Bertram/Brinkmann/Kessler/M... / 2.33 Latente Steuern (Nr. 29)
 

Rz. 176

Nach Nr. 29 sind die Gründe anzugeben, auf welchen Differenzen oder steuerlichen Verlustvorträgen die latenten Steuern beruhen und mit welchen Steuersätzen die Bewertung erfolgte.[1] Soweit Steuergutschriften und Zinsvorträge bei der Berechnung der latenten Steuern berücksichtigt worden sind, ist hierüber eine Angabe vorzunehmen. Um Verständnis für die ausgewiesenen Posten zu schaffen, soll zur Information der Abschlussadressaten der ausgewiesene Steueraufwand/-ertrag in einer gesonderten Rechnung auf den erwarteten Steueraufwand/-ertrag übergeleitet werden.[2] Weil sich eine Verpflichtung zu einer solchen Überleitungsrechnung dem verabschiedeten Gesetzeswortlaut im Gegensatz zu den ersten Entwürfen nicht mehr entnehmen lässt, sieht es das IDW als regelmäßig ausreichend an, qualitative Angaben zur Art der bestehenden temporären Differenzen oder zu steuerlichen Verlustvorträgen zu geben, um die Erläuterungspflichten zu erfüllen und künftiges Nutzenpotenzial aufzuzeigen.[3] Somit ist es nicht notwendig, die aufgrund des Aktivierungswahlrechts des § 274 Abs. 1 HGB nicht angesetzten aktiven latenten Steuern im Anhang zu quantifizieren (§ 274 Rz 121). Es ist generell die Art des Bilanzpostens, die Art der Differenz sowie ob es sich um eine aktive oder passive Latenz handelt, anzugeben. Hinsichtlich der Angaben zu den aktiven latenten Steuern unterteilt das WP-Handbuch; werden diese im Rahmen der Gesamtdifferenzbehandlung mit den passiven latenten Steuern verrechnet und es entsteht ein Passivüberhang – egal ob saldiert oder unsaldiert ausgewiesen – so haben Angaben hierzu zu erfolgen. Wurde hingegen das Aktivierungswahlrecht für einen Aktivüberhang genutzt, sollen nach dieser Meinung keine Erläuterungen der abziehbaren Differenzen oder Verlustvorträge nötig sein.[4] Somit werden den Unt Möglichkeiten zur Legung stiller Reserven eingeräumt, die auch durch Anhangangaben nicht einmal in der Tendenz zu erläutern sind.[5]

 

Rz. 177

Die Angabe der Steuersätze bezieht sich bei KapG auf die KSt und GewSt, bei PersG nach § 264a HGB sind dagegen nur sie Steuersätze aus der GewSt anzugeben. Bei unterschiedlichen Steuersätzen (insb. bei der GewSt) ist es möglich Durchschnittssätze anzugeben, solange dadurch keine Fehleinschätzungen der Adressaten resultieren können.

 

Rz. 178

Von der Angabepflicht nach § 285 Nr. 29 HGB sind kleine KapG gem. § 288 Abs. 1 HGB und mittelgroße KapG gem. § 288 Abs. 2 Satz 2 HGB befreit.

[1] Ausführlich zu den Angaben über die latenten Steuern Hoffmann/Lüdenbach, NWB Kommentar Bilanzierung, 11. Aufl. 2020, § 285 HGB Rz 184 ff.; Küting/Seel, DB 2009, S. 922; Loitz, DB 2009, S. 913; IDW, WPH Edition, Wirtschaftsprüfung & Rechnungslegung, 16. Aufl. 2019, Kap. F Tz 729 ff sowie 1227 ff.
[2] Vgl. Kirsch, DStZ 2009, S. 510, 517, unter Hinweis auf den RegE.
[3] Vgl. IDW, WPH Edition, Wirtschaftsprüfung & Rechnungslegung, 16. Aufl. 2019, Kap. F Tz 1230; ebenso Kirsch, DStZ 2009, S. 510, 517.
[4] Vgl. IDW, WPH Edition, Wirtschaftsprüfung & Rechnungslegung, 16. Aufl. 2019, Kap. F Tz 1227.
[5] Ausführlicher hierzu sowie mit Beispielen und ersten empirischen Erkenntnissen s. Kreipl/Lange/Müller in Bertram/Brinkmann/Kessler/Müller, Haufe HGB Bilanz Kommentar BilMoG Erfahrungsbericht, 2012, Rz 452 ff.

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