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Die Vorurteile gegenüber Desinvestitionsstrategien sind vielfältig: geringe Verkaufspreise, überdimensionale Overheadkosten und ein zu niedriger Umsatz. Eine Studie der Managementberatung Bain & Company zeigt jedoch: Desinvestitionsstrategien lohnen sich öfter als erwartet. Dazu müssen vier Voraussetzungen erfüllt sein.

Vorteile: reduzierte Komplexität, höheres Investitionspotenzial

Unternehmen vermuten oftmals, dass sie ihre unwirtschaftlichen Unternehmensanteile unter Wert verkaufen. Die Studie „Everybody Wins in Divestitures“ zeigt jedoch: Die sogenannten Carve-Outs reduzieren organisatorische Komplexität und verbessern die Möglichkeit, in wachstumsträchtigere Geschäftsfelder zu investieren. Zudem wird die Anpassung der Kostenstrukturen an die Bedürfnisse der (verbleibenden) zentralen Aufgaben forciert.

Damit eine Desinvestitionsstrategie erfolgreich wird, sind vier fundamentale Aspekten zu berücksichtigen:

  1. Proaktives Portfoliomanagement:
    Hierbei sollte sich das Management vor allem Fragen stellen, wie z.B. „Welchen Beitrag leisten einzelne Unternehmensteile zum profitablen Wachstum unseres Kerngeschäfts?“ oder „In welcher Wettbewerbsposition befindet sich unser Unternehmen in den verschiedenen Geschäftsfeldern und wo können disruptive Entwicklungen eintreten?“ Die Analyse und Beantwortung der Fragen zeigt schließlich auf, welche der betrachteten Geschäftsfelder verkauft werden sollten.
  2. Strategische Vorbereitung des Verkaufs über sechs bis zwölf Monate:
    Das Unternehmen sollte einen ausführlichen Projektplan entwickeln. Der Plan sollte relevante Prozessschritte sowie finanzielle und operative Ziele zur Veräußerung des entsprechenden Unternehmensanteils enthalten.
  3. Intensive Beschäftigung mit potenziellen Käufern und deren Erwartungen:
    Das betroffene Unternehmen muss zuerst in einer Due Diligence herausfinden, welche Wertsteigerung der Unternehmensanteil noch verwirklichen kann und bei welchem Wert die Synergiepotenziale mit einem Käufer liegen. Der Verkaufspreis kann dadurch einfacher optimiert werden.
  4. Konsequente Anpassung der bestehenden Strukturen nach dem Verkauf:
    Das Carve-out sollte vom Unternehmen als Chance auf einen Neuanfang gewertet werden. Wichtig ist nun, die Präferenzen des Unternehmens neu festzulegen und sich stärker auf die verbleibenden Geschäftsfelder zu konzentrieren.

 

Desinvestierende Unternehmen erwirtschaften eine 15 % höhere Aktienrendite

Für die Studie wurden rund 2.100 börsennotierte Unternehmen über den Zeitraum von 2005 bis 2015 analysiert. Unternehmen, die in dieser Zeitspanne Unternehmensanteile verkauften, erwirtschafteten eine um 15 % höhere Aktienrendite als jene Wettbewerber, die darauf verzichteten. Diejenigen Unternehmen, die regelmäßig Carve-outs betreiben, konnten sogar eine bis zu 40 % höhere Aktienrendite erwirtschafteten. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist dabei die kontinuierliche Bereinigung des Portfolios. Eine regelmäßige Identifizierung der Unternehmensteile, die durch den Verkauf effektiver wirtschaften würden, ist unabdingbar. Laut Dr. Holzapfel, Leiter der Praxisgruppe M&A im deutschsprachigen Raum, nützt diese Art der Strategie auch den übrigen Unternehmensteilen.

Die Rolle des Controllings bei Carve-outs am Beispiel von Covestro

Das Tochterunternehmen des Bayer-Konzerns Covestro hat es geschafft, sich dank eines Carve-outs strategisch neu auszurichten und eine Controlling-Identität aufzubauen. Durch die Aufstellung von Zielen und Verhaltensweisen konnte die Controlling-Funktion nachhaltig gestärkt werden. Die Neuorientierung zielte besonders auf die Bereiche Performance und Wertschöpfung ab. Dabei wurden drei zentrale KPIs verwendet:

-  Mengenwachstum im Kerngeschäft,

-  Return of Capital Employed und

-  Free operating Cashflow.

Diese wurden vorab aus der Strategie deduziert und sind Komponenten eines Anreizsystems.

Schlagworte zum Thema:  Investition, Controlling

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