Die Alterung per Tarifvertrag abfedern
Wie spezielle Demografie-Tarifverträge einen geeigneten Rahmen für eine demografieorientierte Personalarbeit sein können, beantwortet die Initiative Neue Qualität der Arbeit (Inqa) in ihrem Monitor "Tarifverträge zur Gestaltung der Qualität der Arbeit". Die Analyse gibt einen umfassenden Überblick über elf derzeit existierende demografieorientierte Tarifverträge. Befragt wurden dazu Tarifexperten von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite sowie ausgewählte Personalverantwortliche und Betriebs- oder Personalratsmitglieder aus Unternehmen.
Gute Zensuren für Demografie-Tarifverträge
Insgesamt werden die Demografie-Tarifverträge positiv wahrgenommen – von den Arbeitgebern ebenso wie von den Arbeitnehmern. Viele der Befragten sehen darin einen ersten wichtigen Schritt hin zur bewussten, abgestimmten Bearbeitung der demografischen Herausforderung. Insbesondere sind sie, da herrscht weitestgehend Konsens, gut fürs Image – sowohl fürs Image ganzer Industriezweige als auch fürs Arbeitgeberimage einzelner Betriebe, für welche die Tarifregelungen gelten. Davon sind in der Summe nämlich immerhin satte 89 Prozent überzeugt – derer, die mit der Aushandlung dieser Übereinkommen befasst waren, aber auch derer, die bei den betroffenen Unternehmen Verantwortung in der Geschäftsleitung oder für den Personalbereich tragen beziehungsweise im Betriebsrat oder im Personalrat die Arbeitnehmerinteressen vertreten.
Im Ergebnis erteilen die Arbeitnehmer, was den Nutzen der Tarifwerke für die Branche betrifft, auf einer Schulnotenskala von eins (sehr gut) bis sechs (ungenügend), im Schnitt die Zensur 2,2. Die Arbeitgeber vergeben sogar die Durchschnittsnote 1,9. Gut die Hälfte der Befragten misst den Demografie-Tarifverträgen einen hohen und ein weiteres Drittel sogar einen sehr hohen positiven Einfluss auf das Image bei. Doch außer dem Imageeffekt sind mit tariflichen Vereinbarungen zu alternsgerechten und demografiefesten Arbeitsbedingungen noch eine ganze Reihe weiterer Vorteile verbunden.
Inhaltlich befassen sich die betrachteten Tarifverträge bisher überwiegend mit den Themen "Qualifizierung", "Arbeitszeitgestaltung" und – mit leichtem Abstand – auch mit Fragen der Gesundheitsförderung. Insgesamt differenziert die Studie 13 verschiedene Themenfelder, die in den Verträgen behandelt werden. Befragt nach den wichtigsten konkreten Wirkungen der Verträge vor Ort, melden die Betroffenen noch weitere Aspekte zurück: Die größte Auswirkung der Verträge ist demnach, dass sie eine allgemeine Sensibilisierung für das Demografiethema mit sich gebracht haben.
Schwachpunkte der Tarifverträge
Doch nicht alles ist rosig. In den Unternehmen sieht man durchaus auch Grenzen und Schwachpunkte bei den Demografie-Tarifverträgen. Der heikelste Punkt ist offenbar das liebe Geld: Das Problem ausreichender Budgets für die in Verträgen angepeilten Ziele und vereinbarten Maßnahmen wird sowohl auf Betriebsebene als auch auf Ebene der Tarifparteien als eine ganz wesentliche oder sogar die größte Herausforderung für die Zukunft gesehen – mit entsprechendem Bedarf für Nachjustierungen.
Alles in allem sehen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite gleichermaßen noch erhebliche Umsetzungslücken, was die Regelungen der Tarifverträge betrifft. Allerdings ist die wahrgenommene Lücke nicht gleich groß. Die Arbeitgeber geben an, dass in ihren Augen bisher etwa zwei Drittel (65 Prozent) der Vereinbarungen bereits in die betriebliche Wirklichkeit überführt wurden. Aus Sicht der Arbeitnehmer sind es hingegen nicht einmal die Hälfte (44 Prozent).
Während die Arbeitgeber den dringendsten Umsetzungsbedarf bei der Arbeitszeitgestaltung sieht, kommt dieser Aspekt bei den Arbeitnehmern erst auf Platz fünf. Bei ihnen steht ganz oben auf der To-do-Liste die Frage der Arbeitsbedingungen und der Gestaltung der Arbeit.
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