Bertram/Kessler/Müller, Hau... / 2.6 Segmentberichterstattung
 

Rz. 65

Gem. § 297 Abs. 1 Satz 2 HGB kann der Konzernabschluss um eine Segmentberichterstattung erweitert werden. Die freiwillige Erstellung einer Segmentberichterstattung als zusätzlicher Teil des Konzernabschlusses dient einer zusätzlichen und besseren Informationsgewinnung.[1]

Gesetzliche Regelungslücken zum Inhalt und zur Ausgestaltung der Segmentberichterstattung werden durch DRS 3 (Segmentberichterstattung) ausgefüllt. Der Rechnungslegungsstandard i. d. F. vom 22.9.2017 enthält auch branchenspezifische Regelungen für die Segmentberichterstattung von Kredit- und Finanzdienstleistungsunternehmen (Anlage 2) sowie von Versicherungsunternehmen (Anlage 3).

Das DRSC hat am 12.5.2020 einen neuen DRS 28 (Segmentberichterstattung) verabschiedet. Die Bekanntmachung durch das BMJV erfolgte am 5.8.2020. Der neue DRS 28 ist spätestens für Geschäftsjahre anzuwenden, die nach dem 31.12.2020 beginnen. Der verabschiedete DRS 28 basiert auf dem Entwurf E-DRS 36.

Der DRS 28 gilt für sämtliche Unternehmen, ungeachtet ihrer Branchenzugehörigkeit. Die Segmentierung ergibt sich aus der internen Entscheidungs- und Berichtsstruktur des Konzerns. Ein wesentliches Ziel der Überarbeitung war die stringente Implementierung des Management Approachs.[2]

 

Rz. 66

DRS 3/DRS 28 ist von allen MU zu beachten, die ihren Konzernabschluss nach §§ 290 ff. HGB oder nach § 11 PublG freiwillig um eine Segmentberichterstattung erweitern. Für Unt, die ihren Konzernabschluss aufgrund gesetzlicher Verpflichtung oder freiwillig nach den IFRS erstellen, gelten die Vorschriften des IFRS 8; DRS 3/DRS 28 ist für diese MU nicht zu beachten.

 

Rz. 67

Die Segmentberichterstattung soll Informationen über die wesentlichen Geschäftsfelder eines Unt geben und die Einschätzung von Chancen und Risiken einzelner Geschäftsfelder verbessern. Durch die Segmentierung in einzelne Unternehmensbereiche wird der Einblick in die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns für die Adressaten des Konzernabschlusses gerade in den Fällen verbessert, in denen sich die Gewinnspannen, Risiken und Wachstumsaussichten einzelner Unternehmensbereiche stark voneinander unterscheiden. Die Konzernbilanz und Konzern-GuV allein geben keine Aussage über Erfolgs- und Risikopotenziale einzelner Bereiche wider.[3]

[1] DRS 3.1 f., DRS 28.1f.
[2] Zu dem Umfang und den Auswirkungen bei Abweichungen von einem durch das BMJ bzw. BMJV im Bundesanzeiger veröffentlichten und nicht außer Kraft gesetzten DRS vgl. Rz 13 und Rz 64.
[3] Vgl. IDW, WPH Edition, Wirtschaftsprüfung & Rechnungslegung, 16. Aufl. 2019, Kap. G Tz 800.

2.6.1 Bestimmung der anzugebenden Segmente

 

Rz. 68

Ein operatives Segment ist ein Teil eines Unt, das Geschäftsaktivitäten entfaltet, die zu externen Umsatzerlösen oder intersegmentären Umsatzerlösen (Leistung wird an andere Segmente abgegeben. Aufgrund der Aufwands- und ErtragsKons resultieren aus diesen Leistungen nicht unmittelbar Umsatzerlöse in der Konzern-GuV) führen. Zusätzlich muss dieser Teil des Unt regelmäßig von der Unternehmensleitung überwacht werden, um seine wirtschaftliche Lage zu beurteilen. Im DRS 28.8 wird einschränkend definiert, dass für das Segment eigenständige Finanzinformationen vorliegen müssen und ergänzend hinzugefügt, dass auch Umsatzerlösen vergleichbare Erträge einzubeziehen sind. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass der neue Standard für sämtliche Unternehmen, ungeachtet ihrer Branchenzugehörigkeit, gilt und die zu DRS 3 gehörende Anlage 2 für Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute sowie Anlage 3 für Versicherungsunternehmen nicht fortgeführt wird.[1]

Operative Segmente mit homogenen Chancen- und Risikostrukturen können nach DRS 3.13 zu einem operativen Segment zusammengefasst werden, wenn dadurch die Klarheit und Übersichtlichkeit verbessert wird. DRS 28.14 verlangt für eine Zusammenfassung nur noch, dass die wirtschaftlichen Charakteristika der operativen Segmente homogen sind. Die beispielhaft dargestellten Abgrenzungsmerkmale sind in DRS 3 und DRS 28 identisch, DRS 3.8 und DRS 28.16f. 

 

Rz. 69

Der Segmentierung sind grds. die Kriterien zugrunde zu legen, nach denen die Unternehmensleitung Teileinheiten des Unt bestimmt (DRS 3.9). Sie ergibt sich somit aus der internen Organisations- und Berichtsstruktur des Unt (Management Approach). Die Übernahme der Struktur der internen Berichterstattung für die externe Berichterstattung unterstellt, dass die Berichtssysteme in den Unt und die dort vorgenommenen Segmentabgrenzungen eine geeignete Grundlage für die Unternehmenssteuerung darstellen und dass diese Informationen gleichfalls geeignet sind, um externe Adressaten bei Entscheidungen zu unterstützen. I. d. R. wird sich bei der Segmentierung eine produktorientierte oder geografische Aufteilung ergeben.[2] Beide können aber auch nebeneinander bestehen. Gibt es verschiedene interne Organisations- und Berichtsstrukturen, ist für die Segmentberichterstattung diejenige auszuwählen, die die Chancen- und Risikostruktur des Unt am besten widerspiegelt (DRS 3.11). Vorteil des Ansatzes des Manag...

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