Um die Unternehmensnachfolge kleinerer Firmen und den kürzlich veröffentlichten KfW-Mittelstandspanel, das zeigt, dass hier erheblicher Handlungsbedarf besteht, geht es in dem Beitrag unseres Fachautors Jörgen Erichsen.

Viele Inhaber kleinerer Firmen befassen sich mit dem Thema Nachfolge nur ungern. Schließlich geht es um die Trennung vom Lebenswerk - und im schlimmsten Fall um die Betriebsaufgabe. Daher wird die Angelegenheit verdrängt, wichtige Aktivitäten immer wieder verschleppt und "plötzlich" ist der Zeitpunkt da, zu dem ein Rückzug unausweichlich ist, z.B. aus Alters- oder gesundheitlichen Gründen. Dann ist es zu spät, um sich einen "Wunschnachfolger" zu suchen und es kann selten der Preis erzielt werden, der den eigenen Vorstellungen entspricht. Das kürzlich veröffentliche KfW-Mittelstandspanel zeigt beim Thema Unternehmensnachfolge erheblichen Handlungsbedarf.

In den nächsten Jahren stehen unzählige Generationenwechsel an

Wer unter Zeitdruck gerät, verliert. Einen Nachfolger zu finden und die Firma zu verkaufen, dauert gern 5 Jahre oder länger. Und das KfW-Mittelstandspanel zeigt, dass bis 2022 rund 500.000 Inhaber kleiner und mittelständischer Unternehmer ihren Betrieb verkaufen wollen, viele schon im kommenden Jahr. Dabei haben sie oft nicht einmal mit der Suche begonnen, wie das Panel zeigt. In rund 1,4 Mio. Betrieben sind die Inhaber 55 Jahre oder älter, sodass in den nächsten Jahren immer mehr Firmen zum Verkauf stehen werden. Damit wird es auf absehbare Zeit mehr Betriebe geben, die zum Verkauf stehen als es Interessenten gibt. Um in dieser Situation den Verkaufspreis zu erzielen, der den eigenen Vorstellungen entspricht, wird Zeit benötigt, um die wenigen Interessenten, die es gibt, zu überzeugen. Umgekehrt gilt: Je schneller es gehen muss, desto geringer die Chancen, einen guten Erlös zu erzielen. Das kann fatal sein, da viele Unternehmer planen, aus dem Erlös ihren Ruhestand zu finanzieren. Sinkt er, muss länger gearbeitet werden; viele Inhaber sind zum Zeitpunkt des Verkaufs 70 Jahre oder älter.

Warum braucht ein geordneter Verkauf so viel Zeit?

Mit einer ausreichenden Vorlaufzeit stehen die Chancen dennoch gut, den passenden Nachfolger zu finden und den Preis zu erzielen, der den eigenen Vorstellungen entspricht. Voraussetzung ist, sich rechtzeitig mit dem Thema zu befassen und zunächst einen Zeitraum festzulegen, in dem der Betrieb verkauft werden soll. Ein Zeitraum ist günstiger als ein Zeitpunkt, da dadurch die Flexibilität bestehen bleibt, eine mögliche schlechte Phase, z.B. mit rückläufigem Wachstum, zu überbrücken. Vorab sind viele Fragen zu klären und allein die Suche des richtigen Nachfolgers kann 2-3 Jahre dauern. Daher gilt als Faustregel: Bis zum avisierten Zeitraum sollten 5-7 Jahre für Vorbereitung und Umsetzung eingeplant werden.

Wichtige Fragestellungen bei der Unternehmensnachfolge

Die Fragen und Themen, mit denen sich der Verkäufer während der gesamten Zeit befassen muss, sind u.a.:

  • Was soll bis wann erreicht werden, z.B. Verkauf an Dritte, eine Familienlösung, Schließung?
  • Was sind die Preisvorstellungen? Wie lässt sich der Preis überhaupt ermitteln?
  • Wie lässt sich der Wert – und damit der Verkaufspreis – des Betriebs steigern?
  • Was sind besondere Stärken und Schwächen?
  • Welche zusätzlichen Kosten fallen an?
  • Welche rechtlichen und steuerlichen Aspekte sind zu bedenken?
  • Wie findet sich ein Nachfolger, der zum Betrieb passt?
  • Wer kann oder soll das Projekt unterstützen?Wann sollen z.B. Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Bank informiert werden?
  • Wie soll die Übergabe stattfinden, z.B. zu einem Zeitpunkt oder über einen Zeitraum, bei dem der Nachfolger begleitet wird?

Praxis-Tipp: Sehen Sie die Unternehmensnachfolge als Ihr wichtigstes Projekt

Nur wer die Unternehmensnachfolge als das persönlich wichtigste Projekt überhaupt mit klaren Zielen und Vorstellungen angeht, kann das gewünschte Ergebnis erreichen.

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