2.1 Zeiten der Erwerbslosigkeit

Bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit werden nur in seltenen Fällen negative Einkünfte erzielt, weil im Normalfall die Werbungskosten nicht höher sind als der steuerpflichtige Arbeitslohn. Denkbar sind Werbungskostenüberschüsse z. B. bei arbeitslosen ­Arbeitnehmern, wenn ihnen für Bewerbungen Aufwendungen entstehen, ohne dass diesen Kosten entsprechende Einnahmen gegenüberstehen. Die Annahme von Werbungskosten setzt nicht voraus, dass im selben Kalenderjahr, in dem die Aufwendungen geleistet werden, Arbeitslohn zufließt.[1] Unerheblich ist, ob der Arbeitnehmer Arbeitslosengeld oder sonstige für seinen Unterhalt bestimmte steuerfreie Leistungen erhält.[2] Nutzt ein Steuerpflichtiger ein häusliches Arbeitszimmer während einer Phase der Erwerbslosigkeit zur Vorbereitung auf eine künftige Erwerbstätigkeit, kann er die Aufwendungen für das Arbeitszimmer regelmäßig nur geltend machen, wenn und soweit ihm der Werbungskostenabzug auch unter den zu erwartenden Umständen der späteren beruflichen Tätigkeit zustehen würde.[3]

2.2 Vorab entstandene Werbungskosten

Negative Einkünfte können einem Arbeitnehmer auch durch Aufwendungen vor dem Beginn seiner eigentlichen Tätigkeit entstehen. Diese "vorab entstandenen oder vorweggenommenen Werbungskosten"[1] sind steuerlich anzuerkennen, wenn zwischen ihnen und einer in Aussicht genommenen Tätigkeit zur Erzielung von Arbeitseinkünften ein hinreichend konkreter Zusammenhang besteht.[2] Das kann auch eine Umschulungs- oder Qualifizierungsmaßnahme sein.[3][4] Ob und in welchem Umfang die Aufwendungen für das Herrichten eines häuslichen Arbeitszimmers für eine nachfolgende berufliche Tätigkeit als Werbungskosten abziehbar sind, bestimmt sich nach den zu erwartenden Umständen der späteren beruflichen Tätigkeit.[5] Nicht entscheidend ist, ob die beabsichtigte berufliche Nutzung im Jahr des Aufwands bereits begonnen hat.[6]

Dieser Grundsatz gilt für alle Überschusseinkunftsarten sowie entsprechend bei Gewinneinkünften, bei denen es sich dann um vorweggenommene Betriebsausgaben handelt.[7]

 
Hinweis

Erwerb einer Beteiligung

Die Frage, ob vergebliche Aufwendungen für den Erwerb einer Kapitalbeteiligung vorweggenommene Werbungskosten aus nichtselbstständiger Arbeit darstellen, wenn ein enger Zusammenhang mit einer angestrebten Anstellung als Vorstand in der – noch zu gründenden – Kapitalgesellschaft bestand und die geplante Beteiligung lediglich 10 % betragen sollte, hat der BFH verneint.[8]

[1] H 9.1 LStH "Vorweggenommene Werbungskosten".
[4] Zu den Kosten für berufliche Erstausbildung und Erststudium ­unmittelbar nach Schulabschluss s. Aus- und Fortbildungskosten als Werbungskosten sowie (Erst-)Ausbildungskosten als Sonderausgaben.
[5] BMF, Schreiben v. 6.10.2017, IV C 6 – S 2145/07/10002 :19, BStBl 2017 I S. 1320, Rz. 24a; dieses Schreiben ist weiterhin anzuwenden, BMF, Schreiben v. 18.3.2021, IV A 2 – O 2000/20/10001 :001, BStBl 2021 I S. 390, Anlage 1 Nr. 623,

BFH, Urteil v. 19.8.2004, VI R 103/01, BFH/NV 2005 S. 48; BFH, Urteil v. 2.12.2005, VI R 63/03, BStBl 2006 II S. 329.

[7] BMF, Schreiben v. 6.10.2017, IV C 6 – S 2145/07/10002 :19, BStBl 2017 I S. 1320, Rz. 24a; dieses Schreiben ist weiterhin anzuwenden, BMF, Schreiben v. 18.3.2021, IV A 2 – O 2000/20/10001 :001, BStBl 2021 I S. 390, Anlage 1 Nr. 623,

BFH, Urteil v. 15.11.2005, IX R 3/04, BStBl 2006 II S. 258; BFH, Urteil v. 28.3.2007, IX R 46/05, BFH/NV 2007 S. 1490; BFH, Urteil v. 19.2.2009, IV R 18/06, BStBl 2009 II S. 654; BFH, Urteil v. 18.8.2010, X R 30/07, BFH/NV 2011 S. 215; BFH, Urteil v. 24.5.2011, VIII R 3/09, BStBl 2012 II S. 254.

[8] H 9.1 EStH "Beteiligung am Arbeitgeberunternehmen",

BFH, Urteil v. 17.5.2017, VI R 1/16, BStBl 2017 II S. 1073.

2.3 Erziehungsurlaub/Elternzeit

Auch Aufwendungen während eines Erziehungsurlaubs oder einer Elternzeit können vorab entstandene Werbungskosten sein.[1]

2.4 Nachträgliche Werbungskosten

Im Hinblick auf ein früheres Dienstverhältnis können "nachträgliche" Werbungskosten entstehen.[1] Voraussetzung ist, dass die Aufwendungen in einem einkommensteuerrechtlich erheblichen Veranlassungszusammenhang zum Arbeitsverhältnis stehen. Dieser berufliche Zusammenhang muss daher schon in dem Zeitpunkt, in ...

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