Anschaffungskosten, Aktivie... / 6 Wann die Umsatzsteuer als Bestandteil der Anschaffungskosten zählt

Ob die Umsatzsteuer zu den Anschaffungskosten gerechnet werden muss oder nicht, hängt davon ab, ob das Wirtschaftsgut für umsatzsteuerpflichtige oder für umsatzsteuerfreie Umsätze verwendet wird, die den Vorsteuerabzug ausschließen. Dabei muss wie folgt unterschieden werden:

  • Der Unternehmer tätigt ausschließlich umsatzsteuerpflichtige Umsätze oder umsatzsteuerfreie Umsätze, die den Vorsteuerabzug nicht ausschließen (z. B. steuerfreie Ausfuhrlieferungen).

    Ergebnis: Er hat den vollen Vorsteuerabzug, sodass die Umsatzsteuer nicht zu den Anschaffungskosten gehört.

  • Der Unternehmer tätigt ausschließlich umsatzsteuerfreie Umsätze, die den Vorsteuerabzug ausschließen (z. B. die Umsätze von Versicherungsvertretern, Ärzten usw.).

    Ergebnis: Die Umsatzsteuer ist nicht als Vorsteuer abziehbar und gehört deshalb in voller Höhe zu den Anschaffungskosten.

  • Der Unternehmer tätigt Umsätze, die teilweise den Vorsteuerabzug ausschließen. Er verwendet das neue Wirtschaftsgut ausschließlich für umsatzsteuerpflichtige Umsätze.

    Ergebnis: Er hat den vollen Vorsteuerabzug, sodass die Umsatzsteuer nicht zu den Anschaffungskosten gehört.

  • Der Unternehmer tätigt Umsätze, die teilweise den Vorsteuerabzug ausschließen und verwendet das neue Wirtschaftsgut ausschließlich für steuerfreie Umsätze, die den Vorsteuerabzug ausschließen.

    Ergebnis: Die Umsatzsteuer gehört voll zu den Anschaffungskosten.

  • Der Unternehmer tätigt Umsätze, die teilweise den Vorsteuerabzug ausschließen, und verwendet das neue Wirtschaftsgut für beide Bereiche.

    Ergebnis: Die Umsatzsteuer ist nur teilweise als Vorsteuer abziehbar. Der nicht abziehbare Teil der Umsatzsteuer gehört zu den Anschaffungskosten.

 

Praxis-Beispiel

Unternehmer, der die Vorsteuer aufteilen muss

Der Immobilienmakler Hausmann vermittelt gelegentlich Finanzierungen. Im Jahr 01 betragen seine umsatzsteuerpflichtigen Maklerprovisionen 135.000 EUR (= 90 %) und die umsatzsteuerfreien Provisionen für die Finanzierungsvermittlung 15.000 EUR (= 10 %). Im Jahr 01 hat er sich einen neuen Pkw für 30.000 EUR zuzüglich 5.700 EUR Umsatzsteuer (19 %) gekauft. Eine Zuordnung allein zu dem umsatzsteuerpflichtigen Bereich ist nicht möglich. 10 % der Umsatzsteuer = 570 EUR sind nicht als Vorsteuer abziehbar, sodass der Pkw mit Anschaffungskosten von 30.570 EUR auszuweisen ist.

Buchungsvorschlag::

 
Konto SKR 03/04 Soll Kontenbezeichnung Betrag Konto SKR 03/04 Haben Kontenbezeichnung Betrag
0320/0520 Pkw 30.570      
1576/1406 Abziehbare Vorsteuer 19 % 5.130 1200/1800 Bank 35.700

Wenn sich Veränderungen gegenüber dem Anschaffungsjahr ergeben, ist bei Überschreiten der Bagatellgrenze zu prüfen, ob eine Vorsteuerberichtigung nach § 15 a UStG vorzunehmen ist. Nur wenn sich die Verhältnisse für den Vorsteuerabzug innerhalb von 5 Jahren (bei Grundstücken innerhalb von 10 Jahren) ändern, ist eine Vorsteuerkorrektur in dem Jahr vorzunehmen, in dem die Änderung eintritt.

Es wird nicht der Vorsteuerabzug im Ursprungsjahr korrigiert, sodass sich keine Auswirkung auf die Höhe der Anschaffungskosten ergibt. Die Nachzahlung bzw. Erstattung wird im Jahr der Korrektur als Aufwand bzw. Ertrag behandelt.

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