Bilanzberichtigung/Bilanzän... / 2.3 Offene Veranlagungen

Vor Einreichen der Steuererklärung einschließlich Bilanz beim Finanzamt kann ein falscher Bilanzansatz uneingeschränkt berichtigt werden. Erkennt der Steuerpflichtige einen Bilanzierungsfehler nach Einreichen der Steuererklärung einschließlich Bilanz beim Finanzamt, ist er nach § 153 AO verpflichtet, dies unverzüglich dem Finanzamt anzuzeigen und die erforderliche Richtigstellung vorzunehmen. Erkennt das Finanzamt den falschen Bilanzansatz, muss es – unabhängig von einem Recht oder einer Pflicht des Steuerpflichtigen zur Berichtigung der Bilanz nach § 4 Abs. 2 Satz 1 EStG – den Gewinn eigenständig ermitteln und weicht damit von der eingereichten (Steuer)Bilanz ab, wenn und soweit diese den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung oder den zwingenden bilanzrechtlichen Vorgaben des EStG nicht entspricht.[1]

 
Praxis-Beispiel

Erfolgswirksame Bilanzberichtigung

Das Finanzamt stellt bei Überprüfung der Steuererklärung fest, dass ein aktivierungspflichtiger Gebäudeaufwand von 15.000 EUR als Betriebsausgabe behandelt wurde. Es rechnet die 15.000 EUR dem Gebäudewert hinzu und erhöht die AfA um 3 % = 450 EUR. Gewinnerhöhung somit 14.550 EUR.

 
Praxis-Beispiel

Erfolgsneutrale Bilanzberichtigung

Das Finanzamt stellt weiterhin fest, dass der Steuerpflichtige ein Einfamilienhaus erworben und bezogen hat. Er hat die Anschaffungskosten aktiviert und hierauf Gebäude-AfA angesetzt.

Das Finanzamt nimmt die Anschaffungskosten für das Einfamilienhaus (notwendiges Privatvermögen) mit dem Einbuchungswert aus der Bilanz heraus (erfolgsneutral). Der Gewinn erhöht sich um die zu Unrecht in Anspruch genommene AfA.

Eine vergleichbare Situation ergibt sich, wenn Veranlagungen zwar durchgeführt, aber offen sind, weil sie z. B. mit Rechtsbehelfen (Einspruch) angegriffen oder unter dem Vorbehalt der Nachprüfung durchgeführt wurden und danach in vollem Umfang nachgeprüft werden können.

 
Praxis-Beispiel

Vorbehalt der Nachprüfung

Die Veranlagungen der Jahre 2017 bis 2019 sind mit Blick auf eine Außenprüfung unter dem Vorbehalt der Nachprüfung durchgeführt worden. Der Betriebsprüfer stellt Anfang 2021 fest, dass ein früher für Arbeitnehmer genutztes Wohnhaus 2017 von dem Steuerpflichtigen selbst bezogen wurde. Der Buchwert wurde unter Inanspruchnahme von AfA fortgeführt. Das Gebäude und der dazugehörige Grund und Boden gelten seit 2017 als entnommen.

Die Buchwerte des Gebäudes einschließlich Grund und Boden werden in den Bilanzen zum 31.12. des Jahres 2017 und der folgenden Jahre erfolgsneutral storniert. Für 2017 ist auf den Zeitpunkt der Umwidmung ein Entnahmegewinn i. H. d. Unterschieds zwischen den Teilwerten des Gebäudes und des Grund und Bodens und den Buchwerten anzusetzen.[2] Für alle 3 Jahre entfällt die Abschreibung (für 2017 ab dem Zeitpunkt der Entnahme).

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