Viele Stellensuchende hören sich lieber bei Bekannten um als die Kommentare auf Arbeitgeberbewertungsplattformen zu lesen - weitere Studien-Ergebnisse finden Sie in der Infografik. Bild: Softgarden

Wer einen Urlaub bucht, zieht meist die Berichte auf Buchungsportalen zu Rate. Wer einen Job sucht, sieht sich nicht unbedingt die Kommentare auf Arbeitgeberbewertungsplattformen an, so das Ergebnis einer neuen Umfrage. Die meisten "Abstinenzler" finden diese Bewertungen subjektiv.

Dass Kunden Bewertungsplattformen aufsuchen, um sich vor der Urlaubsbuchung oder einer größeren Anschaffung zu informieren, was andere Kunden dazu sagen, gilt mittlerweile als Standardprozedere. Auch die meisten Bewerber nutzen Bewertungsplattformen vor dem Buchen eines Hotels (89 Prozent), vor dem Kauf eines Technikprodukts (91 Prozent) sowie vor dem Abschluss einer Versicherung oder eines Kredits (67 Prozent), bevor sie sich entscheiden.

Nur 46 Prozent gehen auf Arbeitgeberbewertungsplattformen

Bei der Wahl eines neuen Arbeitgebers vertrauen deutlich weniger Bewerber auf die Bewertungen (ehemaliger) Mitarbeiter: Nur 46 Prozent nutzen Arbeitgeberbewertungsplattformen. Das heißt, mehr als die Hälfte (54 Prozent) sehen sich nicht die Mitarbeiterkommentare auf Plattformen wie Kununu, Glassdoor oder Jobvote an, wenn sie eine neue Stelle suchen.

Das hat eine aktuelle Umfrage des HR-Softwareanbieters Softgarden ergeben, an der 2.085 Berufstätige und Arbeitssuchende, Studierende und weitere Nutzer des Softgarden E-Recruitingsystems im Februar und März 2017 teilgenommen haben.

Nichtnutzer halten Bewertungen für subjektiv und wenig repräsentativ

Warum halten sich so viele Bewerber bei der Nutzung von Arbeitgeberbewertungsplattformen zurück? Ein Hauptgrund liegt laut Umfrage darin, dass die meisten "Abstinenzler" die dort abgegebenen Bewertungen für subjektiv halten (42 Prozent). 30 Prozent empfinden die Aussagen auf den Bewertungsplattformen aufgrund der geringen Anzahl an Bewertungen pro Unternehmen als wenig repräsentativ. Und 28 Prozent sind der Ansicht, dass dort nur "Extremmeinungen" dargestellt sind – also etwa jene von frustrierten Mitarbeitern.

In einem Freitextfeld hatten sie die Möglichkeit, einen individuellen Kommentar abzugeben. Zahlreiche Teilnehmer schrieben, dass sie überhaupt nicht wussten, dass es solche Plattformen gibt. Andere gaben an, dass sie sich lieber selbst einen Eindruck vom Unternehmen machen wollten, etwa durch Branchenkollegen oder ihres Gefühls während der Bewerbung. Auch der Vorwurf, die Profile seien durch Eingreifen der Arbeitgeber manipuliert, war öfter zu lesen.

Kommentare sind glaubwürdiger als Sterne

Doch die Umfrage zeigt auch: Wer eine Arbeitgeberbewertungsplattform zu Rate zieht, hält diese insgesamt (72 Prozent) für verlässlich oder sogar sehr verlässlich. Allerdings werden einzelne Features durchweg unterschiedlich beurteilt: Der Bewertung in Einzelkommentaren schreiben die Umfrageteilnehmer mit 58 Prozent eine größere Verlässlichkeit zu als der anonymer wirkenden Bewertung nach Sternen (47 Prozent).

Den Reaktionen der Unternehmen auf die Kommentare von Mitarbeitern und Bewerbern weisen 46 Prozent eine hohe oder sehr hohe Aussagekraft zu.

Eine schlechte Bewertung lässt Bewerber zögern

Und welche Konsequenzen ziehen Bewerber aus den Angaben und Kommentaren auf den Arbeitgeberbewertungsplattformen? Hier zeigt die Umfrage, dass diese Portale für rekrutierende Unternehmen durchaus eine Relevanz haben – auch wenn der Nutzerkreis noch ausbaufähig ist: 62 Prozent der Nutzer von Arbeitgeberbewertungsplattformen haben sich aufgrund einer Bewertung schon einmal bei einem Unternehmen beworben. Und 53 Prozent haben schon einmal Abstand von einer Bewerbung genommen, weil der Arbeitgeber auf einer solchen Plattform schlecht bewertet wurden.

Frust und Ärger führen selten zur Bewertung

Darüber hinaus haben 29 Prozent der Befragten schon einmal einen Arbeitgeber auf einer Bewertungsplattform bewertet. 87 Prozent können sich vorstellen, eine Arbeitgeberbewertung abzugeben. Was sind die Gründe, den eigenen Arbeitgeber zu bewerten? Die überraschende Aussage der Studie: Es sind weniger Frust oder Ärger über das Unternehmen, die zu einer Bewertung führen (27 Prozent) oder Frust oder Ärger mit dem eigenen Vorgesetzten (neun Prozent), sondern vornehmlich Dankbarkeit gegenüber dem Unternehmen (50 Prozent) oder Dankbarkeit gegenüber dem Vorgesetzten (24 Prozent).

Die meisten Befragungsteilnehmer würden sich jedoch zu einer eigenen Bewertung entscheiden, um Bewerbern ihre eigenen Erfahrungen mitzuteilen und so eine bessere Entscheidungsgrundlage für sie zu schaffen (88 Prozent).


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Schlagworte zum Thema:  Employer Branding, Personalmarketing, Stellensuche

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