Rz. 134

Wertpapierleihgeschäfte (auch Wertpapierdarlehen oder Wertpapierleihe genannt) sind nicht gesetzlich geregelt. Ihre bilanzielle Behandlung richtet sich daher nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung.

 

Rz. 135

Bei dem Wertpapierdarlehen werden Wertpapiere vom Darlehensgeber dem Darlehensnehmer übereignet mit der Verpflichtung, nach Ablauf der vereinbarten Zeit Papiere gleicher Art, Güte und Menge zurück zu übereignen und für die Dauer des Darlehens ein Entgelt zu entrichten. Der Darlehensnehmer wird bürgerlich-rechtlich und wirtschaftlich Eigentümer der Wertpapiere.

 

Rz. 136

Die Wertpapiere verlassen mit dem Buchwert das Betriebsvermögen des Darlehensgebers. In gleicher Höhe erwirbt der Darlehensgeber als Surrogat einen Anspruch gegen den Darlehensnehmer auf Rückübertragung von Wertpapieren gleicher Art, Güte und Menge. Eine Gewinnrealisierung, z. B. durch Kurssteigerungen, tritt daher hierdurch nicht ein. Wertpapierleihgeschäfte sind daher von den echten Wertpapierpensionsgeschäften[1] zu unterscheiden.

 
Praxis-Beispiel

Im Betriebsvermögen des A befinden sich 200 Inhaberaktien der X-AG mit dem Buchwert in Höhe von 70.000 EUR. Er überträgt sie seiner Hausbank B mit der Abrede, dass B ihm nach einer Laufzeit von einem Jahr Aktien gleicher Art, Güte und Menge zurücküberträgt.

A bucht:

Darlehensforderung

70.000 EUR

an Wertpapiere

70.000 EUR

B bucht:

Wertpapiere

70.000 EUR

an Darlehensverbindlichkeit

70.000 EUR

Die entliehenen Wertpapiere werden in der Bilanz des Entleihers, im Beispiel der B, mit den Anschaffungskosten ausgewiesen. Die Anschaffungskosten der B entsprechen dem Kurswert bei A zum Zeitpunkt des Darlehens. Sie betragen also im Beispiel 70.000 EUR. Kursänderungen wirken sich während der Laufzeit des Darlehens bei der Entleiherin B aus. Minderungen zum Bilanzstichtag führen zur Abschreibung. Kursgewinne wirken sich nach dem Realisationsprinzip nur bei Verkäufen aus. Nach Ablauf der Leihe überträgt B dem A Aktien gleicher Art, Güte und Menge. Diese gehen daher mit dem dann bestehenden Wert, aber wieder zum Buchwert bei der Darlehenshingabe, in das Betriebsvermögen des A.

A bucht daher:

Wertpapiere

70.000 EUR

an Darlehensforderung

70.000 EUR

Entsprechend bucht B:

Darlehensverbindlichkeit

70.000 EUR

an Wertpapiere

70.000 EUR

[1] S. Rz. 124ff.

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