Kapitel 6: Zugangs- und Fol... / cc1) Bewertungsobjekt
 

Tz. 749

Vermögenswerte oder Schulden stellen die Bewertungsobjekte – Eigenkapital wird lediglich als Residualgröße fortgeschrieben – des Abschlusses dar. Demnach hat der Bilanzierende bei der Bemessung zum beizulegenden Zeitwert die Merkmale des jeweiligen Vermögenswerts bzw. der Schuld zu berücksichtigen, sofern ein Marktteilnehmer diese bei der Preisbildung ebenfalls einbeziehen würde. Hierzu zählen bspw. der Zustand sowie der Standort des Vermögenswerts oder bestehende Verkaufs- oder Nutzungsbeschränkungen (IFRS 13.11). Die Auswirkung eines konkreten Merkmals auf die Bewertung hängt demnach davon ab, inwieweit ein Marktteilnehmer diese Merkmale berücksichtigen würde (IFRS 13.12).

 

Tz. 750

Bei der Festlegung der bewertungsrelevanten Charakteristika eines Bewertungsobjekts ist zwischen untrennbar mit dem Bewertungsobjekt verbundenen und unternehmensspezifischen Beschränkungen zu differenzieren. Bewertungsrelevant sind ausschließlich die dem Bewertungsobjekt unmittelbar anhaftenden und bei einem (fiktiven) Transfer an einen Dritten auch übergehenden Charakteristika.[894]

 

BEISPIEL

Festlegung bewertungsrelevanter Eigenschaften[895]

Die XY-AG erwirbt ein sich an das eigene Betriebsgelände anschließendes Grundstück, um die bestehende Infrastruktur besser nutzen zu können. Der Kaufvertrag enthält die Nebenabrede, dass das Grundstück ausschließlich betrieblich genutzt werden darf. Die Weiterveräußerung des Grundstücks wird nicht untersagt. In den Folgejahren kommt es zu einer Neuparzellierung und einem Neubau von Wohngebäuden auf dem umliegenden Land.

Für die XY-AG besteht die Option eines Verkaufs des bei eigener Verwertung ausschließlich betrieblich nutzbaren Grundstücks, ohne dass es zu einer Übertragung der Restriktion "betriebliche Nutzung" im Sinne einer Einzelrechtsnachfolge kommt. Da die vorliegende Restriktion lediglich die XY-AG als Eigentümer des Betriebsgeländes, nicht aber beliebige Marktteilnehmer im Anschluss an einen Erwerb betrifft, ist der beizulegende Zeitwert ausgehend vom höheren Wert der beiden sich gegenüberstehenden Nutzungsmöglichkeiten (d. h. betrieblicher Einsatz oder Wohnraum) zu ermitteln.

[894] Lüdenbach/Hoffmann/Freiberg, IFRS, § 8a Rn. 18.
[895] In Anlehnung an Lüdenbach/Hoffmann/Freiberg, IFRS, § 8a Rn. 18.

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