Ist-Besteuerung / 5 Nicht bilanzierende Freiberufler dürfen immer die Ist-Besteuerung beanspruchen

Die Ist-Besteuerung kann auf "Umsätze aus der Tätigkeit eines freien Berufs" angewendet werden. Bei einer freiberuflichen Tätigkeit spielt es keine Rolle, wie hoch der Vorjahresumsatz war. Zu den freiberuflichen Umsätzen gehören auch die sog. Hilfsumsätze, wie z. B. der Verkauf von Einrichtungsgegenständen oder eines Firmenwagens. Freiberufler, die steuerpflichtige Umsätze ausführen, erklären ihre Umsätze in dem Voranmeldungszeitraum, in dem ihre Kunden die Rechnung bezahlt haben. Freiberufler gehören somit zu der Personengruppe, die die Ist-Besteuerung beanspruchen darf.

D. h., dass Freiberufler gem. § 20 Satz 1 Nr. 3 UStG beim Finanzamt beantragen können, ihre Umsätze nach vereinnahmten Entgelten zu versteuern. Die gesetzliche Regelung stellt auf "Umsätze aus der Tätigkeit als Angehöriger eines freien Berufs i. S. d. § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG" ab. In der Vergangenheit haben die Finanzämter die Ist-Besteuerung unabhängig von der Art der Gewinnermittlung genehmigt.

Besonderheit bei bilanzierenden Freiberuflern

Der BFH hatte in seinem Urteil vom 22.7.2010 allerdings entschieden, dass die Ist-Versteuerung nicht zulässig ist, wenn der Unternehmer aufgrund seiner Umsätze buchführungspflichtig ist oder freiwillig Bücher führt. Der BFH stützt seine Auffassung darauf, dass Bilanzierungspflicht und die freiwillige Bilanzierung gleich zu behandeln sind. D. h., Freiberufler, die bilanzieren, müssen ihre Umsätze nach dem Soll-Prinzip versteuern.

Die Finanzverwaltung wendet das BFH-Urteil an. Das BMF-Schreiben vom 31.7.2013 enthält zur sachlichen und zeitlichen Anwendung die folgenden Aussagen:

  • Die Finanzverwaltung wird bei Freiberuflern, die ihren Gewinn mithilfe einer Bilanz ermitteln, keine Ist-Besteuerung mehr genehmigen.
  • Hat der Unternehmer im vorangegangenen Kalenderjahr einen Gesamtumsatz von nicht mehr als 500.000 EUR erzielt, erfüllt er die Voraussetzungen des § 20 Satz 1 Nr. 1 UStG.

    Konsequenz: Die Finanzverwaltung muss die Versteuerung nach vereinnahmten Entgelten (= Ist-Besteuerung) weiterhin unter dem Vorbehalt des jederzeitigen Widerrufs genehmigen und kann bisher erteilte Genehmigungen nicht zurücknehmen.

Abschn. 20.1 Abs. 1 des Umsatzsteuer-Anwendungserlasses enthält die folgende Aussage:

"Die Genehmigung der Ist-Versteuerung nach § 20 Satz 1 Nr. 3 UStG ist nicht zu erteilen, wenn der Unternehmer für die in der Vorschrift genannten Umsätze Bücher führt. Dabei ist es unerheblich, ob die Bücher auf Grund einer gesetzlichen Verpflichtung oder freiwillig geführt werden."

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Finance Office Professional. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Finance Office Professional 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge