Rechnungsstellung in die Schweiz

Immer mehr deutsche Unternehmen müssen sich der Schweizer Mehrwertsteuer unterstellen, da sie Kunden in der Schweiz mit mehrwertsteuerpflichtigen Leistungen bedienen. Dabei stellen sich vermehrt Fragen zur korrekten Ausgestaltung der Rechnung und zur Unternehmensidentifikationsnummer der Schweiz (UID Nummer).

Die nachfolgenden Ausführungen zeigen in geraffter Form die wichtigsten Punkte zur Rechnungsstellung nach Schweizer Mehrwertsteuergesetz auf. Die Ausführungen verschaffen einen ersten Überblick, sie ersetzen jedoch nicht die Beratung im Einzelfall durch eine ausgewiesene Fachspezialistin oder einen ausgewiesenen Fachspezialisten.

Verschärfung der Mehrwertsteuerpflicht in der Schweiz seit 1. Januar 2018

Seit nunmehr rund 3 Jahren gelten die Neuregelungen der Schweizer Mehrwertsteuer. Diese zielen unter anderem darauf ab, ausländische Leistungserbringer schweizerischen Anbietern mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit gleichzustellen. Grundsätzlich gilt nun seit 2018, dass ausländische Unternehmen bereits ab dem ersten Schweizer Franken Umsatz in der Schweiz mehrwertsteuerpflichtig werden können und sich unaufgefordert in das Schweizer Mehrwertsteuerregister eintragen müssen. Vorausgesetzt ist, dass der weltweite Umsatz CHF 100'000 übersteigt (weiterführende Hinweise unter Haller/Tarolli/Flückiger, BC 12/2018, 574 ff.). Er-bringt somit ein deutsches Unternehmen in der Schweiz steuerpflichtige Leistungen wie z.B. Telekomdienstleistungen oder Werklieferleistungen und wird dadurch in der Schweiz steuer-pflichtig, so hat das Unternehmen eine dem Schweizer Mehrwertsteuerrecht konforme Rechnung zu erstellen.

Rechnungsstellung in der Schweiz: Das Wichtigste in Kürze

Vereinfacht müssen folgende Punkte aus einer Rechnung ersichtlich sein:

  • Schweizerische Mehrwertsteuernummer der Leistungserbringerin. Die Mehrwertsteuernummer hat folgendes Format: CHE-123.456.789 MWST.
  • Vollständige Adresse der Leistungserbringerin.
  • Vollständige Adresse der Leistungsempfängerin. Deren Mehrwertsteuernummer muss hingegen nicht auf der Rechnung ersichtlich sein.
  • Beschreibung von Art, Gegenstand und Umfang der Leistung.
  • Datum/der Leistungszeitraum, sofern keine Übereinstimmung mit dem Rechnungsdatum vorliegt.
  • Rechnungsbetrag. Dieser kann als Totalbetrag inklusive Schweizer Mehrwertsteuer (Angabe anwendbarer Steuersatz) ausgewiesen werden oder es werden die Beträge separat dargestellt: Zunächst der Nettorechnungsbetrag, dann der anwendbare Steuersatz mit dem entsprechenden Betrag und als letztes der Totalbetrag.

Es ist zulässig, die Rechnung in einer Fremdwährung (nicht Schweizer Franken) auszustellen. Die Umrechnung erfolgt dann im Rahmen der Quartalsabrechnung mit dem Monatsmittelkurs, der von der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) publiziert wird und anzuwenden ist.

Gesetzliche Grundlage Schweizer Mehrwertsteuergesetz (MWSTG) und ergänzende Ausführungen

Das Schweizer Mehrwertsteuergesetz (MWSTG) regelt in Art. 26 die Pflichtinhalte der Rechnungen.

