Reiseveranstalter / 6 Bemessungsgrundlage

Für die einheitliche sonstige Leistung des Reiseveranstalters ist lediglich die Differenz zwischen dem Betrag, den der Reisende bezahlt, und den Aufwendungen für die Reisevorleistungen als Bemessungsgrundlage zugrunde zu legen (Marge). Hiervon ist die Umsatzsteuer abzusetzen.

 

Praxis-Beispiel

Berechnung der Brutto-/Nettomarge

Ein Reiseveranstalter in Berlin führt eine Bahn-Pauschalreise nach Hamburg aus. Der Preis beträgt 220 EUR; es nehmen 80 Personen teil. Für Reisevorleistungen wendet der Unternehmer Folgendes auf: Fahrt 3.200 EUR (einschl. USt) und Hotelunterkunft 12.000 EUR (einschl. USt). Die Marge für die Leistung des Reiseveranstalters beträgt:

 
Reisepreis (Aufwendungen der Reiseteilnehmer)   17.600,00 EUR
./. Reisevorleistungen: Fahrt 3.200,00 EUR  
  Hotel 12.000,00 EUR 15.200,00 EUR
Marge     2.400,00 EUR
./. darin enthaltene USt (19/119 %/ Steuersatz 19 %)   383,19 EUR
Bemessungsgrundlage     2.016,81 EUR

Aufwendungen für Reisevorleistungen in fremder Währung sind bei der Ermittlung der Bemessungsgrundlage in dem Zeitpunkt umzurechnen, in dem die Aufwendungen geleistet worden sind.

Fallen bei einer Reise Leistungen des Reiseveranstalters mit eigenen Mitteln und Leistungen Dritter zusammen, können für die Berechnung der Marge die eigenen Leistungen grds. im prozentualen Verhältnis zu den Fremdleistungen ausgeschieden werden. Die eigenen Leistungen sind mit den dafür aufgewendeten Kosten (einschl. USt) anzusetzen. Es können jedoch auch andere Grundlagen der Aufteilung verwendet werden, wenn sie zu einem sachgerechten Ergebnis führen.

Ist die einheitliche sonstige Leistung des Reiseveranstalters teils steuerfrei und teils steuerpflichtig, ist die Bemessungsgrundlage im Verhältnis der Reisevorleistungen im Drittlandsgebiet und der Vorleistungen im Gemeinschaftsgebiet zueinander aufzuteilen.

Buspauschalreisen

Von Busunternehmern werden Pauschalreisen angeboten, bei denen die Beförderung mit eigenen Bussen erfolgt (Eigenleistung) und die Unterkunft und Verpflegung der Reisenden von dritten Unternehmern (Reisevorleistung) eingekauft wird. Die Beförderung der Reisenden wird nach § 3b Abs. 1 UStG dort erbracht, wo sie tatsächlich bewirkt wird (Beförderungsstrecke). Die Kosten für die Personenbeförderung können aus Vereinfachungsgründen anhand von Kilometersätzen für das jeweilige Fahrzeug ermittelt werden. Die Kosten für die jeweilige Personenbeförderungsleistung einer Reise werden durch eine Multiplikation der zurückgelegten Fahrstrecke mit dem jeweiligen Kilometersatz errechnet. Bei Ermittlung der Kilometersätze sind nur die unmittelbar mit dem jeweiligen Fahrzeug entstandenen Ausgaben zu berücksichtigen. Hierzu gehören z. B.:

  • die ertragsteuerliche Abschreibung des Fahrzeugs,
  • die Ausgaben für die Finanzierung des Fahrzeugs,
  • die Ausgaben für Treibstoff, Versicherungen, Steuer, Reparaturen,
  • die Personalkosten des angestellten Busfahrers,
  • die Ausgaben für die Errichtung und Erhaltung oder die Miete von Fahrzeugabstellplätzen.

Bei der Ermittlung sind die Ausgaben einschließlich der USt anzusetzen. Darüber hinaus gehende Ausgaben (sog. Gemeinkosten wie z. B. Kosten der Verwaltung, Werbekosten, Personalkosten der anderen Mitarbeiter, Ausgaben für Verwaltungsgebäude, Geschäftsführergehälter) können in die Kilometersätze nicht miteinbezogen werden.

 

Praxis-Beispiel

Grenzüberschreitende Buspauschalreise

Der inländische Busunternehmer B führt im Jahr 2019 eine Buspauschalreise von Karlsruhe nach Wien durch. Er erzielt Reiseerlöse von insgesamt 15.000 EUR. Der Unternehmer befördert die Reisenden mit einem eigenen Bus (inländischer Streckenanteil 210 km, ausländischer Streckenanteil 520 km). Der Bus hat eine Jahresgesamtfahrleistung von 50.000 km und verursacht jährlich Gesamtausgaben von 110.000 EUR (Abschreibung, laufende Betriebskosten, Kreditzinsen, Lohnkosten des Fahrers). Die Unterkunft und Verpflegung der Reisenden hat B von anderen Unternehmern eingekauft. Hierfür entstehen Ausgaben von 10.000 EUR (brutto).

Die Margenbesteuerung kommt nur für den Teil der Reiseerlöse in Betracht, für den Reisevorleistungen in Anspruch genommen wurden. Die Beförderung mit dem eigenen Bus unterliegt der Besteuerung nach den allgemeinen Grundsätzen des UStG. Hierbei sind nur die auf den inländischen Streckenanteil entfallende Teilbeträge des Entgelts im Inland steuerbar und steuerpflichtig. Die ausländischen Streckenanteile unterliegen dem Besteuerungsrecht des jeweiligen Staates. Der Kilometersatz für den verwendeten Bus beträgt 2,20 EUR/km (110.000 EUR : 50.000 km). Für die Fahrt sind somit Gesamtkosten von 1.606 EUR (730 km x 2,20 EUR/km) entstanden. Insgesamt verursacht die Reise Ausgaben von 11.606 EUR (Reisevorleistungen 10.000 EUR + Kosten der Personenbeförderung 1.606 EUR). Davon entfallen auf die Eigenleistung 13,84 %. Von den Reiseerlösen unterliegen somit 13,84 % von 15.000 EUR = 2.076 EUR der Besteuerung nach den allgemeinen Regeln des UStG. Die Personenbeförderung ist nur mit dem inländischen Streckenanteil von 210/730 im I...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Finance Office Professional. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Finance Office Professional 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.


Meistgelesene beiträge