Herstellungskosten

Zusammenfassung

 

Begriff

Herstellungskosten sind die Aufwendungen, die durch den Verbrauch von Gütern und die Inanspruchnahme von Diensten für die Herstellung eines Vermögensgegenstands, seine Erweiterung oder für eine über seinen ursprünglichen Zustand hinausgehende wesentliche Verbesserung entstehen.[1] Dieser handelsrechtliche Begriff der Herstellungskosten gilt auch für die Steuerbilanz.[2]

 

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Handelsrechtlich geregelt sind die Herstellungskosten in § 255 Abs. 2, 2a und 3 HGB. Steuerrechtlich ist § 6 EStG i. V. m. R 6.3 EStR einschlägig; H 6.3 (Herstellungskosten) EStH; BFH, Beschluss v. 4.7.1990, GrS 1/89, BStBl 1990 II S. 830.

1 Herstellung

Bei der Herstellung werden durch

  • den Verbrauch von Gütern und
  • die Inanspruchnahme von Diensten

Herstellungsergebnisse erzielt.

1.1 Verbrauch von Gütern und Inanspruchnahme von Diensten

Der Verbrauch von Gütern geschieht durch

  • Verarbeitung von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen bei der Herstellung und
  • Abschreibung der bei der Herstellung eingesetzten Fahrzeuge, Geräte, Maschinen und der Fertigungsgebäude, in denen die Maschinen stehen.

Inanspruchnahme von Diensten bedeutet Beschäftigung von Arbeitnehmern bei der Herstellung. Der hierauf entfallende Herstellungsaufwand sind daher die Fertigungslöhne.

1.2 Herstellungsergebnisse

1.2.1 Herstellung – Schaffung eines neuen Vermögensgegenstands

Bei der Herstellung wird ein bisher noch nicht bestehender Vermögensgegenstand neu geschaffen. Beispiele sind das Errichten eines Gebäudes oder das Produzieren von Erzeugnissen. Hier spricht man von Erstherstellung.

Auch die Wiederherstellung eines voll verschlissenen, untergegangenen oder teilzerstörten Vermögensgegenstands – Zweitherstellung – oder Änderung der betrieblichen Funktion – Wesensänderung – ist Herstellung eines Vermögensgegenstands.[1]

1.2.2 Erweiterung eines bestehenden Vermögensgegenstands/Wirtschaftsguts durch Substanzvermehrung

Erweiterung geschieht durch Substanzvermehrung an einem vorhandenen Vermögensgegenstand. Die Substanzvermehrung muss sich auf den Vermögensgegenstand als Ganzes, auf seine zweckbestimmte Nutzungsmöglichkeit und nicht nur auf einzelne unselbstständige Teile beziehen.[1]

1.2.3 Wesentliche Verbesserung

Herstellungskosten sind auch Aufwendungen, die durch eine über den ursprünglichen Zustand eines Vermögensgegenstands hinausgehende wesentliche Verbesserung des Vermögensgegenstands entstehen.[1] Es müssen also 2 Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. wesentliche Verbesserung eines Vermögensgegenstands,
  2. die über den ursprünglichen Zustand des Vermögensgegenstands hinausgeht.

Wesentliche Verbesserung ist eine das Wesen eines Vermögensgegenstands betreffende Veränderung seiner Gebrauchs- oder Verwendungsmöglichkeit. Dieser Herstellungstatbestand kommt besonders bei Gebäuden vor.[2]

Unter diesen Voraussetzungen sind Instandsetzungs- oder Modernisierungsaufwendungen Herstellungskosten, soweit sie nicht bereits als Aufwendungen zur Herbeiführung der Betriebsbereitschaft zu den Anschaffungskosten gehören.[3]

 

Hinweis

Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen an Gebäuden

Nach § 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG gehören zu den Herstellungskosten eines Gebäudes auch Aufwendungen für Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen, die innerhalb von 3 Jahren nach der Anschaffung des Gebäudes durchgeführt werden, wenn die Aufwendungen ohne die Umsatzsteuer 15 % der Anschaffungskosten des Gebäudes übersteigen. Man spricht hier von sog. anschaffungsnahen Herstellungskosten. Es handelt sich hierbei um eine besondere steuerrechtliche Bewertungsregel i. S. v. § 5 Abs. 6 EStG.[4] Diese Regelung gilt nur für die Steuerbilanz. Das Überschreiten der Schwellenwerte für den Zeitraum und die Kostenhöhe führt nicht zu Herstellungskosten in der Handelsbilanz.

Ursprünglicher Zustand, bei dessen Überschreiten Aufwendungen zu einer wesentlichen Verbesserung führen und damit Herstellungskosten i. S. v. § 255 Abs. 2 Satz 1 HGB sind, ist der Zustand im Zeitpunkt der Herstellung oder Anschaffung

  • durch den Unternehmer oder
  • seinen Rechtsnachfolger im Fall des unentgeltlichen Erwerbs.

Daher ist der Zustand des Vermögensgegenstands/Wirtschaftsguts, den er/es zu diesem Zeitpunkt hatte, mit dem Zustand nach der Verbesserung zu vergleichen.[5]

 

Praxis-Beispiel

Wesentliche Verbesserung in Versorgungsunternehmen

Ein Versorgungsunternehmen ersetzt eine alte Leitung seines Versorgungsnetzes durch eine neue mit einer höheren Leistungsfähigkeit, um gegenwärtige oder künftige Kapazitätsengpässe des Leitungsnetzes zu beseitigen.[6]

Werden nur unselbstständige Teile eines Vermögensgegenstands/Wirtschaftsguts verbessert, führt das nicht zu nachträglichen Herstellungskosten. Werden lediglich Teile ersetzt, die mit dem Vermögensgegenstand in einem einheitlichen Nutzungs- und Funktionszusammenhang stehen, führt dies zu sofort abzugsfähigen Betriebsausgaben.[7]

2 Umfang der Herstellungskosten

2.1 Einzelkosten und variable Gemeinkosten

 
  Aufwendungen Handelsbilanz Steuerbilanz
Einzelkosten Materialkosten Aktivierungsgebot Aktivierungsgebot
  Fertigungskosten Aktivierungs...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Finance Office Professional. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Finance Office Professional 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.



Meistgelesen