EFRAG: ED/2020/2 – Bilanzierung von Mietkonzessionen (IFRS 16)

Die EFRAG sieht partiellen Anpassungsbedarf an den vorgeschlagenen Änderungen des IASB zur Bilanzierung von Mietkonzessionen unter Berücksichtigung des Einflusses von Covid-19.

Im Zuge der Corona-Pandemie hat der International Accounting Standards Board (IASB) am 24.4.2020 seinen Entwurf ED/2020/2  zur Änderung des IFRS 16 veröffentlicht.

ED/2020/2 als kurzfristige Reaktion des IASB auf Covid-19

Die kurzfristige Reaktion des IASB sieht eine optionale Erleichterung für Leasingnehmer vor. So soll diesen eine Erleichterung (relief) der Anwendung von IFRS 16 gewährt werden. Die Erleichterung beschränkt sich auf den Verzicht der Beurteilung, ob ein Mietzugeständnis (rent concession) im Zusammenhang mit Covid-19 eine Modifikation des Leasingverhältnisses darstellt.

Stattdessen werden diese Mietzugeständnisse so behandelt, als seien diese keine Modifikation, mit der Folge, dass diese – meist – als variable Leasingzahlung im Zeitpunkt der Gewährung zu erfassen seien.

Die Ausnahme gilt nach ED/2020/2 nur für Mietzugeständnisse, die infolge der Covid-19-Pandemie verursacht bzw. verhandelt wurden („occurring as a direct consequence“) und nur dann, wenn die folgenden Bedingungen kumulativ erfüllt sind:

  • die Änderung der Leasingzahlungen führt zu einer geänderten Gegenleistung für den Leasingvertrag, die im Wesentlichen („substantially“) gleich oder geringer ist als die Gegenleistung für den Leasingvertrag unmittelbar vor der Änderung;
  • jede Reduzierung der Leasingzahlungen betrifft nur Zahlungen, die ursprünglich im Jahr 2020 fällig sind („any reduction in lease payments affects only payments originally due in 2020“); und
  • es gibt keine wesentlichen („substantive“) Änderungen an anderen Bedingungen des Leasingvertrags.

Wird für die Erleichterung optiert, wäre eine einheitliche Anwendung auf alle Leasingverträge mit ähnlichen Merkmalen und unter ähnlichen Umständen geboten.

(Gleichwertige) Ausnahmen für den Leasinggeber sind im ED/2020/2 nicht vorgesehen.

EFRAG-Stellungnahmeentwurf sieht Anpassungsbedarf

Die Europäische Beratungsgruppe für Rechnungslegung (EFRAG) hat am 11.5.2020 einen Entwurf einer Stellungnahme  veröffentlicht, in dem sie die vorgeschlagene Erleichterung unterstützt. Allerdings würde die EFRAG den Anwendungsbereich der Änderung erweitern und alle im Jahr 2020 gewährten Mietzugeständnisse und nicht nur die im Jahr 2020 fälligen Zahlungen einbeziehen („to include all rent concessions granted during 2020 and not just payments due in 2020“).

Um die Änderungen für Leasingnehmer nicht zu verzögern, schlägt die EFRAG vor, dass der IASB als Teil eines separaten Projekts die Bilanzierung von Mietkonzessionen im Zusammenhang mit Covid-19 für Leasinggeber in Betracht zieht. Wie die Leasingnehmer sehen sich auch Leasinggeber bei der Bewertung der bilanziellen Auswirkungen von Konzessionen im Zusammenhang mit Covid-19 insbesondere mit der Frage konfrontiert, ob Mietzugeständnisse als Änderung oder als Verringerung der Mietzahlungen behandelt werden sollten.

Darüber hinaus sollte der IASB klarstellen, ob die Änderung auf Mietkonzessionen im Zusammenhang mit Covid-19 auf Einzelfallbasis oder auf Portfolio-für-Portfolio-Basis angewendet werden sollte („case-by-case basis or on a portfolio by portfolio basis“).

UPDATE: Staff paper des IASB sieht Klarstellung des Zeitfensters vor

Der IASB hat am 12.52020 seine Staff Papers  zu ED/2020/2 in Vorbereitung für das Meeting am 15.5.2020  veröffentlicht. Relevante Updates sind:

  • Das bisher vorgesehene Zeitfenster “any reduction in lease payments affects only payments originally due in 2020” soll angepasst werden auf “to capture covid-19-related rent concessions for which any reduction in lease payments affects only payments originally due on or before 30 June 2021”.
  • Weiterhin gelten keine Ausnahmen für Leasinggeber (durch ED/2020/2).
  • Eine Veröffentlichung der finalen Änderung plant der IASB um den 28.5.2020 herum („amendment planned for issuance on or around 28 May 2020.“).

Praxishinweis: IASB-Änderungsvorschläge führen zu deutlichen Erleichterungen für Leasingnehmer

Durch die Änderungsvorschläge werden betroffenen Unternehmen Erleichterungen gewährt. Für den Leasingnehmer entfällt die Notwendigkeit zur Durchsicht aller IFRS 16-relevanten Mietverträge bzgl. der Beurteilung einer entsprechenden Mietkonzession. Ebenso entfällt die Notwendigkeit zur Bestimmung ggf. neuer Diskontierungssätze bei einer Modifikation.

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