Veranlagung von Arbeitnehmern / 4 Andere Veranlagungsgründe

Ein Arbeitnehmer wird von Amts wegen veranlagt, wenn einer der folgenden Tatbestände erfüllt ist. Die Regelungen über den Härteausgleich bei Nebeneinkünften bis 410 EUR bzw. 820 EUR gelten auch in diesen Fällen.

  • Der Arbeitnehmer hat nebeneinander (gleichzeitig) von mehreren Arbeitgebern Arbeitslohn bezogen. Dabei ist auf den einzelnen Ehegatten abzustellen. Nach Verwaltungsauffassung soll eine Veranlagung auch dann durchgeführt werden, wenn der Arbeitnehmer zwar nur in einem Dienstverhältnis steht, seine Bezüge aber von verschiedenen öffentlichen Kassen gezahlt und dabei gesondert nach 2 unterschiedlichen Lohnsteuerabzugsmerkmalen dem Steuerabzug unterworfen werden. Bei mehreren gleichzeitigen Arbeitsverhältnissen ist eine Veranlagung nicht vorgeschrieben, wenn die Arbeitslöhne für den Lohnsteuerabzug zusammengerechnet werden, etwa innerhalb eines Konzerns.
  • Beim Lohnsteuerabzug sind höhere Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung als Vorsorgepauschale angesetzt worden, als bei der Veranlagung als Sonderausgabe anzuerkennen sind. Das gilt auch bei Ansatz der Mindestvorsorgepauschale. Erkennbar wird das für den Arbeitnehmer, weil die Lohnsteuer-Bescheinigung die Höhe der berücksichtigten Beiträge sowie der Vorsorgepauschale enthält. Das Gesetz verzichtet in Fällen niedrigen Arbeitslohns auf diese Pflichtveranlagung. Die Grenzen liegen für 2018 bei einem Jahresarbeitslohn von 11.400 EUR, bei Ehegatten, die die Voraussetzungen für eine Zusammenveranlagung erfüllen, bei 21.650 EUR. Im Einzelfall ist zu prüfen, ob eine Veranlagung aus anderen Gründen vorgeschrieben ist.
 

Praxis-Beispiel

Vorsorgepauschale und niedriger Arbeitslohn

Da der Steuerpflichtige nur für 3 Monate gearbeitet hat, lag sein Arbeitslohn 2018 unter 11.400 EUR. Auch wenn eine "überhöhte" Vorsorgepauschale berücksichtigt wurde, ist deshalb keine Veranlagung vorgeschrieben. Hat der Arbeitnehmer jedoch z. B. Elterngeld oder Arbeitslosengeld bezogen, ist aus diesem Grund eine Veranlagung durchzuführen. Dabei kann ggf. auch eine überhöhte Vorsorgepauschale zu einer Nachzahlung führen.

  • Ehegatten haben beide Arbeitslohn bezogen. Bei einem von ihnen ist die Lohnsteuer nach der Steuerklasse V oder VI einbehalten oder bei der Steuerklasse IV das Faktorverfahren angewendet worden. In diesen Fällen kann die einbehaltene Lohnsteuer niedriger sein als die geschuldete Jahreseinkommensteuer.
  • Das Finanzamt hat einen Freibetrag eingetragen, z. B. für erhöhte Werbungskosten oder Sonderausgaben oder wegen eines voraussichtlichen Vermietungsverlustes. Ausnahmen gelten für den Behinderten-Pauschbetrag und den Hinterbliebenen-Pauschbetrag. Die Berechtigung des Freibetrags soll im Rahmen der Veranlagung überprüft werden. In Fällen niedrigen Arbeitslohns wird hierauf verzichtet (Grenzen wie bei der Veranlagung wegen der Vorsorgepauschale: 11.400 bzw. 21.650 EUR).
  • Ledige, geschiedene oder dauernd getrennt lebende Eltern beantragen (anstelle der Halbteilung) eine abweichende Verteilung des Ausbildungsfreibetrags für ein gemeinsames Kind, insbesondere den vollen Abzug bei einem Elternteil.
  • Ledige, geschiedene oder dauernd getrennt lebende Eltern beantragen eine abweichende Verteilung (anstelle der Halbteilung) des Behinderten-Pauschbetrags, der von einem gemeinsamen Kind auf sie übertragen wird. Das Gleiche gilt bei einer abweichenden Verteilung des Hinterbliebenen-Pauschbetrags, der von einem Kind auf die Eltern übertragen wird. Die Veranlagung ist bei dieser und der vorhergehenden Fallgruppe nicht nur für den Ehegatten vorgeschrieben, der den Freibetrag zu mehr als der Hälfte abzieht, sondern für beide Partner.
  • Der Arbeitnehmer hat eine Entschädigung i. S. d. § 24 Nr. 1 EStG, insbesondere eine Entlassungsentschädigung oder eine Vergütung für eine mehrjährige Tätigkeit, erhalten, für die der Arbeitgeber beim Lohnsteuer-Abzug die Steuerermäßigung nach der sog. Fünftelregelung gewährt hat.
  • Der Arbeitgeber hat für einen sonstigen Bezug die Lohnsteuer entweder pauschal mit 20 % oder, bei Wechsel des Arbeitgebers im Laufe des Jahres, ohne Berücksichtigung des Arbeitslohns aus dem früheren Dienstverhältnis berechnet.
  • Die Ehe eines Arbeitnehmers ist im Laufe des Jahres durch Tod, Scheidung oder Aufhebung aufgelöst worden und er selbst oder der Ehegatte der aufgelösten Ehe haben in demselben Jahr erneut geheiratet.
  • Ein unbeschränkt steuerpflichtiger Arbeitnehmer ist von Amts wegen zu veranlagen, wenn er wegen des im Ausland lebenden Ehegatten die Steuerklasse III gewählt hat.
  • Beschränkt steuerpflichtige Arbeitnehmer sind von Amts wegen zu veranlagen, wenn das Betriebsstätten-Finanzamt des Arbeitgebers für sie die sog. Lohnsteuerabzugsmerkmale gebildet und ihnen darüber eine Bescheinigung erteilt hat. Diese Bescheinigung tritt für beschränkt steuerpflichtige Arbeitnehmer, die sich wegen weit überwiegend inländischer Einkünfte als unbeschränkt steuerpflichtig behandeln lassen, an die Stelle der früheren Lohnsteuerkarte bzw. jetzt der Lohnsteuerabzugsmerkmale für unbeschränkt steu...

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