Früher war Planung noch recht einfach. Welche Anforderungen heute berücksichtigt werden, hat Prof. Dr. Jürgen Weber in seiner Kolumne im Controller Magazin zusammengefasst. Lesen Sie hier den Auszug aus der aktuellen Ausgabe 1/2018.

Forecasts gewinnen enorm an  Bedeutung

Früher war die Welt noch einfach: Eine ausgebaute Planung lieferte die Ziele für die Ergebnisverantwortlichen, periodische Kontrollen stellten sicher, dass sie auch wirklich erfüllt wurden. Ein Kostenstellenleiter z.B. hatte sich nach den geplanten Kosten zu richten, die somit sowohl ein Plan- als auch ein Zielwert waren. Kam es zu einer Abweichung, dann ging es um Maßnahmen, diese zumindest bis Jahresende wieder zu korrigieren.

Heute ist das Spiel komplizierter geworden. Zum einen müssen sich Ziele nicht unmittelbar aus der Planung ergeben, sondern können auch einfach normativ gesetzt sein, z.B., um höhere Anstrengungen der Verantwortlichen zu erreichen („Stretched Targets“). Planung und Zielsetzung fallen damit auseinander. Zum anderen kann ein Planwert im Jahresablauf an Validität verlieren, weil das Umfeld turbulenter und volatiler geworden ist. Insofern haben unterjährige Prognosen eine wichtige Bedeutung gewonnen. „Forecasting“ ist aus den Unternehmen nicht mehr wegzudenken.

An was müssen Sie denken, wenn Sie die für Ihr Unternehmen passende Form von Forecasting festlegen wollen? Zwei zu beantwortende Fragen springen sofort ins Auge.

  1. Wie häufig soll prognostiziert werden? Monatlich, quartalsweise?
  2. Soll der Prognosezeitraum im Laufe des Jahres immer kleiner werden, weil stets das Jahresende den Bezugspunkt bildet, oder soll sich der Forecast fest auf einen bestimmten Zeitraum (z.B. 12 Monate) beziehen („Rolling Forecast“).

Beide Fragen werden in der Praxis von den Unternehmen sehr unterschiedlich beantwortet.

Fünf Qualitätskriterien für den Forecast

Für die Gestaltung des Forecasts ist es darüber hinaus wesentlich, eine klare Vorstellung darüber zu haben, wann ein Forecast eine hohe Qualität besitzt und wann nicht. Auf den ersten Blick scheint die Antwort einfach: Ein Forecast ist umso besser, je genauer die prognostizierte Zahl auch wirklich eintritt. Prognosegüte ist aber nicht das einzige Qualitätskriterium. Morlidge und Player unterscheiden in ihrem häufig zitierten Buch vielmehr fünf Qualitätskriterien.

Maßnahmenorientiert („actionable“): Der Forecast liefert alle entscheidungsrelevanten Informationen für die Festlegung und Begleitung von Maßnahmen. Rein zu prognostizieren macht nur begrenzt Sinn. Das damit gewonnene Wissen muss auch in Maßnahmen umgesetzt werden.

Zeitlich passend („timely“): Der Forecast soll verfügbar sein, wenn er gebraucht wird. Mit anderen Worten: Zeitpunkt, Häufigkeit und Erstellungsdauer des Forecasts sind der Zyklizität des Geschäftsmodells/-umfelds angemessen.

Hinreichend genau („accurate enough“): Die Genauigkeit des Forecasts reicht aus, um darauf basierend wichtige Entscheidungen zu treffen.

Aufeinander abgestimmt („aligned“): Unterschiedliche Forecasts (z.B. Finanz, Supply-Chain, Marketing) sind aufeinander abgestimmt.

Effizient („cost effective“): Ein aktuelles Beispiel hierfür ist der Trend, den Forecastingprozess mehr und mehr zu automatisieren, um Controllerkapazität freizusetzen.

Meiner Erfahrung nach finden Controller grundsätzlich alle Kriterien relevant, allerdings mit sehr unterschiedlichen Schwerpunkten. Die, die sich intensiv mit einer weitgehenden Automatisierung des Forecastings beschäftigen, sehen häufig die große Zahl von Controllern im Vordergrund, die sich durch die Automatisierung einsparen lässt. Allerdings gibt es noch keine hinreichende empirische Erfahrung darüber, ob dies am Ende auch wirklich gelingt.

Eine laufende Prognoserechnung zu gestalten, ist also alles andere als trivial. Eine solche Rechnung erhöht auch die Komplexität des Steuerungsinstrumentariums. Manche Unternehmen fragen sich deshalb aktuell, ob sie die übliche Planung neben dem Forecasting überhaupt noch brauchen. Kann man über die ständige Auseinandersetzung mit dem Forecast nicht auch so viel über das Geschäft lernen, dass eine gesonderte Planung obsolet wird? Weitere spannende Fragestellen sich: Wer prognostiziert besser, der Mensch oder die Maschine? Warum erfolgt der Forecast noch in den üblichen Zeitscheiben, wenn Hana oder ähnliche Technologien versprechen, ein Forecasting „auf Knopfdruck“ möglich machen? Erfolgt das Forecasting in Zukunft anlass- statt periodengesteuert? Sie sehen: Es bleibt spannend!

Entnommen aus: Controller Magazin, Heft 1/2018

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