Urlaub? Da müssen wir jetzt durch
Waren Sie schon im Sommerurlaub? Oder haben Sie aus gesundheitlichen Gründen dieses Jahr darauf verzichtet? Ja, Sie lesen richtig – Urlaub birgt erhebliches Potential, Ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden zu gefährden. Der Grund liegt im Stress, den die, häufig unbedacht als "schönste Zeit des Jahres" titulierte, Zeit der Abwesenheit von Arbeit auslöst.
Tatsächlich beginnt dieser Stress, das zeigt eine aktuelle Umfrage der Jobplattform Indeed, schon einige Tage vor den eigentlichen Ferien: Mehr als 73 Prozent der Befragten geben in dieser Untersuchung an, vor ihrem letzten Urlaub Überstunden gemacht zu haben, um ihre Abwesenheit angemessen vorzubereiten. Fast dreißig Prozent haben dafür mehr als fünf zusätzliche Stunden investiert.
Nix mit Urlaub und Erholung
Stress pur, das leuchtet ein. Aber notwendig und überschaubar. Und nach dieser Arbeit kommt dann ja auch das (Urlaubs-)Vergnügen – werden Sie jetzt einwerfen. Work hard, play hard, irgendwann muss doch mal die Entspannungsphase starten. Die Hoffnung auf bessere Zeiten ist berechtigt, aber leider beginnen diese nicht im Urlaub. Denn, so eine rechtzeitig zu Beginn der Ferienzeit veröffentlichte Untersuchung der IU Internationalen Hochschule, gerade an freien Tagen oder im Urlaub fühlen sich Arbeitnehmende besonders häufig krank oder erschöpft.
Ganze 72 Prozent der in dieser Studie Befragten gaben an, das Syndrom der Freizeitkrankheit (Leisure Sickness) zu kennen, das von Müdigkeit bzw. Erschöpfung über Schlafprobleme und Reizbarkeit bis hin zu Kopfschmerzen und Erkältungssymptomen reicht. Die medizinische Ursache für diese sogenannte "Leisure Sickness" wird im plötzlichen Abfall von Stresshormonen wie Adrenalin und Cortisol vermutet. Wie die Studienautoren erklären, reagiert der Körper damit auf den abrupten Wechsel zwischen Hochleistung und Stillstand.
Davor, danach und währendessen: der reinste Stress
Sollten Sie diese Zeilen im Urlaub lesen (was, nebenbei bemerkt, gleich zwei der Gründe für Leisure Sickness darstellen könnte, weil Sie dabei weder von beruflichen Informationen noch von der Mediennutzung richtig Abstand nehmen können), überlegen Sie nun vielleicht, diesen abzubrechen. Endlich wieder ins Unternehmen und zur gewohnten Cortisol- und Adrenalinausschüttung zurückkehren, könnte manchem als Lösung erscheinen. Aber auch hier gibt es Rufer, die vor übereilten Schritten warnen und den wissenschaftlichen Zeigefinger heben.
Diese Mahner kennen die Studie, die TU München und FOM Mannheim im Auftrag der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO bereits 2019 erhoben haben und wissen seitdem: Urlaubsrückkehrer erwartet das Post-Holiday-Syndrom. Dieses sorgt dafür, dass die meisten Mitarbeiter sich in der Zeit nach dem Urlaub besonders gestresst fühlen – was bei Betrachtung der eben geschilderten, sowieso schon fatalen Erkenntnisse wohl kaum anders als mit "supergestresst" interpretiert werden kann. Nur etwa 20 Prozent der Befragten fühlen sich auch vier Wochen nach dem Urlaub erholt – unter ihnen nur knappe zwei Prozent Frauen.
Gesetzliche Pflicht zur Freizeit
Die Studienlage scheint eindeutig. Vieles spricht dafür, am Arbeitsplatz zu bleiben statt sich – nun nachgewiesenermaßen gesundheitsgefährdend – an Urlaubsstrände, in die Berge oder in den heimischen Liegestuhl zu begeben. Aber ganz so einfach ist das Leben leider nicht: Der Gesetzgeber besteht darauf, dass Beschäftigte eine gewisse Mindestanzahl an Urlaubstagen nehmen, viele Arbeits- oder Tarifverträge gehen darüber sogar noch hinaus. Auch wenn das im Einzelfall sehr hart sein kann: Um den Urlaub kommt niemand herum, da müssen wir jetzt wohl alle durch.
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