Grundsätze der IFRS-Rechnun... / 1 Grundlegendes
 

Rz. 1

Um eine weltweite Harmonisierung der Rechnungslegung zu erreichen, wurde am 29.6.1973 auf freiwilliger Basis als privater Zusammenschluss von nationalen Berufsverbänden der Wirtschaftsprüfer das International Accounting Standards Committee (IASC), ab 2001 in International Accounting Standards Board (IASB) umbenannt, gegründet. Träger ist die IASB Foundation. Derzeit werden die IFRS in 166 verschiedenen Ländern (Jurisdictionen) angewandt.

 

Rz. 2

Ziel des IASC war es, weltweit gültige Rechnungslegungsstandards (International Accounting Standards (IAS), zwischenzeitlich umbenannt in International Financial Reporting Standards (IFRS)) zu formulieren und zu veröffentlichen, eine weltweite Akzeptanz und Einhaltung der Standards zu erreichen und die Rechnungslegungsnormen zu verbessern und zu harmonisieren. Die Arbeit des IASC/IASB zeichnet sich durch folgende markante Entwicklungen aus: Während in der 1. Entwicklungsstufe (1973-1988) 28 Standards mit zahlreichen Wahlrechten entstanden sind, wurde in der 2. Entwicklungsstufe (1989-1993) die Ausarbeitung des Frameworks und eine Reduzierung von Wahlrechten vorgenommen (comparability and improvement project). Auf dieser Basis sind die wenigen noch bestehenden Optionen auf 2 Alternativen beschränkt: Benchmark Treatment (bevorzugte Methode) und Allowed Alternative Treatment (alternativ zulässige Methode). Die 3. Entwicklungsstufe (1994-2000) war durch die Überarbeitung verschiedener Standards bestimmt, um eine Erfüllung der Anforderungen (completing the core standards) der internationalen Organisation der Börsenaufsichtsbehörden (International Organisation of Securities Commissions (IOSCO)) zu erreichen. Nach der Überprüfung der überarbeiteten IAS folgte im Mai 2000 die Empfehlung der IOSCO, die IAS/IFRS weltweit als Rechnungslegungsstandards für grenzüberschreitende Notierungen zu akzeptieren.

 

Rz. 3

Seit 2001 erfuhren die IFRS durch die EU-Verordnung vom 19.7.2002, mit der die IFRS für den Konzernabschluss kapitalmarktorientierter Mutterunternehmen verpflichtend vorgeschrieben wurde, einen entscheidenden Bedeutungszuwachs. Zur weiteren Verstärkung der internationalen Akzeptanz erfolgte eine Reorganisation, um den dominanten Einfluss des Berufsstands der Wirtschaftsprüfer zu reduzieren. Zudem wurde die Konvergenz der Rechnungslegung weiter vorangetrieben, indem der IASB im Mai 2002 mit dem Improvements Project eine umfangreiche Überarbeitung für eine Vielzahl von Rechnungslegungsstandards startete, um Wahlrechte weiter zu reduzieren und die Qualität der Standards zu verbessern. Im September 2002 vereinbarten IASB und FASB (Financial Accounting Standards Board, der US-amerikanische Standardsetter) im Rahmen des Norwalk Agreement eine enge Zusammenarbeit zur Reduzierung der Unterschiede zwischen IFRS und US-GAAP bis zum Jahr 2005. In der Folge wurden für Geschäftsjahre seit 2007 auch IFRS-Abschlüsse von der SEC (Securities and Exchange Commission) akzeptiert (sog. Crossborder Listing), sodass die zusätzlichen IFRS-Überleitungsrechnungen von IFRS nach US-GAAP entfallen sind. Allerdings hat die SEC die IFRS und nicht die EU-endorsed IFRS anerkannt.

 

Rz. 4

Bis zum heutigen Zeitpunkt wurden 41 International Accounting Standards (IAS), wobei 29 IAS nicht mehr in Kraft sind, und 17 International Financial Reporting Standards (IFRS) verabschiedet, in denen Einzelfragen zur Rechnungslegung normiert sind. Von diesen wurde aber ein Standard (IFRS 14, Regulatorische Abgrenzungsposten) endgültig nicht von der EU übernommen und IFRS 17 (Versicherungsverträge), befindet sich noch im Anerkennungsprozess der EU. Darüber hinaus existieren Interpretationen, die insbesondere die einzelnen Standards zum Abbau von Auslegungsspielräumen ergänzen. Bisher wurden 33 Standing Interpretation Committee (SIC) (verschiedene SIC sind nicht mehr in Kraft) und 23 International Financial Reporting Interpretation Committee (IFRIC) verabschiedet.

 

Rz. 5

Neben den IFRS wurde im Juli 2009 ein IFRS for SMEs veröffentlicht, der die Rechnungslegung für nicht kapitalmarktorientierte kleine und mittelgroße Unternehmen regelt. Diese stoßen aber bislang in der EU noch mehrheitlich auf Ablehnung und können in Deutschland nur ergänzend zum pflichtgemäßen Jahresabschluss auf freiwilliger Basis angewandt werden.

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