Küting/Weber, Handbuch der ... / II. Bedingte Abweichungen

1. Abweichungen infolge einseitiger Wahlrechte

a) Bilanzansatz

aa) Selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens

 

Rn. 201

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

Für in der Entwicklungsphase anfallende HK besteht handelsrechtlich ein Aktivierungswahlrecht (vgl. § 255 Abs. 2a i. V. m. § 248 Abs. 2 Satz 1), für Forschungskosten ein Aktivierungsverbot. Darüber hinaus dürfen selbst geschaffene Marken, Drucktitel, Verlagsrechte, Kundenlisten oder vergleichbare immaterielle VG des AV nicht aktiviert werden (vgl. § 248 Abs. 2 Satz 1). Gewinne aus der Aktivierung selbst geschaffener immaterieller VG des AV sind nach Maßgabe des § 268 Abs. 8 ausschüttungsgesperrt. Aus dem handelsrechtlichen Aktivierungswahlrecht folgt nach den Rspr.-Grundsätzen des GrS im Grundsatz steuerlich eine Aktivierungspflicht (vgl. BFH-Beschl. v. 03.02.1969, GrS 2/68, BStBl. II 1969, S. 291). Durch das steuerliche Aktivierungsverbot des § 5 Abs. 2 EStG wird diese Rechtsfolge außer Kraft gesetzt; handelsrechtlich wahlweise aktivierbare HK für selbst erstellte immaterielle VG des AV werden steuerlich stets unmittelbar aufwandswirksam. Diese Vorschrift entsprach bis zur Verabschiedung des BilMoG dem handelsrechtlichen Aktivierungsverbot des § 248 Abs. 2 (a. F.) und besaß für Stpfl., die bereits über den Maßgeblichkeitsgrundsatz an § 248 Abs. 2 (a. F.) gebunden waren, lediglich klarstellenden Charakter (vgl. Knobbe-Keuk, B. 1993, S. 21); nunmehr statuiert sie in einer zentralen Bilanzierungsfrage eine explizite Abweichung zwischen HB und StB, wenn das handelsrechtlich eröffnete Aktivierungswahlrecht in Anspruch genommen wird. Die Dauer einer insoweit bestehenden Abweichung erstreckt sich mit Umsetzung des BilRUG für VG, deren ND nicht verlässlich geschätzt werden kann, durch Vorgabe einer zehn jährigen typisierten ND (vgl. § 253 Abs. 4 Satz 3 (n. F.)) vorbehaltlich der Vornahme außerplanmäßiger Abschreibungen verbindlich auf diese Zeitspanne.

 

Rn. 202-204

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

vorläufig frei

bb) Disagio

 

Rn. 205

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

Für den Unterschiedsbetrag zwischen Erfüllungs- und Ausgabebetrag bei Kreditgewährung (Disagio) greift handelsrechtlich das Aktivierungswahlrecht des § 250 Abs. 3. Das Disagio verkörpert wirtschaftlich eine Vorleistung für eine zeitraumbezogene, in der Kapitalnutzung bestehende Gegenleistung. Im Hinblick auf den fraglos gegebenen Zeitraumbezug der Gegenleistung ist es verwunderlich, dass speziell dieses Aktivierungswahlrecht im Zuge der BilMoG-Bilanzreform unangetastet blieb. In der StB hat der Schuldner das Disagio seinem wirtschaftlichen Gehalt entspr. als RAP zu aktivieren (vgl. § 5 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 EStG) und diesen entsprechend des Zinscharakters über den Zinsbindungszeitraum (vgl. BFH-Urt. v. 21.04.1988, IV R 47/85, BStBl. II 1989, S. 722; H 6.10 EStH) – bei vorzeitiger Darlehensrückzahlung entspr. vorzeitig – erfolgswirksam aufzulösen (vgl. BFH-Urt. v. 12.07.1984, IV R 76/82, BStBl. II 1984, S. 713). Abweichungen resultieren, wenn handelsrechtlich auf eine Aktivierung verzichtet wird.

 

Rn. 206

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

Beim Gläubiger besteht mangels korrespondierenden handelsrechtlichen Passivierungswahlrechts keine Abweichung. Für ein einbehaltenes Disagio ist entspr. des Zinscharakters handels- wie steuerbilanziell ein passivischer RAP zu bilden (vgl. BFH-Urt. v. 08.11.1989, II R 29/86, BStBl. II 1990, S. 207; § 340e Abs. 2).

cc) Geringwertige Wirtschaftsgüter

 

Rn. 207

Stand: EL 22 – ET: 03/2016

Abweichend vom Grundsatz, dass WG einzeln zu aktivieren und Anschaffungsaufwendungen erst im Wege der AfA nach Maßgabe der §§ 7ff. EStG unter Berücksichtigung der jeweils betriebsgewöhnlichen ND des betr. WG gewinnmindernd zu berücksichtigen sind, eröffnen § 6 Abs. 2 und § 6 Abs. 2a EStG für abnutzbare, bewegliche und einer selbständigen Nutzung fähige GWG mit Vereinfachungsintention verschiedene steuerliche Ansatzwahlrechte: Bei (Netto-)AHK bzw. einem Einlagewert bis zu 150 Euro (sog. geringstwertige WG) besteht im WJ der Anschaffung/Herstellung bzw. Einlage das Wahlrecht zur sofortigen ergebnismindernden Berücksichtigung als BA (vgl. § 6 Abs. 2 EStG). Das Wahlrecht kann für jedes WG individuell in Anspruch genommen werden (WG-bezogenes Wahlrecht). Bei (Netto-)AHK bzw. einem Einlagewert von mehr als 150 Euro bis 410 Euro greift neben der möglichen Einzelbilanzierung und Regel-AfA ein doppeltes Wahlrecht. AHK bzw. Einlagewert können entweder in voller Höhe als BA abgezogen werden (WG-bezogenes Wahlrecht; vgl. § 6 Abs. 2 EStG) oder für alle sammelpostenfähigen WG WJ-bezogen einheitlich in einem Sammelposten erfasst werden (WJ-bezogenes Wahlrecht; vgl. § 6 Abs. 2a EStG). Bei (Netto-)AHK bzw. einem Einlagewert von mehr als 410 Euro bis 1.000 Euro: besteht neben der Einzelbilanzierung und Regel-AfA das Wahlrecht zur Erfassung in einem Sammelposten ebenfalls (vgl. § 6 Abs. 2a EStG). Zu berücksichtigen ist, dass das Wahlrecht nur einheitlich für alle im WJ angeschafften/hergestellten/eingelegten WG mit AHK bzw. Einlagewert von mehr als 150 Euro und nicht mehr als 1.000 Euro in Anspruch genommen werden kann, d. h. bei Sammelpostenbildung wird zugleich das Wahlrecht zur Sofortabschreibung für d...

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