Arbeitgeber wehren sich gegen Lohnuntergrenze von neun Euro
Ein Jahr nach Einführung des Mindestlohns haben die Arbeitgeber Forderungen nach einer kräftigen Erhöhung zurückgewiesen. So sei etwa die Forderung nach einem Mindestlohn von neun Euro "völlig unverständlich und illusorisch", sagte der Präsident des Arbeitgeberverbands BDA, Ingo Kramer, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Das Mindestlohngesetz sehe eine Anpassung des Mindestlohns alle zwei Jahre orientiert an der vorherigen Tariflohnentwicklung vor. "Das wird geschehen und nichts anderes."
Verdi-Chef Frank Bsirske hatte bereits im September eine Anhebung auf zehn Euro gefordert. Das gewerkschaftsnahe Forschungsinstitut WSI hält neun Euro für greifbar. Die Lohnuntergrenze von 8,50 Euro gilt seit Anfang des Jahres.
Mindestlohn: Kommission zuständig für Erhöhungen
Beraten wird die Weiterentwicklung in der Mindestlohnkommission unter dem Vorsitzenden Jan Zilius. In dem Gremium sitzen Vertreter der Arbeitgeber und der Gewerkschaften. "Die Mindestlohnkommission wird im Sommer 2016 eine Empfehlung für die Erhöhung des Mindestlohns geben", sagte DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell der DPA. "Als Grundlage werden sowohl die Entwicklung der Tariflöhne als auch eine umfassende Evaluierung des Mindestlohns dienen", sagte Körzell. Angepasst werden soll der Mindestlohn Anfang 2017.
Thorsten Schulten, Arbeitsmarktexperte des WSI, sagte der DPA, die Kommission nehme die günstige zurückliegende Tarifentwicklung als Basis. Aber sie habe Spielraum, die gesamtwirtschaftliche Lage zu berücksichtigten. Unterm Strich könne sich eine Erhöhung auf rund neun Euro ergeben. Der Lohn- und Tarifexperte des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft, Hagen Lesch, mahnte dagegen: "Bevor man zu schnell weiterprescht, sollte man eine Evaluierung auf einer längeren Datenbasis abwarten."
Mindestlohn: Streit um weitere Ausnahmen
DGB-Vorstandsmitglied Körzell kündigte an: "Eins ist heute schon klar. Die Gewerkschaftsseite wird keinerlei faule Ausreden akzeptieren, mit denen der Mindestlohn eingefroren, für Flüchtlinge ausgesetzt oder abgesenkt und durch staatliche Mittel aufgestockt werden soll." Die Arbeitgeber plädieren bei Flüchtlingen für Ausnahmen beim Mindestlohn wie für Langzeitarbeitslose. Diese Ausnahmen sollten zudem von sechs auf zwölf Monate verlängert werden.
Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) ist strikt gegen weitere Ausnahmen. Nahles geht zudem von einer Erhöhung der Lohnuntergrenze aus, wie sie unterstrichen hatte, und einer darauf aufbauenden Stabilisierung des Lohnniveau in Deutschland.
-
Entgeltfortzahlung: Wenn unterschiedliche Krankheiten aufeinander folgen
2.290
-
Fristgerechte Umsetzung der Entgelttransparenzrichtlinie ist fraglich
1.581
-
Wann Urlaubsverfall und Urlaubsübertragung möglich sind
1.5106
-
Zusatzurlaub bei Schwerbehinderung von Arbeitnehmenden
1.436
-
Urlaubsanspruch bei Arbeitgeberwechsel richtig berechnen
1.42816
-
Was bei Nebentätigkeiten arbeitsrechtlich erlaubt ist
1.145
-
Wann müssen Arbeitgeber eine Abfindung zahlen?
1.1392
-
Was Arbeitgeber bei Bewerbungen von Schwerbehinderten beachten müssen
9282
-
Arbeitszeitkonto: Diese rechtlichen Vorgaben gelten für Arbeitgeber
922
-
Wann Arbeitnehmende Anspruch auf Teilzeit haben
8501
-
Was das Arbeitszeitgesetz zu Höchstarbeitszeit, Ruhepausen und Ruhezeit vorgibt
22.05.2026
-
Unwirksame Kündigung wegen vermeintlich fehlerhafter Arbeitszeiterfassung
21.05.2026
-
Arbeiten trotz Krankschreibung: Was ist erlaubt?
20.05.20261
-
Keine Inflationsausgleichsprämie während Elternzeit
13.05.20264
-
EU verschiebt zentrale Regelungen des AI Acts
11.05.2026
-
Kabinett beschließt Änderung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes
07.05.2026
-
Müssen Arbeitgeber Brückentage gewähren?
07.05.2026
-
Kein Nachtschichtzuschlag für Spätschicht
06.05.2026
-
Was bei Homeoffice-Regelungen zu beachten ist
05.05.20262
-
Tariftreuegesetz ist am 1. Mai in Kraft getreten
04.05.2026