Verluste bei der Einkommens... / 4 Verlustrücktrag

Verluste, die bei der Ermittlung des GdE nicht ausgeglichen worden sind, werden bis zu einem Betrag von 1 Mio. EUR, bei zusammenveranlagten Ehegatten 2 Mio. EUR (in den VZ 2020 und 2021 bis zu 5 Mio. EUR, bei zusammenveranlagten Ehegatten 10 Mio. EUR) vom GdE des unmittelbar vorangegangenen VZ vorrangig vor Sonderausgaben, außergewöhnlichen Belastungen und sonstigen Abzugsbeträgen abgezogen.[1]

Auf die Durchführung des Verlustrücktrags kann ganz oder teilweise verzichtet werden.[2]

Ein im Zusammenhang mit der Berechnung der Höhe des Sanierungsertrags bei unternehmensbezogener Sanierung nach § 3a Abs. 3 Satz 2 EStG verrechneter Verlustrücktrag ist verbraucht.[3]

4.1 Höchstbetrag

4.1.1 Grundsatz

Die Begrenzung auf den Höchstbetrag erfolgt nicht pro Einkunftsart, sondern personenbezogen auf den einzelnen Steuerpflichtigen, der den Verlust erzielt hat.

Das gilt auch bei Personengesellschaften und -gemeinschaften; der Höchstbetrag gilt für jeden Beteiligten. Der Anteil des einzelnen Beteiligten an dem Verlust ergibt sich aus der einheitlichen und gesonderten Feststellung; die Entscheidung über die Gewährung des Höchstbetrags erfolgt bei der Einkommensteuerveranlagung des Beteiligten.

Die Höchstbetragsbegrenzung gilt zusammengefasst für alle Verluste, auch für diejenigen aus Einkunftsarten, die besonderen Verlustverrechnungsbeschränkungen unterliegen, soweit für diese die Regelungen des § 10d Abs. 1 EStG ausweislich der jeweiligen gesetzlichen Spezialregelung[1] anzuwenden sind.[2]

 
Hinweis

Vorrangiger Abzug des Verlustrücktrags

Wegen des vorrangigen Abzugs des Verlustrücktrags vor Sonderausgaben, außergewöhnlichen Belastungen usw.[3] sollte der Steuerpflichtige prüfen, ob eine Begrenzung des Verlustrücktrags oder ein Verzicht darauf[4] nicht günstiger ist, weil sich sonst der Grundfreibetrag, die Sonderausgaben usw. möglicherweise nicht steuermindernd auswirken und Abzugsbeträge verloren gehen können.

 
Praxis-Beispiel

Begrenzung des Verlustrücktrags

S hat im VZ 2019 Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit i. H. v. 100.000 EUR und einen Verlust aus Vermietung und Verpachtung i. H. v. 130.000 EUR erzielt. Sein GdE beträgt (100.000 EUR ./. 130.000 EUR =) ./. 30.000 EUR. Im Vorjahr 2018 betrug sein GdE 32.000 EUR. Das Finanzamt führt den Verlustrücktrag i. H. v. 30.000 EUR durch. S kann den Verlustrücktrag durch Stellen eines entsprechenden Antrags begrenzen, z. B. um sich den Sonderausgabenabzug für 2018 zu erhalten. Verlustbeträge, die nicht im Wege des Verlustrücktrags verrechnet werden, gehen in den festzustellenden Verlustvortrag ein. So bleibt ihm ein höherer Verlustabzug für die kommenden VZ erhalten.

[2] BMF, Schreiben v. 29.11.2004, IV C 8 – S 2225 – 5/04, BStBl 2004 I S. 1097; dieses Schreiben ist weiterhin anzuwenden, BMF, Schreiben v. 11.3.2020, IV A 2 – O 2000719/10008 :001, BStBl 2020 I S. 298, Anlage 1 Nr. 734.

4.1.2 Vorrübergehende Erhöhung des Höchstbetrags für die Jahre 2020 und 2021

Um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu mildern, hat der Gesetzgeber die Möglichkeiten der Verlustverrechnung verbessert. So wurde der Höchstbetrag, bis zu dem Verluste oder negative Einkünfte in den vorangegangenen VZ rückgetragen werden können, für die Jahre 2020 und 2021 als Corona-Steuerhilfsmaßnahme auf bis zu 5 Mio. EUR bzw. bei Zusammenveranlagung bis zu 10 Mio. EUR erhöht.[1]  Außerdem kann zur Förderung der Liquidität des Steuerpflichtigen bereits für den VZ 2019 ein vorläufiger Verlustrücktrag für 2020 geltend gemacht werden.

Mit der Maßnahme berücksichtigt der Gesetzgeber die Tatsache, dass sich die Einkünfte vieler Steuerpflichtiger aufgrund der Corona-Krise und der damit verbundenen Einschränkungen des öffentlichen Lebens im Vergleich zu den Vorjahren erheblich verringern werden und für den VZ 2020 ein hoher – rücktragsfähiger – Verlust zu erwarten sein dürfte.

Im VZ 2019 ist bereits vor Durchführung der Einkommensteuerveranlagung für das Jahr 2020 eine Berücksichtigung möglich. So können die zu erwartenden rücktragsfähigen Verlustbeträge bereits im Vorauszahlungsverfahren für den VZ 2019 pauschal mit 30 % des GdE berücksichtigt werden. Voraussetzung ist, dass zuvor die Vorauszahlungen für den VZ 2020 auf 0 EUR herabgesetzt worden sind. In gleicher Höhe können sie auch als vorläufiger Verlustrücktrag aus 2020 bei der Veranlagung für den VZ 2019 berücksichtigt werden. Im GdE ggf. enthaltene Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit sind bei der Berechnung der 30 % nicht mit zu berücksichtigen. Auch ein höherer vorläufiger Verlustrücktrag nach 2019 ist möglich, wenn der Steuerpflichtige diesen anhand von detaillierten Unterlagen nachweisen kann. Das kann z. B. anhand von betriebswirtschaftlichen Auswertungen geschehen.

Nach Durchführung der Veranlagung für den VZ 2020 ist der Verlustrücktrag in den VZ 2019 – bei Abweichungen von dem vorläufig berücksichtigten Betrag – entsprechend zu ändern.[2]

Die Erhöhung g...

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