In Absatz 1 ist die Verpflichtung der Leistungserbringerin festgehalten, dass sie auf Verlangen der Leistungsempfängerin eine mehrwertsteuerkonforme Rechnung auszustellen hat. Denn eine mehrwertsteuerkonforme Rechnung verschafft der Leistungsempfängerin den Nachweis, dass letztgenannte eine Vorsteuer belastete Leistung bezogen hat und diese im Rahmen ihrer Mehrwertsteuerabrechnung geltend machen kann. Durch einen solchen Nachweis wird der Beweisanforderung des schweizerischen Mehrwertsteuergesetzes ohne weiteres Genüge getan. Das Gesetz sieht eine freie Beweiswürdigung vor (Art. 81 Abs. 3 MWSTG). Damit kann die steuerpflichtige Person auch durch andere Unterlagen den Beweis des Bezugs vorsteuerbelasteter Leistungen erbringen. Mehrwertsteuerkonforme Rechnungen helfen der Leistungsempfängerin aber im Rahmen von regelmässig durchgeführten Mehrwertsteuerkontrollen die Nachweise der Rechtmässigkeit der geltend gemachten Vorsteuer effizient nachzuweisen.

Absatz 2 regelt sodann detailliert mit einer Aufzählung, welche Angaben auf einer Rechnung in der Regel vorhanden sein müssen. Dabei werden die Punkte des vorherigen Absatzes erwähnt (Das Wichtigste in Kürze).

Bei kleineren Beträgen mit Quittungen von automatisierten Kassen (sog. Kassenzettel) müssen keine Angaben über die Leistungsempfängerin gemacht werden, sofern das Entgelt für die bezogene Leistung CHF 400 nicht übersteigt (Art. 26 Abs. 3 MWSTG).

Die erwähnten Anforderungen gelten auch für Unternehmen, die sich für die Saldosatzmethode entschieden haben. Auch diese müssen eine mehrwertsteuerkonforme Rechnung ausstellen, insbesondere auch den anwendbaren Steuersatz ausweisen. Sie rechnen lediglich gegenüber der eidgenössischen Steuerverwaltung mit einem vordefinierten Prozentsatz des Umsatzes ab. Für diese Methode müssen gewisse Kriterien wie ein Maximalumsatz von rund CHF 5 Millionen und ein maximaler Mehrwertsteuerbetrag von CHF 103'000 jeweils pro Jahr erfüllt sein.

Es ist weiter zu erwähnen, dass der Ausweis der Schweizer MWST von Unternehmen, die nicht im Schweizer Mehrwertsteuerregister eingetragen sind, nicht zulässig ist, aber bei entsprechender versehentlicher Erwähnung trotzdem abgeliefert werden muss. Wenn beispielsweise der deutsche Produktelieferant auf seiner Rechnung an den Schweizer Kunden die MWST ausweist, muss er diese abliefern; der Schweizer Kunde zahlt dann aber zusätzlich die Schweizer Einfuhrsteuer. Die Durchführung einer Korrektur ist dabei aufwändig.

Unternehmensidentifikationsnummer Schweiz (UID Nummer)

Die Schweiz weist jedem Unternehmen eine Unternehmensidentifikationsnummer (UID) mit folgendem Format zu: CHE-123.456.789. Diese Nummer erhalten alle Unternehmen, die im Schweizer UID Register erfasst werden. In diesem Register werden Unternehmen erfasst, die im Schweizer Handelsregister oder (nur) im Schweizer Mehrwertsteuerregister eingetragen sind (in diesem Register werden Unternehmen erfasst, die lediglich einen Steuervertreter in der Schweiz haben, wie z.B. die VISCHER AG. Sobald ein Unternehmen im Schweizer Mehrwertsteuerregister eingetragen ist, wird die UID mit dem Zusatz MWST (oder VAT, IVA, TVA) am Schluss als Mehrwertsteuernummer verwendet. 

Unternehmensidentifikationsnummer (UID) EU

Die EU verwendet ebenfalls UID als Abkürzung für die Umsatz-Identifikationsnummer. Diese Nummer ist für den steuerfreien Leistungsaustausch innerhalb von der EU erforderlich, denn die empfangende Unternehmung muss der Leistenden ihre UID für die Rechnungsstellung bekannt geben. Leistungen in die Schweiz können auch ohne europäische UID der Empfängerin erbracht werden. Hier reicht allein der Leistungsort Schweiz.

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