Rz. 259

Zum Begriff der Finanzanlagen vgl. § 266 Rz 50.

 

Rz. 260

Finanzanlagen unterliegen keiner planmäßigen Abschreibung. Eine außerplanmäßige Abschreibung ist bei voraussichtlich dauernder Wertminderung geboten. Bei einer voraussichtlich nicht dauernden Wertminderung eröffnet § 253 Abs. 3 Satz 6 HGB ein Abschreibungswahlrecht. Seine Ausübung unterliegt dem Stetigkeitsgebot gem. § 252 Abs. 1 Nr. 6 HGB. Sowohl die Inanspruchnahme des Abwertungswahlrechts als auch der Verzicht auf eine Abschreibung begründen eine Bewertungsmethode. An die jeweilige Entscheidung ist der Bilanzierende gebunden, soweit er keinen begründeten Ausnahmefall geltend machen kann (§ 252 Rz 146). Mit der erstmaligen Ausübung bzw. Nichtausübung des Wahlrechts ist zugleich die Verfahrensweise in vergleichbaren Fällen bei anderen Finanzanlagen vorbestimmt (Grundsatz der Einheitlichkeit der Bewertung; § 252 Rz 137).

 

Rz. 261

Der beizulegende Wert von Finanzanlagen ist vorrangig aus einem Börsen- oder Marktpreis abzuleiten. Scheidet diese Möglichkeit aus, ist auf ein Ertragswert- oder ein DCF-Verfahren zurückzugreifen (zu diesen Wertermittlungsmethoden vgl. Rz 223 f.).

 

Rz. 262

Der beizulegende Wert von börslich gehandelten Unternehmensanteilen ist im Regelfall aus dem Börsenkurs am Bewertungsstichtag abzuleiten.[1] Das gilt nicht, wenn die Anteile dem Investor z. B. aufgrund der Höhe der Beteiligungsquote eine besondere Machtposition im Verhältnis zur Beteiligungsgesellschaft verschaffen. Diesem Umstand ist durch Paket- oder Kontrollzuschläge Rechnung zu tragen.[2] Unabhängig davon sind beobachtete Börsenkurse daraufhin zu untersuchen, ob sie verzerrenden Einflüssen unterliegen (z. B. geringer Anteil börsengehandelter Anteile, besondere Marktsituationen[3]). Auch das kann Anlass geben, die Wertermittlung auf Basis des Börsenkurses durch geeignete Zu- und Abschläge zur Bestimmung des beizulegenden Werts zu modifizieren oder den beizulegenden Wert der Anteile mittels einer Bewertungsmethode zu ermitteln.

 

Rz. 263

Der für die Niederstbewertung nicht börslich gehandelter Beteiligungen (z. B. GmbH-Anteile, Anteile an PersG) heranzuziehende Vergleichswert zum Buchwert ist als Ertragswert oder DCF-Wert zu bestimmen.[4] Ausgangspunkt einer Ertragswertberechnung stellt die Unternehmensplanung der zu bewertenden Beteiligung dar. Diese ist jährlich neu durchzuführen. Früher vertretbare Ergebnisprognosen für Beteiligungen können im Zuge der Auswirkungen der Corona-Pandemie und ggf. gesunkener Ertragsaussichten heute nicht mehr realistisch sein. Bei der Berechnung der dem bilanzierenden Unt aus der Beteiligung voraussichtlich zuzurechnenden Erträge sind auch die vom Inhaber der Beteiligung realisierbaren Synergieeffekte zu berücksichtigen.[5] Welche Synergieeffekte in einem Konzernverbund aus Sicht der einzelnen Unt realisiert werden können und damit bei der Ermittlung des beizulegenden Werts von Beteiligungen zu berücksichtigen sind, hängt von den gesellschaftsrechtlichen Verhältnissen ab.

 
Praxis-Beispiel

Der A-Konzern wird von der A-AG geführt. Zum Abschlussstichtag hält die A-AG jeweils 100 % der Anteile an den im nachstehenden Organigramm aufgeführten Unt.

 

Die T 2 GmbH hat den beizulegenden Wert der von ihr gehaltenen Beteiligungen an E 2 und E 3 zu bestimmen. Während sich für E 2 ein über dem Beteiligungsbuchwert liegender Ertragswert ermittelt, unterschreitet der Ertragswert von E 3 den Beteiligungsbuchwert deutlich. Aus Sicht des A-Konzerns mag die Beteiligung an E 3 dennoch werthaltig sein, z. B. wenn E 4 erhebliche Vorteile aus der Geschäftsbeziehung mit E 3 zieht.

Bei der Bewertung der Beteiligungen auf Ebene der T 2 GmbH dürfen dagegen nur Synergieeffekte berücksichtigt werden, die von T 2, E 2 oder E 3 erzielbar sind. Synergieeffekte, die sich bei anderen Unt des Konzerns realisieren (hier bei SchwesterUnt E 4), dürfen keine Beachtung finden.

Würde demgegenüber die Beteiligung an E 4 ebenfalls von T 2 gehalten, wären die Synergieeffekte aus der Kooperation von E 3 und E 4 bei der Bewertung der von T 2 an E 3 gehaltenen Beteiligung zu berücksichtigen, da sie dem Inhaber der Anteile zugutekommen.

 

Rz. 264

Die Beteiligungsbewertung erfolgt aus der subjektiven Perspektive des beteiligten Unt und berücksichtigt z. B. künftige Investitionsmöglichkeiten, Synergieeffekte sowie steuerliche Vor- und Nachteile. Die Ertragsteuerbelastung des bilanzierenden Unt ist bei der Ermittlung des Ertragswerts zu berücksichtigen.[6]

 

Rz. 265

Zeichnet sich eine Veräußerung der Anteile ab (z. B. aufgrund eines Beschlusses des Managements oder aufgrund einer kartellrechtlichen Auflage), entspricht der beizulegende Wert der Anteile dem verbindlichen Angebotspreis eines potenziellen Erwerbers (soweit ein solcher vorliegt). Ansonsten ist mittels eines kapitalwertorientierten Verfahrens ein objektivierter Unternehmenswert als Ausdruck für jenen Preis zu bestimmen, der aufgrund der Eigenschaften des Bewertungsobjekts am Markt voraussichtlich erzielbar wäre. Bei seiner Ermittlung sind ...

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