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Bewertung der KPIs Bild: Bernhard Heyder et al.

Lange Zeit haben Energieunternehmen ihr Geld mit fossiler Stromerzeugung und dem Stromhandel verdient. Die Deregulierung und Klimaschutzanforderungen lassen den Ergebnisbeitrag dieses Sektors bei EnBW im Zeitraum von 2012 bis 2020 um 80% schrumpfen. Die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle unterstützt das Controlling durch geeignete Kennzahlen.

Energiebranche benötigt innovative Geschäftsmodelle

Wandelnde Kundenanforderungen und politische Vorgaben haben dazu geführt, dass der Veränderungsdruck aktuell in kaum einer Branche so groß ist wie in der Energieindustrie. Neue Geschäftsmodelle sind gefragt, um die entfallenden Ergebnisbeiträge zu kompensieren. Auf Forschungs- und Innovationsaktivitäten ruhen daher große Hoffnungen und natürlich auf guten Steuerungsinstrumenten für Forschung und Innovation. Laut Bernhard Heyder, Senior Referent Forschung und Entwicklung bei der EnBW AG, ist der Schlüssel dafür die Zusammenarbeit zwischen der Forschung und den Geschäftseinheiten. In der Vergangenheit wurde bei der EnBW-Forschungsabteilung auf Kennzahlen verzichtet, doch knappe Mittel führten auch zur Überlegung, ob man mit Kennzahlen die Forschung besser steuern kann als ohne.

Präzise Abbildung der gesamten Wertschöpfungskette notwendig

Grundlegendes Ziel war es, den Beitrag der Forschungsaktivitäten zum Gesamterfolg des Unternehmens zu beziffern. So sollten die gesuchten Kennzahlen sowohl die Auswirkung von Forschung auf das Konzerngeschäft zeigen, als auch Anreiz zur Leistungssteigerung sein. Ein grundsätzliches Problem ist die teilweise sehr langfristige Wirkung der F&E-Projekte. Die Forschung greift in der Regel frühzeitig Trends auf und begleitet, entwickelt und bewertet sie bis zur Marktreife. Die Wertschöpfung durch die Forschung zu beziffern ist insofern kompliziert, da später schwer abzugrenzen ist, welcher Beitrag am Produktergebnis der Forschung zuzuschreiben ist.

Anforderungen und Auswahl der Kennzahlen

Sinnvolle Kennzahlen zeichnen sich dadurch aus, dass sie die gesamte Wertschöpfungskette abbilden, eine zeitnahe Bewertung der Leistung ermöglichen und Fehlanreize verhindern. Ebenso wichtig für die Güte von KPIs sind Kriterien wie die leichte Vermittelbarkeit, schwere Manipulierbarkeit und eindeutige Beeinflussbarkeit durch die Aktivitäten der F&E. Eine Vielzahl aus der Literatur recherchierter Kennzahlen wurde anhand der Zielerfüllung und der Einfachheit der Ermittlung bewertet. Auf Basis dessen hat das Unternehmen Vorgaben definiert, die für die Entwicklung der KPIs bei EnBW durch das Controlling wichtig sind. Diese sind z.B.:

  • Die Wertschöpfung abbilden,
  • anschaulich sein,
  • robust gegen schwankende Projektgrößen sein und
  • Leistung zeitnah bewerten.

Wichtig war zudem, dass durch die KPIs keine Fehlanreize gesetzt werden. Für die KPI „Hohe Anzahl neuer Projekte“ beispielsweise wäre ein Fehlanreiz das Aufsplitten von zusammengehörigen Projekten. Dadurch könnten Synergien wegfallen.

Zwei Kennzahlen erfüllten die wichtigsten Kriterien

Mittels subjektiver Bewertung stellte man fest, dass lediglich zwei Kennzahlen wichtige Kriterien gut erfüllten (s. Abb.):

  1. Mit einer „Transferrate“ wird dann sichtbar gemacht, wie viele Forschungsprojekte innerhalb eines Jahres in Entwicklungsprojekte überführt werden.
  2. Das Nutzen-Kosten-Verhältnis gibt zusätzlich einen Anhaltspunkt über die Wirtschaftlichkeit der transferierten Projekte.

Dieses Duo von finanzieller und nicht-finanzieller Kennzahl kommt jetzt zur Steuerung der Forschungseinheit zum Einsatz. Die beiden Kennzahlen sichern die Anschlussfähigkeit von Forschungsergebnissen und halten zur frühzeitigen Befassung mit möglichen Geschäftsmodellen an.

Über EnBW

Die Energie Baden-Württemberg AG ist einer der größten Energieversorger in Deutschland. Der Jahresumsatz in 2016 betrug über 19 Mrd. EUR. Das Unternehmen beschäftigt rund 20.000 Mitarbeiter und betreut ca. 5,5 Mio. Kunden. Die Geschäftssegmente sind Netze, Erneuerbare Energien, Vertriebe sowie Erzeugung und Handel. Im vergangenen Jahr hat die EnBW einen Forschungsaufwand von 37,3 Mio. EUR verzeichnet, 15 Mio. EUR davon wurden für das Innovationsmanagement aufgebracht.

Schlagworte zum Thema:  Forschung und Entwicklung, Kennzahl, Innovation, Innovationsmanagement

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