| Verhaltensbedingte Kündigung

Beleidigung als Arschloch führt zur Entlassung

Vorsicht bei SMS: Fiese Sprüche über den Chef sollte dieser nicht erfahren. Sonst droht die Kündigung.
Bild: MEV-Verlag, Germany

Nicht an den Bekannten, sondern versehentlich an den Chef selbst hatte eine Arbeitnehmerin in Australien eine pikante SMS geschickt. Auf die Aussage, der Vorgesetzte sei ein "totales Arschloch", folgte postwendend die Kündigung. Wie Arbeitgeber in Deutschland bei Beleidigungen vorgehen sollten.

In Australien wollte eine Sekretärin den Freund Ihrer Tochter mit einer SMS vor seinem ersten Einsatz als Klempner in ihrer Firma warnen. Sie lästerte unverhohlen über den Vorgesetzten, beispielsweise mit den Worten: "Unser Chef ist ein totales Arschloch". Als sie merkte, an wen sie die SMS tatsächlich geschickt hatte – nämlich an ihren Chef persönlich –, versuchte sie sich in mehreren Folge-SMS damit herauszureden, ihr Humor ginge manchmal mit ihr durch. Der Vorgesetzte ließ sich jedoch nicht mehr besänftigen und kündigte das Arbeitsverhältnis.

Hiergegen wehrte sich die Arbeitnehmerin vor einem australischen Arbeitsgericht, allerdings ohne Erfolg. Ihr Einwand, es handele sich bei der SMS um eine scherzhafte Beleidigung, die ihr Chef nie habe lesen solle und die im Kontext des Dialogs mit dem Freund ihrer Tochter zu verstehen sei, überzeugte das Gericht nicht.

Konsequenzen einer Beleidigung nach deutschem Arbeitsrecht

Auch vor einem deutschen Arbeitsgericht wäre der Fall wohl nicht anders ausgegangen, die Kündigung wirksam gewesen. Natürlich sind bei Kündigungen immer die konkreten Umstände des Einzelfalls entscheidend. Beleidigungen gegenüber dem Arbeitgeber oder gegenüber Vorgesetzten berechtigen jedoch grundsätzlich zur ordentlichen Kündigung auch ohne vorangegangene Abmahnung. Grobe Beleidigungen können sogar eine außerordentliche (fristlose) Kündigung rechtfertigen (Einzelheiten dazu erfahren Sie auch im Haufe Online-Seminar "Die verhaltensbedingte Kündigung - Dauerbrenner Abmahnung").

Es gibt aber auch Ausnahmen: Ehrverletzende Äußerungen können auch als weniger schwerwiegend und nicht für eine Kündigung ausreichend angesehen werden. Dies gilt dann, wenn sie in einer Auseinandersetzung gefallen sind, bei der der Arbeitgeber oder der Vorgesetzte in Form und Inhalt unberechtigte Kritik äußerte und hierdurch den Arbeitnehmer zu der ehrverletzenden Äußerung reizt. Auch hierbei sind immer die jeweiligen Umstände des Einzelfalls maßgeblich. Zu berücksichtigen sind insbesondere auch der betriebliche und branchenübliche Umgangston, der Bildungsgrad und der psychische Zustand des Arbeitnehmers sowie die Gesprächssituation.

Auch Beleidigungen gegenüber Arbeitskollegen können eine verhaltensbedingte, in Ausnahmefällen auch eine außerordentliche Kündigung rechtfertigen, wenn hierdurch der Betriebsfrieden nicht nur vorübergehend gestört wird.

Schlagworte zum Thema:  Verhaltensbedingte Kündigung, Beleidigung

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