beruflichen Weiterbildung teilnimmt, weist langfristig die höchsten Beschäftigungschancen und die höchsten Zuwächse beim Erwerbseinkommen auf. So stieg die Beschäftigungsquote von FbW-Teilnehmenden im Beobachtungszeitraum von 69 Monaten um 13 Prozentpunkte und das Bruttomonatseinkommen um 800 Euro.
Ein-Euro-Jobs zeigen keine Wirkung
Demgegenüber zeigen Arbeitsgelegenheiten (AGH), eine Maßnahme, die sich an besonders arbeitsmarktferne Personen richtet, weder kurzfristig noch langfristig eine Wirkung auf die Arbeitsmarktintegration. Für AGH-Teilnehmer ergaben sich weder positive Effekte auf die Beschäftigungswahrscheinlichkeit noch auf das Erwerbseinkommen.
Aktive Arbeitsmarktpolitik zahlt sich aus
Insgesamt, so die Studienautoren, deuten die Ergebnisse der Untersuchung darauf hin, dass aktive Arbeitsmarktpolitik einen erheblichen Beitrag zur Integration von Geflüchteten in den deutschen Arbeitsmarkt leisten kann. Details zur Studie, der untersuchten Stichprobe und dem methodischen Vorgehen lesen Sie hier.
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