Reverse-Charge-Verfahren: Buchungsbeispiele

Zusammenfassung

 
Überblick

Das Reverse-Charge-Verfahren stellt eine Abkehr von der üblichen Art der Umsatzsteuerbuchung und -abführung durch den leistenden Unternehmer dar. In den abschließend gesetzlich festgelegten Fällen des Reverse-Charge-Verfahrens schuldet der Empfänger der Leistung die Umsatzsteuer. Ähnlich wie bei innergemeinschaftlichen Erwerben wird die Umsatzsteuer beim Leistungsempfänger gebucht und bei voller Berechtigung zum Vorsteuerabzug gleichzeitig wieder als Vorsteuer abgezogen. Wie Geschäftsvorfälle richtig eingeschätzt und gebucht werden, zeigt der Beitrag.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Für das Reverse-Charge-Verfahren ist im Inland vor allem § 13b UStG maßgeblich. Die Finanzverwaltung nimmt u. a. Stellung in BMF, Schreiben vom 4.2.2011, IV D 3 – S 7279/10/10006; BMF, Schreiben v. 26.9.2014, IV D 3 – S7279/14/10002; BMF, Schreiben v. 26.7.2017, III C3 – S7279/11/10002-09.

1 Französischer Unternehmer erbringt Leistungen an deutschen Unternehmer

 
So buchen Sie richtig

Französischer Unternehmer erbringt Leistungen an deutschen Unternehmer

Bauunternehmer B aus Breisach/Rhein wird von seinem französischen Freund und Unternehmer F im Januar besucht. F baut dabei gleichzeitig im Büro von B eine Holzdecke ein. Das Holz hat er aus Frankreich mitgebracht.

Zeitgleich mit der Werklieferung erhält B die Rechnung über 1.000 EUR, die er umgehend bar bezahlt.

F weist in seiner Rechnung korrekt keine Umsatzsteuer aus. Da er ausländischer Unternehmer ist und eine Werklieferung im deutschen Inland erbringt, schuldet nicht er, sondern der deutsche Unternehmer B die Umsatzsteuer im Reverse-Charge-Verfahren.[1]

B kann jedoch die geschuldete Umsatzsteuer i. H. v. 19 % (in der Zeit vom 1.7.2020-31.12.2020 beträgt der allgemeine Steuersatz in Deutschland temporär 16 %) auf den Nettobetrag zugleich als Vorsteuer abziehen.

Die Werklieferung wurde für das Unternehmen von B ausgeführt. Daneben hat er noch weitere regelbesteuerte Inlandsumsätze (20.000 EUR netto). B führt nur steuerbare und steuerpflichtige Umsätze aus.

Buchungsvorschlag SKR 03: Einbau einer Holzdecke in Geschäftsräumen

 

Konto

SKR 03 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 03 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
3120 Bauleistungen eines im Ausland ansässigen Unternehmers 1.000 70000 Kreditorenkonto 1.000
1577 Vorsteuer nach § 13b UStG 19 % 190 1787 Umsatzsteuer nach § 13b UStG 19 % 190

Buchungsvorschlag SKR 04: Einbau einer Holzdecke in Geschäftsräumen

 

Konto

SKR 04 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 04 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
5920 Bauleistungen eines im Ausland ansässigen Unternehmers 1.000 70000 Kreditorenkonto 1.000
1407 Vorsteuer nach § 13b UStG 19 % 190 3837 Umsatzsteuer nach § 13b UStG 19 % 190

Buchungshinweise:

  • Im DATEV-Kontenrahmen gibt es einen extra Kontenbereich zur Buchung von bezogenen §13b-Leistungen mit hinterlegten Umsatzsteuerschlüsseln für eine zutreffende Erfassung in der jeweiligen Zeile der Umsatzsteuer-Voranmeldung.
  • Über die Kontensteuerung wird die Vorsteuer in der Umsatzsteuer-Voranmeldung für den zutreffenden Monat in der Zeile 59 des Formulars eingesetzt. Die abzuführende Umsatzsteuer nach § 13b UStG und die Bemessungsgrundlage werden je nach Sachverhalt in Zeile 48, 49, oder 50 des Formulars eingetragen. Bei diesem Beispiel ist Zeile 50 des Formulars und dort die Kennziffern 84 und 85 maßgebend. Es ist die Bemessungsgrundlage von 1.000 EUR und die Steuer in Höhe von 190 EUR einzutragen und in Zeile 56, Kz. 67 der Voranmeldung ist die Vorsteuer in Höhe von 190 EUR einzutragen. Im Ergebnis ergibt sich für B aus diesem Vorgang keine Umsatzsteuerzahllast, weil er für die für sein Unternehmen bezogene Werklieferung zum vollen Vorsteuerabzug berechtigt ist.
  • In der Zeit vom 1.7.2020-31.12.2020 wird der ermäßigte Steuersatz befristet von 7 % auf 5 % abgesenkt und der allgemeine Steuersatz befristet von 19 % auf 16 % gesenkt.

    Für den Monat Juli 2020 hat die Finanzverwaltung eine Vereinfachungsregelung erlassen, wonach bei Leistungserbringung im Juli 2020 zwischen zum Vorsteuerabzug berechtigten Unternehmern noch der bisherige Steuersatz von 19 %/7 % angesetzt werden kann, wenn der leistende Unternehmer diese höhere Steuer auch abführt. Für Umsätze, für die der Leistungsempfänger die Steuer nach § 13b UStG schuldet, gilt dies entsprechend für die vom Leistungsempfänger berechnete Steuer. Das bedeutet, für den Juli 2020 kann für das Reverse-Charge-Verfahren noch der bisherige Steuersatz von 19 % bzw. 7 % angesetzt und ein entsprechender Vorsteuerabzug geltend gemacht werden.[2]

 
Achtung

Reverse Charge gilt auch in vielen Inlandsfällen unabhängig vom Unternehmenssitz des leistenden Unternehmers

Die regelmäßige Erweiterung des Reverse-Charge-Verfahrens durch den Gesetzgeber in den letzten Jahren dient in erster Linie der Betrugsbekämpfung und führt dazu, dass auch immer mehr Lieferungen und sonstige Leistungen zwischen inländischen Unternehmern von der Steuerschuldübernahme nach §13b UStG erfasst werden. Die unter das Gesetz fallenden Sachverhalte sind in § 13b Abs. 2 UStG grundsätzlich abschließend aufgezählt. Das Bundes...

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