01.08.2016 | Aus der Praxis - Für die Praxis

Begriff "Gutschrift" bei Rechnungsstellung und bei Rechnungskorrektur?

Kann der Begriff "Gutschrift" bei Rücksendung von Waren verwendet werden?
Bild: Michael Bamberger

Darf das Wort „Gutschrift“ bei einer Rücksendung von Waren verwendet werden oder muss eine Rücksendung als "Rechnungskorrektur" oder "Stornorechnung" überschrieben sein? Eine Antwort auf diese Frage und die Erläuterung der umsatzsteuerlichen Beurteilung bei einer Gutschrift als Rechnung und einer nachträglichen Gutschrift als Kaufpreisminderung finden Sie hier.  

Begriff Gutschrift darf weiterhin verwendet werden

Bei einer Rücksendung von Waren oder Kaufpreisminderung aus sonstigem Grund darf das Wort „Gutschrift“ – auch weiterhin – verwendet werden. Wird der  „Rückrechnungsbeleg“ als Gutschrift bezeichnet und geht aus diesem eindeutig hervor, welche Rechnung über welche Lieferung oder Leistung korrigiert oder storniert wird, kommt es insoweit zu einer Berichtigung der Umsatzsteuer nach § 17 UStG.  Die Umsatzsteuerschuld des Leistenden und der Vorsteuerabzug des Leistungsempfängers werden nach unten korrigiert. Die Folgen eines unberechtigten Steuerausweises treten nicht ein.

Gutschrift: Wie wird diese umsatzsteuerlich beurteilt?

Ob eine Gutschrift umsatzsteuerlich als Rechnung oder Kaufpreisminderung (=Entgeltsminderung) zu beurteilen ist, richtet sich nach dem Aussteller.

Gutschrift als Rechnung

Hier stellt der Leistungsempfänger (Kunde) die Gutschrift aus und rechnet mit dem Leistenden (Lieferant, Dienstleister) ab (§ 14 Abs. 2 Satz 2 UStG). Das Abrechnungsdokument (in Papierform oder elektronisch) muss alle Formalien einer Rechnung beinhalten; zusätzlich muss das Wort „Gutschrift“ im Dokument genannt sein. Sofern der Empfänger der Gutschrift (=Leistender) nicht widerspricht kann der Leistungsempfänger (Gutschriftsaussteller) Vorsteuer ziehen.

Ist der Leistende z.B. ein Kleinunternehmer i.S.d. § 19 UStG, darf er keine Umsatzsteuer ausweisen. In diesem Fall muss er einer Gutschrift mit Umsatzsteuerausweis widersprechen, damit er keine Umsatzsteuer nach § 14c UStG (unberechtigter Steuerausweis) schuldet.

Nachträgliche Gutschrift als Kaufpreisminderung z.B. bei Mängeln oder Rabattgewährung

Zunächst hat der Leistende eine Rechnung über einen bestimmten Betrag erstellt und an seinen Kunden gesandt (Normalfall). Kommt es danach zu einer Reduzierung des Rechnungspreises (z.B. wg. Mängel oder Rabattgewährung) wird mit einem zweiten Dokument eine Gutschrift im kaufmännischen Sinn erteilt.

Wichtig ist dabei, dass sich der Korrekturbeleg eindeutig auf die ursprüngliche Rechnung bezieht, die berichtigt werden soll; dies geschieht i.d.R durch Nennung der Rechnungsnummer im Korrekturdokument.

Umsatzsteuerlich gilt dieser Beleg als Rechnungsberichtigung und führt zu einer Entgeltsminderung. Die Umsatzsteuer des Leistenden und der Vorsteuerabzug des Leistungsempfängers werden nach unten korrigiert (§ 17 Abs. 1 Satz 1 UStG).

Wird hier der Begriff "Gutschrift" verwendet, liegt keine Gutschrift im umsatzsteuerrechtlichen Sinne vor. Negative Folgen (zusätzliche Umsatzsteuerschuld) aufgrund eines unrichtigen oder ungerechtfertigten Umsatzsteuerausweises treten nicht ein (Abschnitt 14c.1 Abs. 3 Satz 3UStAE).

Schlagworte zum Thema:  Gutschrift, Rechnung

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