Küting/Weber, Handbuch der ... / IV. Verbindlichkeiten
 

Rn. 141

Stand: EL 09 – ET: 12/2010

Gem. § 266 sind die Verbindl. bei großen und mittelgroßen KapG bzw. bei Gesellschaften i. S. d. § 264a (vgl. HdR-E, HGB § 266, Rn. 4) i. E. wie folgt zu gliedern:

(1) Anleihen, davon konvertibel;
(2) Verbindl. gegenüber Kreditinstituten;
(3) erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen;
(4) Verbindl. aus Lieferungen und Leistungen;
(5) Verbindl. aus der Annahme gezogener Wechsel und der Ausstellung eigener Wechsel;
(6) Verbindl. gegenüber verbundenen UN;
(7) Verbindl. gegenüber UN, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht;
(8) sonst. Verbindl., davon aus Steuern, davon i. R. d. sozialen Sicherheit.
 

Rn. 142

Stand: EL 17 – ET: 10/2013

Eine Abweichung hiervon ist bei großen und mittleren Gesellschaften nur in dem Ausnahmefall des § 265 Abs. 7 zulässig; danach können die mit arabischen Zahlen versehenen Posten zusammengefasst werden, wenn dies für die Darstellung der VFE-Lage unerheblich ist oder wenn die Klarheit der Bilanz durch einen zusammengefassten Ausweis erhöht wird; im letzten Fall ist dann allerdings eine Aufgliederung im Anh. erforderlich. Kleine KapG i. S. d. § 267 Abs. 1 und kleinste KapG i. S. d. § 267a sowie diesen vergleichbare Gesellschaften i. S. d. § 264a können unabhängig hiervon eine verkürzte Bilanz aufstellen. Sie brauchen lediglich den Posten des § 266 Abs. 3 C. als einen gesamten Posten ›Verbindlichkeiten‹ auszuweisen (vgl. hierzu auch HdR-E, HGB § 266, Rn. 4, Rn. 4a und Rn. 8a).

 

Rn. 143

Stand: EL 17 – ET: 10/2013

Der Ausweis einer Verbindl. hat so lange zu erfolgen, bis nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von dem Erlöschen dieser Verbindl. ausgegangen werden kann. Dies gilt grds. auch für den Fall, dass Verbindl. durch eine Scheckzahlung beglichen werden. Durch die Verwendung von Schecks ist die Verbindl. noch nicht erloschen, erst mit der Belastung des Schecks auf dem Bankkonto ist die Verbindl. bezahlt. Vielfach findet man aber in der Praxis auch die Vorgehensweise, dass eine Verbindl. im Zeitpunkt der Verwendung der Schecks bereits als bezahlt behandelt wird und entspr. das Guthaben bei dem bezogenen Kreditinstitut vermindert wird. Auch wenn diese Vorgehensweise nicht dem juristischen Sachverhalt einer Scheckversendung entspricht, dürfte aus wirtschaftlicher Betrachtungsweise gegen diese Behandlung nichts einzuwenden sein; dies insbes. auch deswegen, weil i. d. R. die normalen Schecklaufzeiten relativ kurz sind und daher in kurzer Zeit nach dem BilSt die Richtigkeit dieser Vorgehensweise bestätigt werden kann. Gleichzeitig folgt, dass diese Vorgehensweise nicht mehr sachgerecht ist, wenn das scheckausstellende UN von einer langen Schecklaufzeit (z. B. bei Verwendung im Ausland) ausgehen muss.

 

Rn. 144

Stand: EL 17 – ET: 10/2013

Hingewiesen wird auch auf § 42 Abs. 3 GmbHG, wonach Verbindl. der bilanzierenden GmbH gegen Gesellschafter als solche gesondert auszuweisen sind bzw. im Anh. anzugeben sind; werden sie ausnahmsweise unter einem anderen Posten ausgewiesen, sind sie zu vermerken.

 

Rn. 145

Stand: EL 17 – ET: 10/2013

Gem. § 266 ist i. R. d. Bilanzgliederung keine Unterscheidung nach der Fristigkeit der Verbindl. vorgesehen. Ein Ausgleich wird zum einen durch § 268 Abs. 5 Satz 1 geschaffen, nach dem die Verbindl. mit einer Restlaufzeit von bis zu einem Jahr gesondert zu vermerken sind. Zum anderen bestimmt § 285 Nr. 1a, dass im Anh. all jene Verbindl. zu nennen sind, deren Restlaufzeit mehr als fünf Jahre beträgt (vgl. Knop/Zander, HdR-E, HGB § 268, Rn. 208 ff.; Oser/Holzwarth, HdR-E, HGB §§ 284 – 288). Des Weiteren ist ein Vermerk der Verbindl., die durch Grundpfandrechte gesichert sind, in der Bilanzgliederung nicht vorgeschrieben; stattdessen hat eine entspr. Angabe im Anh. zu erfolgen (vgl. § 285 Nr. 1b).

1. Anleihen, davon konvertibel

 

Rn. 146

Stand: EL 17 – ET: 10/2013

Bei den Anleihen handelt es sich um Fremdkapitalien, die durch Inanspruchnahme des öffentlichen Kap.-Markts aufgebracht worden sind (vgl. ADS 1995, § 266, Rn. 218). Im Zusammenhang mit dem Posten ›Anleihen‹ dürfte unter öffentlichem Kap.-Markt i. d. R. nur der organisierte Kap.-Markt zu verstehen sein (vgl. Matschke, in: Bonner Handbuch 1986, § 266, Rn. 168); auf dem nicht organisierten Kap.-Markt aufgenommene Darlehen sind generell als sonst. Verbindl. auszuweisen (vgl. ADS 1995, § 266, Rn. 220 und schon früher Mellerowicz 1970, § 151 AktG, Rn. 117). Als Anleihe ist jedoch stets nur der Rückzahlungsbetrag auszuweisen, ein evtl. bei der Ausgabe der Anleihe erzieltes Disagio ist der Kap.-Rücklage zuzuführen. Im Hinblick auf den vorgeschriebenen Vermerk ›davon konvertibel‹ (= umtauschfähig, umwandlungsfähig) ist die Unterscheidung in Wandelschuldverschreibungen und sonst. Schuldverschreibungen bedeutsam.

 

Rn. 147

Stand: EL 17 – ET: 10/2013

Wandelschuldverschreibungen können derzeit nur bei der AG vorkommen. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass der Schuldner dem Gläubiger ein Umtausch- oder Bezugsrecht auf Aktien einräumt (vgl. § 221 Abs. 1 Satz 1 AktG). Der Betrag der ausgegebenen Wandelschuldverschreibungen ...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Küting, Handbuch der Rechnungslegung - Einzelabschluss (Schäffer-Poeschel). Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Küting, Handbuch der Rechnungslegung - Einzelabschluss (Schäffer-Poeschel) 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge