Kapitel 7: Eigenkapital / ff) Der Einsatz geliehener eigener Anteile als Aquisitionswährung
 

Tz. 41

Praktisch bedeutsam ist die Konstellation, dass sich eine Gesellschaft eigene Anteile von ihrem Gesellschafter leiht, um diese als Aquisitionswährung einzusetzen.[112] Es liegt auf der Hand, dass dem verleihenden Gesellschafter die Anteile zurückgegeben werden müssen bzw. ihm eine Entschädigung gezahlt werden muss, weil die Gesellschaft durch den Einsatz als Aquisitionswährung insoweit bereichert ist. Die vielfältigen Fragen dieser Konstellation im Gesellschafts- und Bilanzrecht sind bislang nicht behandelt. Problematisch ist der Ausweis der geliehenen eigenen Aktien. Die Gesellschaft hat keine Mittel aufgewendet, sodass § 71 Abs. 2 Satz 2 AktG, § 33 Abs. 2 Satz 1 GmbHG, § 272 Abs. 1a HGB keine Anwendung finden können. Entweder weist die Gesellschaft nichts aus – oder sie weist die geliehenen eigenen Aktien als Vermögensgegenstand zum vorsichtig geschätzten Zeitwert aus und passiviert korrespondierend eine Rückgabeverbindlichkeit, die immer den Wert der geliehenen eigenen Aktien haben muss. Letzterer Weg scheint vorzugswürdig. Nach dem Einsatz der geliehenen eigenen Aktien aktiviert die Gesellschaft den erhaltenen Vermögensgegenstand und passiviert insoweit eine Verbindlichkeit gegenüber dem verleihenden Altgesellschafter. Dieser Anspruch ist – entgegen einer im entschiedenen Fall richtigen, der Sache nach aber zu pauschalen BGH-Rechtsprechung[113] – tauglicher Gegenstand einer Sacheinlage bei einer anschließenden Kapitalerhöhung.[114]

[112] Zu dieser Möglichkeit Merkt, in: GroßKo-AktG, § 71 AktG Rn. 26; Wieneke, NZG 2004, 61 ff.
[114] Merkt/Mylich, NZG 2012, 525 (526 f.).

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