Anlagevermögen oder Umlaufvermögen: So werden Wirtschaftsgüter richtig zugeordnet

Zusammenfassung

 
Überblick

Die Zuordnung zum Anlage- oder Umlaufvermögen orientiert sich maßgeblich an der betrieblichen Zweckbestimmung des Wirtschaftsguts im Unternehmen. Diese hängt einerseits subjektiv vom Willen des Bilanzierenden ab, muss aber auch andererseits anhand objektiver Merkmale nachvollziehbar sein, wie z. B. die Art des Wirtschaftsguts, die Dauer der Verwendung im Betrieb oder die Art des Betriebs.[1] Wechselt die Zweckbestimmung eines Wirtschaftsguts während seiner Zugehörigkeit zum Betriebsvermögen, kann das auch eine veränderte Zuordnung zum Anlage- oder Umlaufvermögen zur Folge haben. Gleichwohl wird ein Wirtschaftsgut des Anlagevermögens bei unveränderter Nutzung im Betrieb nicht allein durch den Entschluss des Steuerpflichtigen zu seiner Veräußerung zum Umlaufvermögen.[2] Die richtige Zuordnung der Wirtschaftsgüter zum Anlage- oder Umlaufvermögen ist maßgeblich für deren Ausweis und die Bewertung in der Bilanz.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Zum Anlagevermögen gehören nur Vermögensgegenstände, die bestimmt sind, dem Geschäftsbetrieb auf Dauer zu dienen.[3] Im Umkehrschluss folgt daraus, dass Vermögensgegenstände zum Umlaufvermögen gehören, wenn sie nicht dazu bestimmt sind, dem Geschäftsbetrieb auf Dauer zu dienen, also regelmäßig zur Be- und Verarbeitung, zum Verbrauch oder zur Veräußerung verwendet werden.[4]

Die Zuordnung zum Anlage- oder Umlaufvermögen wurde vom BFH (in Anlehnung an das HGB) in verschiedenen Urteilen definiert. Über die Zuordnung von Grund und Boden zum Anlagevermögen und zur Zwangsumgliederung von Anlage- in Umlaufvermögen entschied der BFH im Urteil v. 31.5.2001, IV R 73/00, BFH/NV 2001 S. 1485, BStBl. 2001 II S. 673. Zur Zuordnung von Wirtschaftsgütern zum Anlagevermögen im Rahmen einer Sale-and-lease-back-Finanzierung nahm der BFH mit Urteil v. 28.5.1998, X R 80/94, BFH/NV 1999 S. 359 Stellung. Zur Umwidmung der Zweckbestimmung eines zum Verkauf produzierten Produkts siehe BFH, Urteil v. 5.2.1987, IV R 105/84, BStBl. 1987 II S. 448.

1 Auswirkung der Zuordnung zum Anlagemvermögen oder zum Umlaufvermögen

Die richtige Zuordnung von Wirtschaftsgütern zum Anlage- oder Umlaufvermögen ist in der bilanziellen Praxis von großer Bedeutung. Insbesondere unterscheidet sich je nach Zuordnung die nach der erstmaligen Aktivierung anstehende Folgebewertung. Abnutzbares Anlagevermögen ist planmäßig auf die Jahre der Nutzung abzuschreiben, während Umlaufvermögen nur außerplanmäßig nach dem strengen Niederstwertprinzip abgeschrieben werden darf. Bei falscher Zuordnung ergibt sich in den einzelnen Perioden ein abweichender steuerlicher Gewinn, der bei einer späteren Außenprüfung zu Korrekturen führen kann.

Zudem sind Investitionszulagen nach § 2 InvZulG nur bei Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens, nicht jedoch bei Umlaufvermögen möglich. Im Einkommensteuerrecht sind Sonderposten mit Rücklageanteil, beispielsweise im Rahmen einer Reinvestitionsrücklage gemäß § 6b EStG, nur bei Anlagevermögen zulässig.

 
Praxis-Beispiel

Auswirkungen falscher Zuordnung

Wird ein dem Umlaufvermögen zugehöriges Wirtschaftsgut vom Bilanzierenden fälschlicherweise dem Anlagevermögen zugeordnet und deshalb planmäßig gewinnmindernd über die Gewinn- und Verlustrechnung abgeschrieben, ist der Gewinn in den Jahren der Abschreibung zu niedrig ausgewiesen. Bei einer späteren Betriebsprüfung wird der Gewinn gegebenenfalls korrigiert; es kommt durch die unterschiedlichen Periodengewinne zu Zins- und/oder Steuernachzahlungen.

2 Zuordnungskriterien für die Zuordnung zum Anlage- oder Umlaufvermögen

Nach der Kommentarliteratur zu § 247 HGB gibt es Indizien, die für die Zuordnung zum Anlage- oder Umlaufvermögen sprechen. Im Anlagevermögen sind nur solche Gegenstände auszuweisen, die dem Geschäftsbetrieb dauerhaft dienen sollen. Der Begriff "dauernd" ist hierbei nicht im Sinne von "für immer" oder "für alle Zeiten" zu verstehen; entscheidend ist die vorgesehene Zeit des Dienens im Geschäftsbetrieb.[1] Das Umlaufvermögen ist über eine Negativabgrenzung (Umkehrschluss) zu bestimmen. Die beabsichtigte Zweckbestimmung ist das eigentliche Kriterium für die Zuordnung zum Anlage- oder Umlaufvermögen, die tatsächliche Dauer der Verwendung dagegen nur ein Anhaltspunkt.

 
Praxis-Beispiel

Zuordnung eines Grundstücks bei gewerblichem Grundstückshandel

Ein erworbenes Grundstück eines produzierenden Unternehmens stellt grundsätzlich Anlagevermögen dar, da es dauerhaft dem Geschäftsbetrieb dienen wird. Bei einem gewerblichen Grundstückshändler hingegen, der nach objektivem Gesamtbild der Verhältnisse die Vermögensumschichtung bzw. -verwertung im Gegensatz zur Vermögensnutzung beabsichtigt, gehört das Grundstück auch bei längerer betrieblicher Zuge...

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