Wie Führungskräfte Erholung im Urlaub fördern können
Mit der Urlaubszeit kommen neue Erkenntnisse aus einer Impulsumfrage der Personalberatung Robert Walters, die aufzeigt, wie viele Berufstätige ihre Urlaubszeit von "Urlaubsstress" - die Angst vor der Abwesenheit - überschattet sehen.
Die Umfrage beleuchtet die Sorge vieler Berufstätiger, etwas zu verpassen oder nach dem Urlaub vom Arbeitspensum überrollt zu werden. Christian Meyer, Director bei Robert Walters in Berlin, kommentiert: "Mitarbeitende, die den Urlaub nicht zur vollständigen Erholung nutzen, gefährden ihre langfristige Gesundheit. Wer permanent erreichbar ist, riskiert nicht nur einen Burnout, sondern auch langfristige Ausfälle, die sich letztlich negativ auf die Produktivität auswirken. Es ist daher entscheidend, im Urlaub wirklich abzuschalten und neue Energie zu tanken."
Ständige Erreichbarkeit und Angst vor der Rückkehr
Die Sorge vor einem Berg an ungelesenen E-Mails ist weit verbreitet. 34 Prozent der Befragten geben an, ihre E-Mails im Urlaub zu checken, um auf dem Laufenden zu bleiben. Weitere 31 Prozent wollen den Arbeitsrückstand bei ihrer Rückkehr reduzieren. Auch das Eingreifen bei dringenden Angelegenheiten ist mit 31 Prozent ein wichtiger Grund. In den Köpfen vieler Beschäftigter scheint der Gedanke, während des Urlaubs komplett abzuschalten, kaum noch zu existieren. Stattdessen wird die Angst, den Anschluss zu verlieren, zu einer zusätzlichen Belastung, die die Erholung schmälert.
Die Ergebnisse von Robert Walters zeigen, dass die Angst vor der Rückkehr an den Arbeitsplatz die Berufstätigen durchaus beeinträchtigt – 42 Prozent sprechen von Anspannung, wenn der Urlaub zu Ende geht. 38 Prozent der Befragten fühlen sich nach einem langen Urlaub erholt und bereit für die Arbeit. Und jeder Fünfte blickt der Arbeit nach dem Urlaub auch wieder eher freudig entgegen.
Von FOFB zu Schuldgefühlen
FOFB ("Fear of Falling Behind") beschreibt die wachsende Sorge, im Job nicht Schritt halten zu können. In der Umfrage geben 52 Prozent der Berufstätigen an, dass es viel einfacher ist, sich im Jahresurlaub zu entspannen, wenn ihr Team ebenfalls frei hat. Phänomene wie "Schuldgefühle" führen dazu, dass einige Berufstätige ihren Jahresurlaub hinauszögern, weil sie ihrem Team keine Mehrarbeit aufbürden wollen. Es ist auch die Sorge vor liegengebliebener Arbeit und die Angst vor negativem Feedback im Jahresgespräch, die ein Hindernis darstellen. Viele Mitarbeitende fürchten, im Vergleich zu ihren Kolleginnen und Kollegen zurückzufallen, wenn sie sich eine längere Auszeit nehmen.
Betriebsruhe als Lösung?
In vielen europäischen Ländern wie Spanien und Frankreich sind die Unternehmen im Juli und August geschlossen. Gründe für diese "Sommerschließungen" sind unter anderem das heiße Wetter, geplante Wartungsarbeiten und die Schulferien.
13 Prozent der Befragten gaben an, dass sie daran interessiert wären, feste Urlaubszeiten in ihrem Unternehmen auszuprobieren. Drei von vier (71 Prozent) äußern die Befürchtung, dass die Einführung solcher Abschaltungen ihre Gesamtflexibilität einschränken könnte.
Sechs Tipps, wie Führungskräfte Erholung im Urlaub fördern können
1. Kommunikation: Raten Sie den Teams, ihre Urlaubspläne auszutauschen, um sich gegenseitig auf dem Laufenden zu halten. Machen Sie deutlich, dass es wichtig ist, den Jahresurlaub als Erholung einzuplanen und Urlaubstage nicht verfallen dürfen.
2. Flexible Urlaubsregelungen: Bieten Sie anpassungsfähige Urlaubsregelungen an, die den individuellen Bedürfnissen Rechnung tragen. Wenn einigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Betriebsruhe im Sommer nicht passt, sollten Sie ihnen die Möglichkeit geben, während dieser Zeit remote zu arbeiten.
3. Vorgeschriebene Übergabe: Stellen Sie sicher, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor ihrem Urlaub eine gründliche Übergabe durchführen, damit sie während ihrer Abwesenheit so wenig wie möglich erreichbar sein müssen.
4. Passende Vertretungsregelungen: Durch Abwesenheitsnotizen oder Weiterleitung an geeignete Vertretungen für dringende Angelegenheiten können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entspannter in den Urlaub gehen.
5. Ermutigen Sie zur Urlaubsvorbereitung: Raten Sie Ihren Mitarbeitenden, frühzeitig vor ihrem Urlaub detaillierte Aufgabenlisten inklusive Deadlines und wichtigen Links oder Informationen zu erstellen. Dies wird ihnen helfen, nach ihrer Rückkehr Prioritäten für ihre Aufgaben zu setzen, sodass sie ihren Workload besser bewältigen können.
6. Verstärkte Kommunikation über das Recht auf Erholung: Schaffen Sie eine Kultur, die das Recht der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Erholung während des Urlaubs unterstützt. Dies wird dazu beitragen, dass die Mitarbeitenden erholter und engagierter zurückkehren.
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